Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

Vereinigung sei. Ebenso könne der Zusammenschluß der Errichtung einer Großkana¬ 
lisation mit Kläranlage nur zuträglich sein, da sich die Baukosten auf 4,5 Millionen 
Mark belaufen würden, wenn jede der drei Städte ihre eigene Kanalisation errichten 
würde, während eine einzige Großanlage für alle drei Städte nur zwei Millionen Mark 
koste. 
Zu den städtischen Betriebswerken bemerkte Tille im einzelnen: "Da die General¬ 
unkosten fast die gleichen bleiben, ob ein Gaswerk eine halbe Million oder anderthal- 
be Million Mark umsetzt, und auch sonst der Großbetrieb eine ganz bedeutende 
Verbilligung der Herstellungskosten bedingt, so kann es keinem Zweifel unterliegen, 
daß ein Gaswerk für alle drei Städte einen erheblich höheren Überschuß bringen 
könnte, der entweder durch Herabsetzung des Gaspreises oder durch Erleichterung 
der städtischen Steuerlast der Allgemeinheit zugute käme." Zudem seien Renovie¬ 
rungsarbeiten in drei Gaswerken kostspieliger als in einem einzigen. Stelle man den 
Betrieb in zwei der drei Gaswerke ein und erweitere die verbleibende Anlage, so 
könne man hier den günstigsten Standort für den Kohlenbezug und Koksversand be¬ 
rücksichtigen, was den Überschuß nochmals erhöhe.18 Analog verhalte es sich mit 
den Elektrizitätswerken. "Ganz besonders große Ersparnisse" würde die Zentrali¬ 
sierung der Stromversorgung in den Saarstädten erbringen, da man dann in Malstatt- 
Burbach auf ein eigenes Elektrizitätswerk verzichten könne. Ertragssteigerungen 
erwarte er zusätzlich bei den Wasserwerken und Schlachthöfen. 
Ihrer Zustimmung zu den Ausführungen ihres Syndikus gab die Handelskammer 
durch folgende Resolution Ausdruck: "Die Handelskammer Saarbrücken hält die 
Vereinigung der drei Saarstädte Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach zu 
einem einzigen gemeinsamen städtischen Gemeinwesen unter dem alten geschicht¬ 
lichen Namen Saarbrücken aus wirtschaftlichen Gründen für eine dringende Notwen¬ 
digkeit. Sie kann sich nicht der Erkenntnis verschliessen, daß die wirtschaftlichen, 
sozialen und Verkehrsaufgaben, welche dem Wirtschaftsmittelpunkte des Saargebietes 
heute gestellt sind, durchaus großstädtischer Art sind und sich befriedigend und ohne 
allzugroße Steuerbelastung der Einwohner aller drei Saarstädte nur durch eine solche 
baldige Vereinigung lösen lassen."19 
Die Opposition gegen die Vereinigung 
Das Stichwort ’Kommunalsteuern’ entwickelte sich zum neuralgischen Punkt in der 
öffentlichen Auseinandersetzung, welche die führenden Kreise von Handel und Ge¬ 
werbe mit ihrer ’Vereinigungsresolution’ verursachten. Die drei Saarstädte erhoben 
18 Nur das Malstatt-Burbacher Gaswerk lag in der Nähe von Bahnanlagen, so daß keine 
hohen Transportkosten (Kohle) den Betriebsetat belasteten. 
19 Die Resolution wurde mangels Beschlußfähigkeit der Novemberversammlung erst am 9. 
Jan. 1906 verabschiedet. Vgl. Albert Ruppersberg, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. 
Johann von 1815 bis 1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken 
bis zum Jahr 1914, Teil 3: Geschichte der Stadt Saarbrücken, Bd. 2, Saarbrücken 21914 (ND 
St. Ingbert 1979), S. 240. 
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