Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

tische Wirkung hatten sie, welche Konvergenzen, aber auch Divergenzen zeichnen 
sich zwischen Ländern und Regionen ab? In welchem Verhältnis stehen Interferenzen 
und Abschottungsvorgänge? Welche Rolle spielt die allmähliche Angleichung von Ur¬ 
banisierungsprozessen für die ökonomischen und gesellschaftlichen Grundlagen euro¬ 
päischer Einigung? 
Grenzräume erscheinen als ein besonders interessanter Mikrokosmos für die Untersu¬ 
chung solcher Interferenz-, aber auch Abschottungsprozesse. Im deutsch-französisch¬ 
luxemburgischen Grenzgebiet ist nicht zuletzt durch die wiederholten Grenzwechsel 
und die Besatzungsherrschaften im 19. und 20. Jahrhundert die Verflechtung bei 
gleichzeitiger nationalpolitischer Polarisierung besonders intensiv gewesen. Läßt die 
Dominanz nationaler Planungs- und Steuerungskonzepte grundsätzlich eine diver¬ 
gierende Stadtentwicklung beiderseits der staatspolitischen Trennungslinien erwarten, 
so erfolgten hier zugleich doch besonders vielfältige Überlagerungs-, Ausgleichs- und 
Assimilationsprozesse. 
Die Schwierigkeit, das auch methodisch noch wenig beackerte Gebiet urbaner Diver¬ 
genz- und Konvergenzprozesse als Faktoren europäischer Einigungstendenzen aufzu¬ 
hellen, spiegelt der vorliegende Band nicht zuletzt darin wider, daß er zunächst an 
einem recht bescheidenen Rahmen ansetzt und unter anderem mit "Mikro-Beispielen" 
einzelner Städte beginnt. Städtemonographien und nationale Arbeiten bleiben allein 
schon wegen der Vielfältigkeit des Gegenstandes "Stadt" und der damit verbundenen 
Schwierigkeit seiner differenzierten Aufarbeitung eine unverzichtbare Grundlage für 
übergreifende Fragestellungen. In unserem Zusammenhang sollen die Einzelbeispiele 
allerdings wesentlich dazu dienen, sachlich und methodisch wenigstens in ersten An¬ 
sätzen Grundlagen für die Erforschung der Interferenz-Problematik aufzubereiten. 
Ausgangspunkt des Kolloquiums, aus dem ein wesentlicher Teil dieses Bandes hervor¬ 
gegangen ist, waren Überlegungen und Untersuchungen einer informellen Arbeits¬ 
gruppe von Historikern, die sich im Rahmen eines weitergespannten, interdisziplinä¬ 
ren Forschungsschwerpunktes zum Thema "Grenzen und Interferenzen" an der Uni¬ 
versität des Saarlandes6 zusammengefunden hat. Ihre Arbeiten sind wesentlich ge¬ 
prägt und gefördert worden durch die eigenen Forschungen von Rolf Wittenbrock, 
der die allgemeinen Fragestellungen zunächst ausgehend von der Verflechtung unter¬ 
schiedlicher nationaler Bauordnungskonzepte untersuchte7 und dabei zugleich eine 
Vielzahl von Anregungen für weitere Untersuchungen erarbeitete. Seiner Initiative 
und seiner Ausdauer ist auch das Zustandekommen dieses Buches zu verdanken. 
Arbeiten anderer Wissenschaftler wiesen auch dann, wenn sie an sich unter anderen 
Fragestellungen durchgeführt wurden, eine Vielzahl von Berührungspunkten auf, aus 
denen weiterführende gemeinsame Überlegungen hervorgehen konnten. Am nächsten 
6 Wolfgang Brücher u. Peter Robert Franke (Hrsg.), Probleme von Grenzregionen: Das 
Beispiel Saar-Lor-Lux-Raum. Beiträge zum Forschungsschwerpunkt der Philosophischen 
Fakultät der Universität des Saarlandes, Saarbrücken 1987. 
7 Rolf Wittenbrock, Bauordnungen als Instrumente der Stadtplanung im Reichsland Elsaß- 
Lothringen (1870-1918), St. Ingbert 1989; ders., Baurecht und Stadtentwicklung im Span¬ 
nungsfeld unterschiedlicher nationaler Normensysteme. Der Fall Elsaß-Lothringen (1850- 
1950), in: Jahrbuch für europäische Verwaltungsgeschichte 2 (1990), S. 51-76. 
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