Full text: Die alte Diözese Metz

daß die Revolution zur Erneuerung von vergessenen Prinzipien des Evangeliums 
führe, daß die Menschenrechte selbstverständlich christlich seien11 14 *. 
Wie stand nun der Saargemünder Vikar zur Revolution? Er schildert zunächst im 
Stile eines Chronisten die Ereignisse von 1789: Cette année fut mémorable par le com¬ 
mencement de la Révolution, par le renversement de la Bastille le 14 juillet, sur lequel 
événement on a célébré le Tedeum le 22 juillet suivant. Auch die Saargemünder feier¬ 
ten also mit einem Tedeum den Bastillesturm. Allerdings sollte Anton Baur schon zu 
Beginn des Jahres 1790 die Erfahrung machen, daß radikale Kräfte mehr und mehr 
auf die Politik der Kommune Einfluß nahmen. Der Pöbel stürmte im März 1790 das 
Schloß von Neufgrange (Neuscheuren), Eigentum der Familie von Coligny. Der 
junge Schloßherr hatte angeblich die Saargemünder Nationalgarde beleidigt. Er 
wurde von dem Pöbel gezwungen, die Äußerungen auf dem Marktplatz von Saar¬ 
gemünd vor dem Freiheitsbaume zu widerrufen. Man hätte ihn gehängt, wenn nicht 
der Pfarrer und einige Notabein der Stadt die Menge zur Vernunft gebracht hätten. 
Solche Vorfälle könnten schon manche Leute gegen die Revolution aufbringen, 
meinte Anton Baur. Er äußerte jedoch keine Bedenken gegen die Kirchengesetze, 
die die Nationalversammlung 1789 und 1790 beschloß14. 
Die Nationalversammlung beseitigte nicht nur den Klerus als politische Körperschaft; 
sie beanspruchte auch das Recht, die Besitzungen des Klerus aufzuteilen, da er als 
Körperschaft nicht nur für sich selbst, sondern für die Gesellschaft lebe. Die Mitglie¬ 
der des Klerus seien Beamte des Staates, der Dienst an den Altären sei ein Dienst an 
der Gesellschaft. Die Geistlichen müßten im Dienste der Nation stehen, wie die 
Beamten, die die Gesetze ausführten, wie die Soldaten, die das Eigentum beschütz¬ 
ten, wie der Graf Mirabeau es formuliert hatte. Diese Vorstellungen sollte das 
Dekret verwirklichen, das die Nationalversammlung am 2. November 1789 annahm. 
Es stellte das Kirchengut zur Verfügung der Nation, verpflichtete den Staat jedoch, 
die Kosten des Kultes zu übernehmen. Le 2 novembre les ordres religieux furent abo¬ 
lis, vermerkt Anton Baur ohne jeden Kommentar. 
Nach der Enteignung der Kirche mußte die Nationalversammlung die Frage nach der 
Verfassung der Kirche beantworten. Es ging zuerst um die Zukunft der Orden. Das 
asketische Ideal hatten schon lange die Vertreter der Aufklärung als nicht mehr zeit¬ 
gemäß erklärt. Es waren Dutzende von Pamphleten in Umlauf, die von den Mißstän¬ 
den in den Klöstern handelten. Ihre Insassen wurden als das „schwarze Korps“ der 
Tyrannen bezeichnet16. Diese Propaganda sollte auch in den Cahiers de Doléances ein 
Echo finden, die die Gemeinden 1789 abfaßten17. Ein Dekret vom 13. Februar 1790 
11 Waldemar Gurian, Die politischen und sozialen Ideen des französischen Katholizismus 
1789/1914, Mönchen-Gladbach 1929, S. 23. 
15 Karl Dietrich Erdmann, Volkssouveränität und Kirche. Köln 1949, S. 110 ff. und Jean 
Eich, Histoire religieuse du Département de la Moselle pendant la Révolution. Ve partie, 
Metz 1964, S. 101 ff. 
16 Groß, S. 35. 
17 Eich, S. 101. 
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