Full text: Die alte Diözese Metz

dant des Elsaß vergeben konnte. Außerdem konnte er als Hauslehrer bei einer adeli¬ 
gen Familie oder als Schullehrer sein Auskommen finden. Die Furcht vor der Ver¬ 
schlechterung seines Status oder dem Abstieg - sie kam immer wieder bei Anton 
Baur zum Ausdruck. Sie beherrschte wohl auch große Teile der Geistlichkeit. 
Anton Baur faßte schon bald nach seiner Ordination den Entschluß, als Novize in die 
Abtei der Prämonstratenser von Wadgassen einzutreten. Die Empfehlung hatte er 
durch einen der Prämonstratenser von Hagenau erhalten, die die Pfarrei St. Nikolaus 
versahen. Sie gehörten zur Propstei Hagenau, die Wadgassen unterstand. Der Abt 
Jean-Baptiste Bordier nahm den jungen Elsässer sofort auf. Am 24. Juni 1786 erhielt 
Anton Baur mit sieben weiteren Novizen das weiße Ordenskleid aus der Hand des 
Abtes. Er bezeichnete es seiner Familie gegenüber als Glücksfall, daß er nun einer 
solchen Abtei angehöre, die 1759 den schönsten Kirchenbau der ganzen Diözese 
erhalten hatte. Ihre Einkünfte aus den umfangreichen Besitzungen und aus den ver¬ 
schiedenen Besitztiteln waren beträchtlich. Sie erreichten die Summe von 120 000 
Livres im Jahre. Er konnte also hoffen, daß seine Existenz auf Dauer gesichert war. 
Je fus ravi d’être membre d’un pareil établissement. J’embrassais avec plaisir ce genre 
de vie commode, honorable et agréable, trug er ins Tagebuch ein. 
Der junge Elsässer hatte einen großen Förderer in dem Abte Bordier. Der erreichte 
beim Abte von Prémontré, dem Haupte des Ordens, daß das Noviziat von Anton 
Baur gegen alles Herkommen um 11 Monate verkürzt wurde. Am 25. Juli 1786 legte 
er die Gelübde vor dem Kapitel von Wadgassen ab. Vom Abte wurden Anton Baur 
die Ämter eines Bibliothekars und eines Konservators der Schatzkammer übertra¬ 
gen. Später sollte er die Stelle des Agenten der Abtei in Paris erhalten. Zwischen 
1787 und 1789 finden wir Anton Baur als Aushilfe in einer Reihe von Pfarreien, 
deren Kollator der Abt von Wadgassen war: in Köllerthal wie in St. Johann bei Saar¬ 
brücken und Merzig. Das Tagebuch liefert vor allem Aufschlüsse über die Ökonomie 
und die Hausordnung der Abtei Wadgassen. Fürs erste müssen diese Fragen ohne 
Antwort bleiben: Welche Schriften kaufte denn Anton Baur für seine Bibliothek? 
Was lasen und diskutierten denn die Ordensbrüder? Waren Ideen der deutschen und 
französischen Aufklärer kein Thema, die ihre Anhänger in den Klöstern und Stiften 
wie in den Schulen Triers gefunden hatten?13 
Anton Baur war überrascht, als er Ende 1788 seine Ernennung zum Vikar von Saar¬ 
gemünd erhielt, einer Wadgassener Pfarrei. Pfarrer von Saargemünd war Peter Prost, 
der 1788 bei der Abtswahl Bordier unterlegen war. Mit Mißtrauen hatte der Pfarrer 
von Saargemünd den Vikar empfangen, der als Günstling des Abtes angesehen 
wurde. Der Argwohn sollte auf die Dauer das Verhältnis der beiden bestimmen. 
Anton Baur war 6 Monate Vikar von Saargemünd, als die Große Revolution in 
Frankreich ausbrach. Die Ereignisse von 1789 wurden von großen Teilen des Klerus 
mit Sympathie aufgenommen. Viele wie der lothringische Pfarrer Grégoire glaubten, 
13 Guido Groß, Trierer Geistesleben unter dem Einfluß von Aufklärung und Romantik (1750 
-1850). Trier 1956, S. 24 ff. 
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