Full text: Die alte Diözese Metz

gedieht mit dem Titel Deß Zweybriickischen Luthertums Vergossene Thränen über 
den erlittenen Betrug von den Calvinischen beim Antritt des neuen 1721ten Jahrs**. 
Als nach dem Tod des kinderlosen Gustav Samuel Leopold (1731) der Lutheraner 
Christian III. nach einer mehr als zweieinhalb Jahren dauernden kaiserlichen Seque¬ 
stration 1734 zur Regierung kam, hatte er zuvor mit dem pfälzischen Kurfürsten Karl 
Philipp im Mannheimer Sukzessionsvertrag (24. Dezember 1733) vereinbart, daß die 
Katholiken in Pfalz-Zweibrücken auch künftig ihr Bekenntnis grundsätzlich öffent¬ 
lich ausüben dürften48 49. Wenn auch nach Gustav Samuels Tod die den Katholiken 
gewährten Zugeständnisse, insbesondere im Prozessionswesen, wieder zurückgenom¬ 
men wurden, so waren doch die auf Kompromiß ausgerichteten Verhältnisse künftig 
beibehalten worden. Das schloß jedoch nicht aus, daß an verschiedenen Orten immer 
wieder Unstimmigkeiten und Streitereien bei der Benutzung der gemeinsamen Kir¬ 
chen entstanden. 
Die kirchliche Organisation der Katholiken und der Lutheraner konsolidierte sich in 
den kommenden Jahrzehnten während der Regierungsjahre Christians IV. (1740 - 
1775) und Karls II. (1775 - 1795). Die Unterscheidungsmerkmale zwischen der refor¬ 
mierten und der lutherischen Lehre wurden zunehmend nivelliert. Das Projekt eines 
gemeinschaftlichen Katechismus, welches 1787/88 in Pfalz-Zweibrücken erwogen 
wurde50, kam jedoch infolge von Vorurteilen nicht zur Ausführung. An konfessionel¬ 
len Bedenken scheiterte schließlich auch 1791 der Plan eines gemeinsamen Gesang¬ 
buches51. 
Die skizzierte konfessionelle Entwicklung läßt typische Züge der pfälzischen Kir¬ 
chengeschichte deutlich werden: Pfalz-Zweibrücken und seiner Kirche war keine 
ruhige und stete Entwicklung vergönnt gewesen. 
III 
Die Auswirkungen des Simultaneums im kirchlichen Alltag des 18. Jahrhunderts sol¬ 
len im folgenden anhand von Beispielen aus dem Zweibrücker Raum betrachtet wer¬ 
den. Dabei soll das Simultaneum an der Alexanderkirche in Zweibrücken im Mittel¬ 
punkt stehen, aber auch die konfessionellen Auseinandersetzungen in den unweit 
von Zweibrücken gelegenen Orten Großsteinhausen und Brenschelbach (Teil IV) 
sollen aufgezeigt werden. 
48 Dieses Gedicht wurde erstmals 1878, im Pfälzischen Memorabile, 2. Nachtrageheft, Westheim 
1878, S. 157ff, veröffentlicht und in der Untersuchung von L. H. Baum, Religionsstreitig¬ 
keiten im Herzogtum Zweibrücken, in: Bl. f. Pfälz. Kirchengesch. 3, 1927, S. 93 - 108, hier 
S. 96ff, kommentiert; Müller (wie Anm. 36) S. 53 Anm. 25 
411 Ammerich (wie Anm. 22) S. 98,148. 
50 Müller (wie Anm. 36) S. 74 - 83. 
51 EbendaS. 109-112, 
284
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.