Full text: Die alte Diözese Metz

Erst zu Ostern 1524 hat Schwebel in Zweibrücken gottesdienstliche Änderungen vor¬ 
genommen, mit dem Gottesdienst in deutscher Sprache und der Kommunion unter 
beiderlei Gestalt17. Das hatte einen Disput mit dem zuständigen Landdechanten, mit 
dem Erzpriester von Hornbach, zur Folge, dem Magister Nikolaus Kaltenheuser. 
Schwebel scheint sich mit einer biblischen Rechtfertigung behauptet zu haben38. 
Erst nach dem Bauernkrieg scheint sich die kirchliche Reaktion durchgesetzt zu 
haben. Vom Anfang 1526 haben wir eine Nachricht, daß Schwebel zufolge einer Ver¬ 
ordnung des Bischofs von Metz sich gezwungen sah, die „volkstümliche Form der 
Abendmahlsfeier“ einzustellen. Er hatte sich bisher nach dem Straßburger Vorbild 
gerichtet. Noch im Herbst 1527 dauert der Verzicht auf die evangelische Abend¬ 
mahlsfeier aniy. Wie Metz in Zweibrücken, so hat auch der Bischof von Speyer in 
Bergzabern sich den evangelischen Regungen entgegengestellt. Der Pfarrer von 
Bergzabern Peter Hescher wurde exkommuniziert, der Schulmeister Nikolaus Tho- 
mae in Speyer einem Verhör unterzogen411. 
Doch in derselben Zeit hat die Reformation in einem anderen Landesteil einen Fort¬ 
schritt erzielt. Das geschieht in dem zur Mainzer Diözese gehörigen Meisenheim, in 
der der dortigen Johanniterkommende inkorporierten Pfarrkirche41. Hier amtierte 
der Konventuale Nikolaus Faber42, der seit 1520 in Wittenberg studiert hatte, als Pfar¬ 
rer. Er hat Pfingsten 1526 in Meisenheim die Kommunion unter beiden Gestalten 
begonnen43, obwohl Seelenmessen und andere katholische Bräuche zunächst fortbe¬ 
standen. 
Wie unklar und nach allen Seiten hin offen die konfessionelle Haltung Zweibrückens 
1529 war, zeigt sich im Zusammenhang des 2. Speyerer Reichstags und des Marbur- 
ger Religionsgesprächs. Auf dem Reichstag wurde Pfalz-Zweibrücken von dem her¬ 
zoglichen Rat Dr. Seßler vertreten. Dieser beteiligte sich aber nicht an der Protesta¬ 
tion, sondern schloß sich der Ständemehrheit an. Schwebel aber korrespondiert in 
eben dieser Zeit mit Melanchthon in Speyer über den innerprotestantischen Streit44. 
Bei Hessens Einigungsversuch in Marburg reisen die Schweizer und Straßburger 
Delegationen mit herzoglichem Geleit durch das Zweibrücker Gebiet. Aber der Her- 
31 Wolfgang Jung (wie Anm. 35), S. 9-10. 
38 Fritz Jung (wie Anm. 21), S. 48-54. 
39 Ge Iber t (wie Anm. 27), S. 144 und 188. 
4(1 Ebd.,S. 137 und 146-147. 
41 Fabricius (wie Anm. 4), S. 362-364. - Walter G. Rödel, Wirtschaftliche und kirchliche 
Verhältnisse der Johanniter-Kommende Meisenheim vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zu 
ihrer Aufhebung in der Reformationszeit, in: Bll. f. pfälz. Kirchengesch. 44 (1977), S. 132- 
145. - Karl Peter Adams, Kirche und Stadt Meisenheim, Köln 1978. - Otto Böcher, 450 
Jahre Reformation in Meisenheim, in: Bll. f. pfälz. Kirchengesch. 51 (1984), S. 217-226. 
42 Personaldaten bei Biundo (wie Anm. 22), S. 106-107, Nr. 1212. 
43 Walter G. Rödel, Die deutschen Johanniter im Zwiespalt zwischen Katholizismus und 
Luthertum, in: Beiträge zur Mainzer Kirchengeschichte in der Neuzeit. Festschrift für Anton 
Philipp Brück, Mainz 1973, S. 60. - Ders.: Wirtschaftliche und kirchliche Verhältnisse (wie 
Anm. 41), S. 141. 
44 Fritz Jung (wie Anm. 21), S. 68-69. - Walther Köhler, Zwingli und Luther, ihr Streit über 
das Abendmahl, Bd. 1, Leipzig 1924, S. 802-803. 
197
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.