Full text: Die alte Diözese Metz

Ende des 13. Jhs. erweist sich die sprachliche, wirtschaftliche und soziale Anziehungs¬ 
kraft des Elsaß als vorherrschend und wiegt so die weltliche und geistliche Zuge¬ 
hörigkeit zu Metz wohl auf. Im Herbst 1305 etwa besucht der Träger der Totenrollen 
der Abtei St. Pierremont bei Briey im Bistum Metz systematisch die Benediktiner- 
und Benediktinerinnenabteien und -priorate sowie die Zisterzienser- und Prämon- 
stratenserniederlassungen in den Tälern der Mosel, der oberen Meurthe und der 
Maas. Ist es Zufall, daß er dabei das Saartal (und das Archidiakonat Sarrebourg) aus¬ 
läßt, obwohl er doch die nahegelegenen Klöster Marsal und Haute-Seille aufsucht, 
bevor er nach Süden zu den Vogesenabteien hin abbiegt14? Und ist der seltsame lap- 
sus calami eines herzoglichen Schreibers aus dem Anfang des 14. Jhs. eventuell ein 
Hinweis dafür, daß man von Nancy aus Sarrebourg ebenfalls als quasi-elsässische 
Stadt ansah? Beim Abschreiben einer Pfändungsurkunde von 1250, die einen Sarre- 
bourger Bürger Burghard (Burchardus dictus Schelp, civis de Sarburc) betraf, 
schreibt nämlich unser Mann versehentlich in die Überschrift dieser Passage des 
Lothringer Kartulars lettre de wagiere . . . Broachart citain de Strasbourch15, 
Der pagus sarroensis ist in den Quellen seit dem Ende des 7., der comitatus Saraburg 
seit Mitte des 10. Jhs. belegt. Die Existenz eines „Sarrebourger Maßsystems“, das sich 
von den Maßsystemen von Blämont im Süden, Bockenheim/Bouquenom und Saar¬ 
werden im Norden und Marsal im Westen unterschied, belegt wohl - wie andernorts 
auch - die Existenz alter Fiskalbezirke, unter die die Grafschaft an der oberen Saar 
im Frühmittelalter aufgeteilt wurde*. Die Verpflichtung, beim Wiederaufbau der 
Stadtmauern mitzuwirken, die Bischof Johann von Apremont um 1230-1240 22 Dör¬ 
fern des Umlandes von Sarrebourg auferlegt, ist sicher ein Relikt desselben Phäno¬ 
mens34 37. 
Jedoch ist es erst für das 13. und vor allem 14. Jh. möglich, einen „Sarrebourger 
Raum“ genauer zu kartieren, der nicht mehr systematisch und ausschließlich durch 
alte herrschaftliche und kirchliche Grenzen bestimmt ist, sondern durch die verschie¬ 
denen Formen des Einwirkens der kleinen Stadt auf ihr Umland. 
Neben dem Kriterium der Verwendung des Sarrebourger Maßsystems und der Sarre¬ 
bourger Münze (zu der allerdings im 13. und 14. Jh. Metzer und Straßburger Münzen 
34 Paris, BN, MS. Lat. 9204. Der Träger der Totenrolle ist am 13. September in Bouxieres-aux- 
Dames (bei Nancy), Lay und Vic, am 14. in Salival und Marsal, am 15. in Haute-Seille, am 16. 
in Saint-Sauveur-en-Vosges, am 17. in Senones und Moyenmoutier, am 18. in Saint-Die und 
am 19. in Epinal. 
35 AD Meuse, B 256, f° 174v°. 
36 H.-W. Herrmann (wie Anm. 10), Bd. II, S. 42-43. Das Maßsystem von Bockenheim wird 
im Jahre 1344 für die Dörfer Eschweiler/Eschwiller und Isch/Ische (Bas-Rhin, Saverne, Dru- 
lingen) erwähnt (ebenda, Bd. I, n° 343). 
37 Das Sarrewerdener Maßsystem wird 1333 in Rimsdorf (Bas-Rhin, Saverne, Sarre-Union) 
(Herrmann, wie Anm. 10, I, n° 277) und 1334 in Pistroff (Bas-Rhin. Saverne, Drulingen) 
(ebenda, n° 290) erwähnt. Das Sarrebourger Maßsystem wird 1349 in Kirrberg (Bas-Rhin, 
Saverne, Drulingen) (ebenda, n° 393) sowie 1344 für die Mühle von Wiedelfing (Flurname, 
Gern. Vieux-Lixheim, Moselie, Sarrebourg, Fenetrange) erwähnt (ebenda, n° 343). 
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