Full text: Die alte Diözese Metz

(cant. Mörchingen), nach denen er seine Schenkungsgüter geographisch definiert72. 
So war jedenfalls das Instrumentarium vorhanden, um in der Diözese Metz zwei 
Archidiakonatsbezirke linear zu umschreiben. Unter der Voraussetzung, daß sich die 
späteren vier Archidiakonate gewissermaßen als Zellteilungen aus den zwei von 
Adalbero I. eingeführten verstehen lassen, wäre sogar eine ungefähre geographische 
Rekonstruktion rein hypothetisch möglich, doch scheint es mir verfrüht, etwas derar¬ 
tiges zu versuchen. 
Zumindest halte ich es jedoch nicht für wahrscheinlich, daß Adalbero I., als er seine 
zwei Archidiakonate einrichtete, auf die Sprachgrenze Rücksicht genommen hätte, 
wie Ledere annahm. Abgesehen davon, daß sie damals noch keineswegs linear ver¬ 
lief, wie wir aus neueren Forschungen gerade auch von Wolfgang Haubrichs und sei¬ 
nen Saarbrücker Mitarbeitern und Kollegen wissen73, war das Sprachenproblem für 
die Kirche, die den Gläubigen ihren Gottesdienst und die Sakramente ohnehin nur in 
lateinischer Sprache anbot, damals wohl kaum von größerer Bedeutung. Für die 
Bedürfnisse des täglichen Lebens, wie auch der Unterstützung des Bischofs in seinen 
Pflichten gegenüber dem mit Metz eng verbundenen ottonischen Kaiserhaus mußte 
der Metzer Kathedralklerus ohnehin sowohl die romanische wie die fränkische 
Volkssprache beherrschen. 
Es kommt noch hinzu, daß auch die Diözesangrenzen, die den Rahmen für die Archi¬ 
diakonate bilden mußten, ihrerseits im Frühmittelalter nicht von stammesmäßiger 
Siedlung (damit von der Verteilung der Sprachen) oder gar von der Gaueinteilung 
abhängig waren. Wie Paul Pitzer meine Erachtens schlüssig für die Bistumsgrenze 
zwischen Trier und Metz dargelegt hat, war die maßgebende Grundlage hier die alte 
Scheidelinie der civitates der gallorömischen Zeit, die von der Kirche als gegeben bei¬ 
behalten wurde74. Alle diese Voraussetzungen waren nicht so gelagert, daß eine 
Grenzziehung nach modernen nationalstaatlichen Prinzipien denkbar gewesen wäre. 
Möglicherweise gibt ein kurzer Mirakelbericht einen Hinweis auf die von Adalbero I. 
eingeführte Arbeitsteilung der beiden Archidiakonate. Sein Nachfolger Dietrich I. 
(965 - 984) beabsichtigte, die Reliquien des ersten Metzer Bischofs Clemens von St. 
Clemens (ursprünglich St. Felix) in die Kathedrale zu transferieren. Dem widersetz¬ 
ten sich die Mönche von St. Clemens auch literarisch, indem sie die Wundergewalt 
ihres Patrons und sein Eintreten für ihre Kirche propagierten. Zur Zeit des Abtes 
72 Calmet (wie Anm. 53) Preuves Sp. 379. 
73 Vgl, besonders Wolfgang Haubrichs, Wamdtkorridor und Metzer Romanenring. Überle¬ 
gungen zur siedlungsgeschichtlichen und sprachgeschichtlichen Bedeutung der Doppelnamen 
und des Namenwechsels in Lothringen, in: Ortsnamenwechsel. Bamberger Symposion, 1. bis 
4. Oktober 1986, hg. v. Rudolf Schützeichel (Beiträge zur Namenforschung N.F., Beiheft 
24), Heidelberg 1986 S. 264-300, Monika Buchmüller, Wolfgang Haubrichs, Rolf 
Spang, Namenkontinuität im frühen Mittelalter. Die nichtgermanischen Siedlungs- und 
Gewässernamen des Landes an der Saar, in: Zeitschr. f. d. Gesch. d. Saargegend 34/35 
(1986/87) S. 24-163. 
74 Paul Pitzer, Entstehung und Entwicklung der mittelalterlichen Pfarreien an der mittleren 
Saar unter besonderer Berücksichtigung der Bistumsgrenzen Trier-Metz, phil. Diss. Inns¬ 
bruck 1954 (masch.) S. 70-77. 
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