Full text: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

Ähnlich dürfte die Quellenlage für die Aufarbeitung der Armen- und Jugendfürsorge 
sein. Die von den verschiedenen Trägern aus dem kommunalen, kirchlichen und 
privaten Bereich praktizierten Formen der Fürsorge sind durchweg zu fassen, aber nur 
selten der Umfang der Betreuten und die Effizienz ihrer Betreuung. 
Erfreulicherweise werden in den letzten beiden Jahrzehnten das 19. und frühe 20. Jh. 
in den Ortschroniken und Dorfbüchern stärker als früher beachtet. Daher finden sich 
zu den von mir angesprochenen Forschungsfeldern Einzelangaben in der ortskundli- 
chen Literatur.170 Von den Städten haben Dillingen,171 Dudweiler,172 Neunkirchen,173 
Saarlouis,174 St. Wendel1743 und Sulzbach175 Darstellungen gefunden, die neue stadt¬ 
geschichtliche Betrachtungsweisen berücksichtigen oder mindestens dafür Material 
bereitstellen. Eine den heutigen wissenschaftlichen Fragestellungen Rechnung tragen¬ 
de Geschichte der Landeshauptstadt Saarbrücken176 ist noch nicht in Sicht. 
Mein Überblick über den Forschungsstand hat gezeigt, daß ein Zeitabschnitt saarlän¬ 
discher Geschichte, in dem wichtige, bis in die Gegenwart wirkende Weichenstellun¬ 
gen erfolgten, nicht in befriedigendem Maße aufgearbeitet ist. Zum Abbau dieser 
Defizite anzuregen und beizutragen sollte Zweck der Dillinger Tagung sein. 
III. Saarbrücken — südwestdeutsches Oberzentrum? 
Der wirtschaftliche Aufschwung und das starke Anwachsen der Bevölkerung gaben 
dem Saarrevier ein Eigengewicht innerhalb des preußischen Regierungsbezirkes Trier, 
zeitigten eine gewisse Sogwirkung auf die angrenzenden nicht-preußischen Gebiete 
und statteten die 1909 aus der Vereinigung von Saarbrücken, St. Johann und 
170 Vgl. die Sammelrezension von Jürgen Karbach, Saarländische Ortschroniken 1970-1982. 
Bestandsaufnahme, in: ZGSaargegend 31, 1983 S. 158-176. 
171Lehnert, Alois, Geschichte der Stadt Diliingen/Saar, Dillingen 1968. 
172Dudweiler 977-1977. Herausgeber: Landeshauptstadt Saarbrücken, Stadtbezirk Dudweiler 
Saarbrücken 1977. 
173Frühauf, Helmut, Eisenindustrie und Steinkohlenbergbau im Raum Neunkirchen/Saar, 
Trier 1980 (= Forschung zur deutschen Landeskunde 117). 
174 Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Bd. 4: Saarlouis 1680-1980 (bearbeitet) von Rudolf 
Kretschmer, Saarlouis 1982. 
174aKretschmer, Rudolf, Geschichte der Stadt St. Wendel 1914-1986, St. Wendel 1986, 
3 Bde. 
175Reitz, Hans-Günter, Sulzbach, Sozialgeographische Struktur einer ehemaligen Bergbaustadt 
im Saarland, Saarbrücken 1975 (Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde des 
Saarlandes 22). 
176Ruppersberg, Albert, Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, III. Teil 2. Bd.: 
Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann von 1815 bis 1909, der Stadt 
Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, 2, Aufl. 
Saarbrücken 1914, Nachdruck 1979, handelt über das Schulwesen und die Einrichtungen der 
Gesundheits- und Armenpflege, vgl. auch die Festschrift 25 Jahre Stadt Saarbrücken, hrsg. 
von H. Krueckemeyer, Saarbrücken 1924. Der Schwerpunkt der Beiträge in der Festschrift 
„Saarbrücken 1909-1959. 50 Jahre Großstadt“, hrsg. vom Kulturdezernat der Stadt Saar¬ 
brücken, Schriftleitung Karl Schwingel, Saarbrücken 1959, liegt auf der Zeit nach 1918. 
Ferner: Saarbrücken - Wirtschaftszentrum an der Grenze, hrsg. von der Sparkasse der Stadt 
Saarbrücken, Saarbrücken 1960. Da4:üeue Buch „Saarbrücken. Stationen auf dem Weg zur 
Großstadt“ wendet sich an einen breiten Leserkreis und bringt für die Zeit vor 1918 keine 
neuen Aufschlüsse. 
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