Full text: Das Saarrevier zwischen Reichsgründung und Kriegsende

Wallerfangen, Merzig und Mettlach. Die Produktionspalette wurde von dem seit 
längerem hergestellten Geschirr auf Baukeramik ausgedehnt. Das Unternehmen hat 
leider noch nicht die seiner überregionalen Bedeutung entsprechende Darstellung 
seiner Geschichte erfahren.81 
Die Geschichte der eisenverarbeitenden Industrie der Saar bleibt noch zu schreiben. 
Wenn auch seit der Mitte des 19. Jhs. eine Reihe von Eisengießereien, Röhrenwerken, 
Maschinenfabriken, Drahtseil- und Drahtgewebefabriken, Emaillier- und Stanzwer¬ 
ken, Unternehmen des Förderanlagen-, Brücken- und sonstigen Stahlhochbaues, des 
Waggonbaues und der Schraubenherstellung in Saarbrücken, St. Johann, St. Ingbert, 
Homburg, Bous, Fraulautern, Beckingen und Dudweiler entstanden,82 so blieb doch 
der Umfang der eisenverarbeitenden Industrie im Verhältnis zur eisenschaffenden 
geringer als in anderen deutschen Industrierevieren.83 Darin liegt eine bis in die 
Gegenwart fortwirkende Strukturschwäche der Saarindustrie. Angelastet wird diese 
schwächere Ausbildung der weiterverarbeitenden Eisenwerke der unzureichenden 
Kohleförderung des Bergfiskus, der den sich neu ansiedelnden Fabriken keine 
ausreichende Versorgung mit Koks garantieren konnte. 
Eine systematische Darstellung anderer Zweige der Saarindustrie findet sich nur noch 
für die Glasindustrie84 und die Unternehmungen der Familie Adt,85 sonst ist auf die 
zerstreuten und sehr ungleich informierenden firmengeschichtlichen Abschnitte in 
Adreßbüchern, Festschriften und Ortschroniken zu verweisen.86 
Mit dem Einsatz der neuen Energien Gas und Strom entstand die Energiewirtschaft. 
Während die Dissertation von Thomas Herzig87 eine vorzügliche Darstellung der 
Elektrizitätsversorgung im Saarland bietet, die auch auf den Einzug der elektrischen 
Energie in der Industrie, im sonstigen gewerblichen Verbrauch, im Verkehrswesen 
(Straßenbahnen), in der Straßenbeleuchtung und in Privathaushalten eingeht, fehlt 
81 Vgl. Abschnitte über die keramischen Werke bei Johann Heinrich Keil, Geschichte der Stadt 
Merzig und des Merziger Landes, Merzig 1958 S. 163-171, und bei Theodor Liebertz, 
Wallerfangen und seine Geschichte, Wallerfangen 1953 S. 325-340. 
82 Kollmann (wie Anm. 62) geht auf die Röhrenwerke in Bous, Maschinenfabrik Erhardt & 
Sehmer, Fabrik für Eisenhoch- und Brückenbau B. Seibert, Gesellschaft für Förderanlagen 
Ernst Heckei ein. Firmengeschichten einiger weiterer Unternehmen in Handel und Industrie 
(wie Anm. 86). 
83 Hentschel, Volker, Metallverarbeitung und Maschinenbau, in: Gewerbe- und Industrieland¬ 
schaften vom Spätmittelalter bis ins 20. Jh., hrsg. von Hans Pohl, Stuttgart 1986 S. 371-389, 
zählt das Saarrevier nicht zu den Metallverarbeitungs- und Maschinenbaulandschaften, 
allenfalls rangiere es unter den linksrheinischen Ausläufern der Maschinenbaulandschaft 
Westdeutschlands. 
84 Lauer, Walter, Die Glasindustrie im Saargebiet, Braunschweig 1922, Ergänzungsmöglichkei¬ 
ten bieten die einschlägigen Akten im LA Saarbrücken, Bestand Landratsamt St. Ingbert. 
85 Vgl. Anm. 107. 
86 Handel und Industrie im Saargebiet, hrsg. vom Pestalozzi-Verlag Wilhelm Bredehorn, 
Saarbrücken-Düsseldorf-Berlin 1924; Büch, Carl, Alte Wirtschaftsbetriebe im Gersweiler 
Raum. Epoche einer aufblühenden Wirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert, Saarbrücken 
1968; Werth, Peter, Die Lederfabrik „Richard & August Korn“ in der Talstraße, ihre 
Gebäude und Gartenanlagen bis 1872, in: Saarbrücker Hefte 48, 1978 S. 5-16. 
87 Herzig, Thomas, Geschichte der Elektrizitätsversorgung im Saarland unter besonderer 
Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG. Ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte 
des Saarlandes, Saarbrücken 1987 (Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische 
Landesgeschichte und Volksforschung 17). 
22
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.