Full text: 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Das Wort tritt mit unterschiedlichen Varianten im Vokalismus der Stamm¬ 
silbe auf. Einerseits liegt ein germanisches Verbaladjektiv *draugi- ,trocken‘ 
zugrunde (HEIDERMANNS 157). Dieses geht auf einen Verbalstamm zurück, 
der durch aengl. (-)drügian ,trocknen, vertrocknen1 vertreten ist. Entsprechend 
gehören aengl. dryge, nengl. dry zu germ. *drügi- ,trocken1 (HEIDERMANNS 
162), übernehmen also den Wurzelvokal des Verbs, während *draugi- eine 
altertümliche Morphologie aufweist, da es dem Ablautschema der starken 
Verben folgt. Auf germ. *draugi- führen zurück: mnd. droge, mnl. droge, nnl. 
droog; zu *drügi- gehören neben der bereits genannten altenglischen Form 
noch mnd. drüge, driige sowie mnl. druge. Eine Verwandtschaft von *draugi- 
mit germ. *dreuga- ,festhaltend‘ (HEIDERMANNS 15917) ist zu vermuten. 
Grundlage wäre dann idg. *dhreugh- ,Gefolgschaft leisten' (L1V 157); dieses 
ist eine Gutturalerweiterung zu idg. *dher- ,befestigen, fixieren' (L1V 145). 
Ebenfalls von idg. *dher-, aber mit anderer Wurzelvariante, geht das stan¬ 
dardsprachliche trocken aus (germ. *drukna- ,trocken', HEIDERMANNS 162f.). 
Die Bedeutungsentwicklung geht von ,haltend, fest' zu ,trocken', vgl. 
KOIVULEHTO 1983, 74. Das altnordische Adjektiv drjügr ,aushaltend, ausrei¬ 
chend' (De Vries 1961, 84) ist von germ. *dreuga- abgeleitet; es ist u. a. in 
nisl. drjügur, norw. drjug, nschw. dryg und dän. drei vertreten. Das Adjektiv 
steht möglicherweise in Verbindung mit dem Maskulinum anord. draugr 
,Baum, Baumstamm', das nur poetisch in Umschreibungen für ,Mann' vor¬ 
kommt, eigentlich wohl ,trockener Stamm' bedeutet und mit aengl. dryge zu 
vergleichen ist. Anord. drjügr und draugr werden beide auf idg. *dhreugh- 
zurückgeführt, auch hier findet sich also ein Zusammenhang der Bedeutungen 
,haltend' und ,trocken'. 
Die Varianten mit der Bedeutung ,trocken' haben im deutschen Sprach- 
raum eine klare areale Verteilung: dröge findet sich nur im Niederdeutschen 
und im Mittelfränkischen, darüber hinaus und in der Standardsprache herrscht 
trocken vor. Die beiden Wörter stellen westgermanische Neuerungen dar ge¬ 
genüber dem Erbwort germ. *purzu- ,dürr‘ < idg. *trsü- ,trocken, dürr'. Das 
Nordgermanische und das Gotische besitzen die Neuerungen nicht, sondern 
sie setzen nur das gemeingerm. Adjektiv *purzu- fort: anord. purr, got. 
paursus usw.; hierzu gehört mit Suffix -ja auch ahd. durri ,dürr‘ (HEIDER¬ 
MANNS 632f.). 4 Die hier interessierenden Formen drecken, drecken sind als 
Kompromissformen zu interpretieren: Im Übergangsgebiet zwischen dröge 
und trocken hat eine Kreuzung zwischen den beiden hier aufeinander¬ 
treffenden sprachlichen Formen stattgefunden (vgl. Abschnitt D). 
4 Im Gotischen ist *rz erhalten, in den nordwestgermanischen Sprachen erfolgte As¬ 
similation zu rr (vgl. Müller 2007, 92f. und 309). 
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