Full text: 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Im Badischen kommt Pfuhl m ,sumpfige Örtlichkeit4 in dem Familienna¬ 
men Lehmpfuhl und im Namen der Örtlichkeit Pfuhlbach bei Sasbachwalden 
(in Südbaden im Ortenaukreis) vor. Die Bedeutung Jauche4 ist vor allem im 
Nordwesten gebräuchlich (BadWb 1, 217). Württemberg!sehe Flurnamen, die 
Pfuhl aufweisen, sind ebenfalls selten: Das dort am häufigsten gebrauchte Wort 
für kleinere Wasseransammlungen ist nämlich Lache (Keinath 1951,44). 
Das Schwäbische meldet für Pfuhl m. ,Sumpf keinen appellativischen Ge¬ 
brauch mehr. Heute ist das Wort nur in Ortsnamen belegt: Pfuhl, Pfuhlacker, 
Enten-, Hasenpfuhl21(SchwäbWb 1, 1083). Das SCHWEIZlD 5, 1095f. belegt 
Pfuel m. .Pfütze, sumpfige, schlammige Örtlichkeit4 im appellativischen Ge¬ 
brauch (Belege aus dem 15. Jahrhundert): Das Wort kommt sonst in Ortsna¬ 
men nicht vor. 
D. In den Mundartbelegen des Lemmas Pfuhl zeigt sich durchgängig 
unverschobenes p (wie teilweise auch in den historischen Flurnamenbelegen); 
es überwiegen monophthongierte Belege wie [pu:l]. Diese gehen im Saar- 
Mosel-Raum ursprünglich grundsätzlich von mhd. phuol aus, das zu [pu:l], 
mit weiter gehender Senkung zu [po:l] monophthongiert worden ist.2i” Eine 
alternative Deutung des Lautstandes der [po:l]-Belege bietet die Annahme der 
Bewahrung des mittelfränkischen-frühalthochdeutschen Zustandes von germ. 
/ö/, dessen Diphthongierung dann im betreffenden Gebiet unterblieben wä¬ 
re. :<l4 ln den heutigen mundartlichen Formen hat sich auch eine mittelalterli¬ 
che Nebenform mit kurzem Stammvokal u [pul], mit Senkung [pol], erhalten. 
Meistens wird Pfuhl (das stets als Maskulinum auffritt) im Singular verwen¬ 
det, ob als Simplex, Grund- oder Bestimmungswort. Eine Entrundung des 
Umlautes /ü/ findet sich dort, wo Plural- oder Diminutiv-Formen auftreten: 
Der gelegentlich belegte Plural lautet ['pi:b], die Verkleinerungsform ['pi:ljo], 
vgl. z. B. Bergweiler: 1790 or. dt. bey den pfuhlen (GEB), amtl. Bei den 
Pühlen [bei da 'pi:ta], Furschweiler: amtl. Bei Schinderspfühlchen [baim 
JinuJ'pLljo]. Entrundung des Umlautes /ü/ zeigt Pfuhl vereinzelt dort, wo es im 
Singular steht, vgl. St. Wendel: 1720 dt. in emspill (LHA Ko 1 C/15185, 1- 
1628), amtl. In Emespfühl / Emmespfühlen [emos'bid]. 
Die amtlichen Flurnamen weisen die standardsprachliche Form des Wortes, 
in der anlautendes p zu pf verschoben ist, auf. Wenige Mundartbelege zeigen 
verschobenes p: Sehr wahrscheinlich sind sie durch die amtliche Form beein¬ 
flusst. Einige dieser Belege, die die Verschiebung von anlautendem p zu pf 
zeigen, kommen im sogenannten Krummen Eisass vor, das sprachhistorisch 
zu Lothringen und damit zum Rheinfränkischen gehört, aber viele Einflüsse 
262 Ohne weitere Identifizierung. 
2(” Zur Senkung des auf mhd. /uo/ zurückzuführenden /ü/ zu /5/, die im 13. Jahrhundert 
erfolgt ist, vgl. Kapitel 6.1.4. 
264 Vgl. Bruch 1953, 159; Jungandreas 1969, 100; siehe dazu auch Kapitel 6.1.4.2. 
241
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.