Full text: 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

,oberer Hang eines Bergwaldes; über dem Wasser hängender Uferrand; klei¬ 
ner Felsrücken; an den Tag tretender Erdrücken im Acker; nicht bebauter 
Feldrand" ist in den rheinischen Mundarten allgemein belegt.1 8~ In rheinischen 
Flurnamen ist das Lemma seit alter Zeit belegt, vgl. z. B. 10./11. Jh. Langun- 
hurst (Velbert, Kr. Mettmann), 1288 Hurst (Breitscheid, Kr. Mettmann) 
(DlTTMAIER 115; weitere Flurnamen auch in Nassau: Kehrein 1872, 462). Im 
unteren Saargau bezieht sich die präpositionale Fügung op Hoarscht auf He¬ 
ckenland (Conrath 98). Für die Saarbrücker Mundart verzeichnet SCHÖN 
105 die Flurbezeichnung am Harsch (in Bischmischheim), die soviel wie ,un¬ 
fruchtbarer Bergabhang1 bedeute. Die Ableitung Horschdert (westlich der 
Theel; mda. hürschder im Lkr. Neunkirchen) gilt appellativisch in der Bedeu¬ 
tung ,Erderhöhung in Feld, Weg; Anhöhe, durch die ein Feld ein anderes 
überragt, meist mit Strauch bestanden" (ebd.). 
Das südhessische Wörterbuch hat Horst m./(f.) in der speziellen, aber nicht 
grundsätzlich abweichenden Bedeutung ,durch Samenflug entstandener 
Jungwald, der wirres Buschwerk bildet" (ShessWb 3, 730; ViELSMElER 1, 
1995, 234). Mit diesem Lemma gebildete südhessische Flurnamen sind bereits 
im 14. Jahrhundert belegt: Die ältesten Belege zeigen den mittelhochdeut¬ 
schen Lautstand hurst, der später entweder zu Horst gesenkt oder regional zu 
Hiirst < *hursti umgelautet wurde; Hürst kann gelegentlich zu Hirst bzw. 
Hirsch entrundet werden. Die Flurnamen bezeichnen meistens mit Gestrüpp 
bewachsenes Gelände (SHESSFLN 517f.); PfäLZWb 3, 1185 bezeichnet mit 
Horst m./f. ,Gehölz, Buschwald"; im Westen (Lkr. Kusel) heißt der Horst ein 
,mit Sträuchern und Hecken bewachsener Abhang"; die Bedeutung ,grasiger 
Abhang" ist mancherorts in der Nordwestpfalz belegt.18' Das Wort kommt oft 
in historischen Flurnamen vor, vgl. z. B. 967 Buozingeshurst, 1495 eyn Zirk 
evns weidgangs genannt der Hurst in Queichheymer marck gelegen (ZlNK 
1923, 1 18).182 184 
Das Badische (BadWb 2, 800) kennt Hurst m./f. ,Strauch, Hecke, Ge¬ 
182 Das RheinWb 3, 1024 kennt Hurst m./f. auch in der Sonderbedeutung ,Erdaufwurf, 
der beim Pflügen des Runkelrübenackers entsteht; oberer Hang eines Bergwaldes; 
kleiner Felsrücken; an den Tag tretender Erdrücken im Acker; nicht bebauter 
Feldrand", mit appellativischem Gebrauch. Hinweise auf diese spezielle Bedeutung 
,Acker/Erhöhung" finden sich dialektal auch in weiteren Gebieten: vgl. folgende 
Fußnoten. Nach Dittmaier 115 geht diese Bedeutung vielleicht auf ein anderes 
Wort zurück. 
1 Die Bedeutung .Erhebung" kommt auch vor, insb. ,erhöhter Grenzstreifen zw. zwei 
Äckern" (Landkreise Kusel und St. Wendel), ,Ackerrand gegen den Weg" (Lkr. 
Kusel), .Erhöhung im Acker" (alter Kr. Rockenhausen). 
184 „Jedes mit Strauch bewachsene Landstück, ob in der Ebene am Rhein, am Gebirge 
oder im Westen, konnte hurst, hörst, harst (haarscht) genannt werden. Unsere Flur¬ 
namen auf hörst stehen also auf Boden, der einst mit Gestrüpp oder Buschwerk be¬ 
wachsen war,“ 
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