Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

der Geschäftsstelle sowie die künftigen Ziele und Aufgaben des Bundes die von Otto 
Eckler entworfenen Satzungen ab47. Gemäß § 1 trug der Bund den Namen „Saar- 
Verein"48 49 und bezweckte 
„[...] die Erhaltung und Kräftigung des Deutschtums im Saargebiet, die Sicherung der im 
Friedensvertrag nach fünfzehn Jahren vorgesehenen Abstimmung, die Pflege der Landsmann¬ 
schaft, die Unterstützung ausgevviesener oder flüchtiger Saarländer und die Förderung und 
Fühlungnahme der das gleiche Ziel verfolgenden Vereine (Saarländer-Vereinigungen usw.) 
untereinander und mit der Geschäftsstelle ,Saar-Verein\ Konfessionelle Fragen und partei- 
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politische Bestrebungen [sind ...j ausgeschlossen.“ 
Mit Otto Zillessen (1873-1934) wählte die Versammlung einen promovierten Juri¬ 
sten für Straf- und Zivilrecht zum Bundesvorsitzenden, der während seiner kurzen 
Amtszeit bis Februar 1922 eine eher blasse Erscheinung blieb50. Zillessen, der am 
gleichen Tag wie Vogel im April 1919 aus dem Saargebiet ausgewiesen wurde, war 
selbst erst wenige Wochen vor seiner Wahl der Berliner Ortsgruppe beigetreterk1. 
Das Verhältnis zwischen Bundesvorsitzendem und -geschäftsführer läßt sich in 
dieser frühen Phase als förmlich, aber noch durchaus freundschaftlich charakterisie¬ 
ren. Der Bruch zwischen beiden Vereinsspitzen erfolgte Ende 1921 aufgrund einer 
nicht mehr aufzufindenden Denkschrift, in welcher Zillessen Kritik am bisherigen 
Kurs der Organisation übte. Es ist bezeichnend für die gekränkte Eitelkeit Vogels, 
den Streit über die konstruktiv gemeinten Anregungen derart eskalieren zu lassen, 
daß Zillessen Mitte Dezember 1921 sein Amt niederlegte und sich ganz aus der 
Saarpolitik zurückzog52 53. 
Auf der Mitgliederversammlung in Dortmund 1922 wurde der Naumburger Ober¬ 
landesgerichtsrat Otto Andres zu Zillessens Nachfolger gewählt. Trotz seiner häufi¬ 
gen berufsbedingten Umzüge sorgte der 1874 in Kirn an der Nahe geborene Sohn 
eines Brauereibesitzers"" bis zur Gleichschaltung des Bundes 1933 für das notwendi¬ 
ge Maß an Kontinuität. Während des Krieges sprach Andres in seiner Eigenschaft als 
Saarbrücker Landgerichtsrat als Oberkriegsgerichtsrat Recht und war zugleich als 
Leiter der politischen Abteilung beim stellvertretenden Generalkommando des 
Saarbrücker XXI./XVI. Armeekorps. Wegen seiner richterlichen Tätigkeit erhielt er 
in den Monaten vor seiner Ausweisung im April 1919 von französisch gesinnten 
Lothringern Drohbriefe und sah sich noch Jahre später mit Anschuldigungen kon¬ 
47 Vgl. Anwesenheitsliste (10.10.20), in: Ebd. Daß der Termin mit dem zur gleichen Zeit in Kassel 
tagenden SPD-Parteitag zusammenfiel, läßt die Vermutung zu, daß bei den Ortsgruppendelegierten 
keine Interessenkonflikte erwartet wurden. 
48 Obwohl der Name „Bund der Saarvereine“ erst fünf Jahre später in Hannover eingeführt wurde, wird 
er aus Gründen der Einheitlichkeit im folgenden anstelle des in Bielefeld gewählten Namens verwendet. 
49 „Satzungen des Bundes ,Saar-Verein1 und seiner Ortsgruppen“ (10.10.20), in: LA Saarbrücken, Saar- 
Verein 1. Siehe auch Anhang, Dok. 4. Die Zweifel an eben dieser überparteilichen und interkonfessio¬ 
nellen Ausrichtung werden im Kap. 5 erörtert. 
50 Vgl. den Nachruf auf Zillessen. in: SF 15 (1934) 24, S. 532. 
51 Vgl. Brief der GSV an Zillessen (27.08.20), in: BA-R 8014/212. 
52 Vgl. Protokoll über die Verhandlungen am 10.12.21 (12.12.21), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 1. 
53 Vgl. allgemein: SF 15 (1934) 25. S. 543 ff.; Vogel: Senatspräsident Otto Andres; Personalakte: BA-R 
1601/1705. 
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