Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

„Rhein-Saar-Pressedienst“43 behaupten. In aller Regel distanzierte sich die Geschäfts¬ 
stelle „Saar-Verein“ öffentlich von diesen Vereinigungen und versuchte, die zu¬ 
ständigen Reichs- und Staatsbehörden von Unterstiitzungszahlungen abzuhalten. In 
ihrem Revier der nichtstaatlichen Saarpropaganda duldete sie keine propagandistisch¬ 
publizistische Wilderei. Fühlte sich die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ in ihrer Eigen¬ 
ständigkeit bedroht, sah sie ihre Leistungen in Frage gestellt oder fürchtete sie, daß 
andere Vereinigungen ihr das Wasser abgruben, fuhr sie so lange einen Konfronta¬ 
tionskurs, bis der Konflikt in ihrem Sinne gelöst war. Auf Schützenhilfe der Behör¬ 
den konnte sie dabei nur bedingt bauen, da das Auswärtige Amt wohlweislich darauf 
verzichtete, die Rolle des Schiedsrichters einzunehmen. Die Wilhelmstraße verglich 
das Verhältnis der verschiedenen Vereinigungen mit der Ringparabel aus Lessings 
„Nathan der Weise“44 - ein durch und durch diplomatischer Standpunkt, ließ er doch 
zugleich die Interpretation zu, daß alle ums Deutschtum bemühten Verbände gleich¬ 
wertig seien, aber ebenso, daß sie miteinander im Wettstreit stünden, ständig ihr 
Bestes zu geben. 
2.3 Der Bund der Saarvereine 
Die Gründung des Bundes der Saarvereine erfolgte in mehreren Schritten: Nach 
verschiedenen Aufrufen der Geschäftsstelle sammelte diese zunächst Interessenten 
bzw. warb flächendeckend Vertrauensmänner. Dem Mitarbeiterstab um Vogel kam 
ferner die Aufgabe zu, die verstreut im Reich lebenden Einzelmitglieder zu moti¬ 
vieren, entweder selbst eine Vereinigung aus der Taufe zu heben oder einer be¬ 
stehenden Gruppe beizutreten. Infolge der massiv geführten Werbekampagnen schritt 
der Aufbau der Ortsgruppen zügig voran. Im März 1920 hatten sich bereits neun 
Vereinigungen mit zusammen 200 Mitgliedern der Berliner Zentrale unterstellt, die 
ihrerseits 500 Einzelmitglieder zählte45. Einen Monat später sollen es 15, zum 1. Juli 
1920 schon 23 Ableger gewesen sein: bei seiner Gründung verfügte der Bund der 
Saarvereine über 32 Ortsgruppen mit angeblich 3.500 Mitgliedern, zu denen weitere 
744 Einzelmitglieder in verschiedenen Städten des Reiches gerechnet werden mu߬ 
ten. Als Körperschaften waren bereits 95 Vereine und Unternehmen, 175 Städte und 
50 Landkreise beigetreten46. 
Zur Gründung des Dachverbandes bat die Geschäftsstelle die einzelnen Saarver¬ 
einigungen, am 10. Oktober 1920 je zwei bevollmächtigte Vertreter des Vorstandes 
nach Bielefeld zu entsenden. Insgesamt 34 Delegierte von 17 Ortsverbänden folgten 
der Einladung und segneten nach einem Vortrag Vogels über die bisherige Tätigkeit 
43 Der Pressedienst bezweckte satzungsgemäß die Herausgabe und unentgeltliche Verteilung vaterlän¬ 
dische Schriften zur Befreiung des Saargebiets: Vgl. Schriftwechsel zwischen CSV und dem AA 
(1931-1933), in: PA AA. II a Saargebiet, R 76.093. Zum Pressedienst allgemein: Vgl. BA-R 8014/821. 
44 Vgl. Brief der Presseabteilung an die GSV (20.06.23), in: BA-R 8014/670. 
45 Im Brief an die „Vermittlungsstelle Vaterländischer Verbände“ (03.03.20. in: BA-R 8014/720) nennt 
die GSV Berlin, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Halle. Heidelberg, Kassel und 
Stuttgart. Es folgten Buer in Westfalen, Dortmund. Herne und Schönebeck. 
46 Vgl. Mitgliederverzeichnis des BdS (06.10.20), in: Ebd. 
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