Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Auflösung der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ 
und weitere Entwicklung des Bundes der Saarvereine 
Verständlicherweise wurde das Ergebnis des Saarreferendums in den verschiedenen 
Abstimmungslagern unterschiedlich aufgenommen. Das katastrophale Abschneiden 
der zweiten Option, der Vereinigung mit Frankreich, überraschte die Öffentlichkeit 
weitaus weniger als das überwältigende Votum zugunsten der Rückgliederung an das 
nationalsozialistische Deutschland1 2. Hatten selbst überzeugte Anhänger der „Deut¬ 
schen Front" nicht mit diesem Erfolg gerechnet und die Chancen für die Beibehal¬ 
tung des „Status quo“ überschätzt, fühlten sich kritische Beobachter des NS-Regimes 
nach Bekanntgabe des Ergebnisses schockiert. Der jüdische Romanist Victor Klem- 
perer beispielsweise nahm es als Anlaß, seine bisherigen Illusionen über die Kurzle¬ 
bigkeit des Regimes zu revidieren: 
„[...] Die 90 Prozent Saarstimmen sind doch wirklich nicht nur Stimmen für Deutschland, 
sondern buchstäblich für Hitlerdeutschland. Damit hat Goebbels schon recht. Es hat ja nicht an 
Aufklärung, Gegenpropaganda, Freiheit der Wahl gefehlt. Wahrscheinlich halten wir, die wir von 
Gärung sprechen, unsere Wunschträume für Wahrheit und überschätzen die vorhandene Gegner¬ 
schaft aufs äußerste. Auch im Reich wollen 90 Prozent den Führer und die Knechtschaft und den 
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Tod der Wissenschaft, des Denkens, des Geistes, der Juden [...],“ 
Während sich bei der reichsdeutschen Bevölkerung der nationale Freudentaumel mit 
der Erleichterung mischte, daß die im Herbst 1934 kursierenden Kriegsgerüchte 
letzten Endes ihrer Grundlage entbehrten3, wurde auf der anderen Seite des Rheins 
der Ausgang der Abstimmung als Prestigeverlust der „Grande Nation" empfunden. 
Ein Gefühl des „Mißbehagens (malaise)“, das die Entspannung der Beziehungen 
zwischen beiden Ländern keineswegs zu fördern in der Lage war, konnte Friedrich 
Grimm ausmachen. Nüchtern konstatierte er: „Man schmollt, daher die Schikanen 
überall."4 
Bei Theodor Vogel mischte sich die Anfangseuphorie nach dem erfolgreichen 
Ausgang des Referendums mit dem Gefühl, von den Nationalsozialisten aus den 
eigenen Reihen ausgebootet worden zu sein5. Zweifellos verschafften die persönli¬ 
1 Vgl. hierzu: VON Wegner. 
2 KLEMPERER, S. 7 f. (Einträge vom 15.01.35 und 16.01.35, Zitat: 16.01.35). 
3 Vgl. Halbmonatsberichte der Regierung der Oberpfalz (09.11.34,07.12.34,08.01.35 und 02.02.35). in: 
Staatsarchiv Amberg, Regierung der Oberpfalz 22.041; Januarbericht des Regierungspräsidenten von 
Trier an das RMI (06.02.35), in: LHA 442/15.625. 
4 Vgl. Lagebericht (13.03.35), in: Grimm, S. 31. Vgl. hierzu Shamir. 
5 Darüber hinaus mußte eres als besonders schmerzhaft empfinden, daß ihm, der in jahrelanger Tätigkeit 
Tausende Stimmen für die prodeutsche Option mobilisiert hatte, letzten Endes selbst die Abstimmungs¬ 
berechtigung verweigert worden war, da Status-quo-Anhänger gegen seinen Antrag Einspruch ein¬ 
legten. Während seine Gattin über den Rekurs noch als abstimmungsberechtigt verzeichnet wurde, teilte 
der Oberste Abstimmungsgerichtshof wenige Tage vor dem Plebiszit mit, daß keine Revision seines 
Ablehnungsbescheides mehr möglich sei. Trotzdem reiste Vogel nach Saarbrücken und wurde dort 
Zeuge der Volksabstimmung: Vgl. Briefe Vogels an Voigt (23.12.34), die Präsidenten der Abstim¬ 
mungskommission Victor Henry (29.12.34) und Alan E. Rodhe (03.01.35), in: PA AA, II a Saargebiet, 
R 75.488 f. 
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