Volltext: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Zünglein an der Waage sein konnten. Auch wenn die exakte Zahl der ausländischen 
Abstimmungsberechtigten noch immer nicht feststand, schien es wegen des zu 
erwartenden knappen Gesamtergebnisses der Abstimmung „schwer vertretbar, nicht 
alles zu tun, was einer Verbesserung dieses Ergebnisses dienlich sein könnte.“54 Erst 
jetzt ließ das Reichsfinanzministerium seine Bedenken gegen die Verwendung der 
beantragten 300.000 RM für den Transport der Abstimmungsberechtigten aus 
Übersee fallen55, deren Zahl sich zu diesem Zeitpunkt im Vergleich zur letzten 
Erhebung mit 830 Personen mehr als verdoppelt hatte56. Die Frage der Zuständigkeit 
für die Bearbeitung von Anträgen ausländischer Abstimmungsberechtigter war 
hingegen noch nicht geklärt57. Je näher das Plebiszit rückte und sich damit die 
Größenordnung der ausländischen Abstimmungsberechtigten abzeichnete, desto 
schneller wuchs die Summe der für den Transport beantragten Gelder, die ebenso wie 
die Mittel für die reichsdeutschen Abstimmungsberechtigten offiziell aus Spenden¬ 
eingängen für den „Saarkalender“ und einem eigens eingeführten Abstimmungs¬ 
kalender stammten58 59. 
Schließlich befanden sich unter den etwa 540.000 abstimmungsberechtigten Personen 
etwa 7.000 zugelassene Wähler, die ihren Wohnsitz im Laufe der 15jährigen Völker¬ 
bundsverwaltung ins Ausland verlegt hatten. Unter diesen stellte Frankreich mit etwa 
5.000 Personen das weitaus größte Kontingent, gefolgt von den Vereinigten Staaten 
und Kanada mit 900, Luxemburg mit 360 und den Niederlanden mit etwa 280 Perso¬ 
nen54. Hinsichtlich der Erfassung und Mobilisierung dieser ausländischen Abstim¬ 
mungsberechtigten gab es unterschiedliche länderspezifische Strategien. 
54 Vgl. Aktenvermerk im RMFinanz (30.08.34), in: R 2/4416. 
55 Vgi. Brief des RMFinanz an das RMI (30.08.34), in: ebd. 
56 So waren bis Anfang September 1934 über die deutschen Auslandsvertretungen ingesamt 1.533 
Abstimmungsberechtigte erfaßt worden, darunter 703 aus dem europäischen Ausland ohne Frankreich. 
621 aus den Vereinigten Staaten, 27 aus Kanada, 65 aus Argentinien und 64 aus Brasilien: Vgl. Brief 
des AA an verschiedene Reichsministerien (11.09.34), in: PA AA, 11 a Saargebiet, R 75.477. 
57 Vgl. Brief der GSV an die Beratungsstelle der DF (28.09.34), in: BA-R 8014/1139. Erst in der zweiten 
Jahreshälfte erfolgte zwischen den Berliner Ressorts eine Abgrenzung der Kompetenzen dergestalt, daß 
das RMI für die reichsdeutschen, das AA hingegen für die ausländischen Abstimmungsberechtigten 
verantwortlich zeichnete: Vgl. Brief des PrMI/RMI an das RMFinanz (30.11.34), in: BA-R 2/4416. 
58 Mitte November schienen noch 500.000 RM ausreichend, Ende des gleichen Monats war diese Summe 
bereits auf das Doppelte angewachsen und schon am 05.12,34 vermerkte das Finanzministerium (R 
2/4416), daß dem AA für die Heranführung und Betreuung der Saarabstimmungsberechtigten aus 
Übersee und dem Auslande 1 Mio. RM zur Verfügung gestellt würden. „Mit einer Überschreitung des 
Titels bis zu 500.000 RM aus diesem Anlaß ist zu rechnen.“ Vgl. dort auch die oben geschilderte 
Entwicklung sowie Aktenvermerk im AA (24.11.34), in: PA AA, II a Saargebiet, R 75.484. 
59 Aus Mittel- und Südamerika stammten 210, aus Afrika und Asien zusammen 30 Abstimmungs¬ 
berechtigte. In Italien konnten 33, in der Schweiz 70, in Belgien 84, in Spanien 43, in Österreich 27, in 
Großbritannien 17 und in Polen 210 Personen ermittelt werden. Aus anderen Staaten reisten jeweils nur 
einzelne Abstimmungsberechtigte an: Vgl. SF 15 (1934) 25, S. 550 f. 
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