Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

4.8 Rundfunkpropaganda 
Die Entdeckung des Radios für die Saarpropaganda durch die Geschäftsstelle „Saar- 
Verein“ fällt in das Frühjahr 1925. In sehr allgemeiner Form schilderte Vogel bei der 
Berliner „Funkstunde AG“ zunächst die deutsche Vergangenheit des Saargebiets, um 
anschließend die Verfehlungen Frankreichs und der Regierungskommission an- 
prangern2lK). Obwohl sein Vortrag sogar an der Saar zu empfangen war01, konnte er 
nur ein kleines Publikum erreichen: erst Ende des Jahres überschritt die Zahl der 
deutschen Rundfunkhörer die Millionenmarke200 202. Bis dahin waren weitere Vorträge 
Vogels in Königsberg (Ostmarken-Rundfunk AG) und bei der Mirag (Mitteldeutsche 
Rundfunk AG) in Leipzig gefolgt, die auch der dortigen Ortsgruppe Mitte Juni 1925 
das Mikrophon überließ. Ende des gleichen Jahres folgte die Norag (Nordische 
Rundfunk AG) in Hamburg diesem Beispiel203. Die in der Regel auf einige Minuten 
beschränkte Sendezeit, die Heterogenität und das fehlende Vorwissen der Hörer¬ 
schaft brachten es mit sich, daß die übertragenen Saarvorträge nur allgemeiner Natur 
sein konnten. Meist nutzen die Sprecher der Saarvereine die Gelegenheit, Vorurteile 
über die Saar zu beseitigen204. 
Trotz dieses ambitionierten Starts kam dem Rundfunk als Propagandamittel der 
Saarvereine in den folgenden Jahren keine größere Bedeutung mehr zu. Zwar er¬ 
mahnte der Katechismus des Bundes 1929 die Ortsgruppen, dafür Sorge zu tragen, 
daß die lokalen Anstalten alljährlich einen Rundfunkvortrag über die Saarfrage 
brächten205, doch deuten die vereinzelten Hinweise im „Saar-Freund“ nicht darauf 
hin, daß dieser Aufforderung Folge geleistet wurde. Demnach gingen nach 1926 bis 
zur Verstaatlichung des Rundfunkwesens i 932 insgesamt nur vier Saarvorträge über 
den Äther206. An der rundfunktechnischen Infrastruktur kann es nicht gelegen haben, 
da sich zwischen 1929 und 1933 die Kapazitäten aller deutschen Sender von 78,2 kW 
auf 525,25 kW vervielfachten und die Hörerzahl im gleichen Zeitraum rapide auf 
über vier Millionen stieg207. Vielmehr dürften die Kooperationen der Westdeutschen 
200 Vgl. SF 6 (1925) 7, S. 104 f. 
201 Vgl. SF 6 (1925) 9. S. 145. 
202 Vgl, LERG, S. 524. Dort (S. 148-168) auch eine Übersicht der 1925 gegründeten neun Regionalgesell¬ 
schaften. Vgl. auch Altmeyer, S. 124 ff.; Führer. S. 766-780. 
203 Vgl. SF 7 (1926) 7, S. 107 (Vogel); SF 6 (1925) 14. S. 237 (Sester); SF 7 (1926) 3, S. 50 (Eißenbeis). 
204 So schloß beispielsweise Richard Posselt am 25.03.26 seinen Vortrag bei der Berliner „Funkstunde 
AG“ mit der Feststellung: „An der Saar spricht man nicht französisch, wie man immer noch ver¬ 
schiedentlich im Innern Deutschlands annimmt, dort spricht man deutsch, denkt, fühlt und handelt 
deutsch.“: SF 7 (1926) 7, S. 109. 
205 Vgl. zehntes Gebot des „Katechismus des Bundes der Saarvereine“ (Juni 1929), in: BA-R 8014/125. 
206 Am 26.02.28 über die Mirag (Vgl. SF 9 (1928) 4, S. 62), am 10.03.29 ergriff Andres beim Südwest¬ 
deutschen Rundfunkdienst Frankfurt das Wort (Vgl. SF 10 (1929) 9, S. 165-168; SF 10 (1929) 10. 
S. 184 ff.), am 16.09.29 sendete die Schlesische Funkstunde AG Breslau „Deutsches Land an der 
Saar“ (Vgl. SF 10 (1929) 19, S. 415) sowie am 10.10.30 erneut die Norag über „Die kulturelle 
Bedeutung des deutschen Saarlandes“ (Vgl. SF 11 (1930) 19, S. 362). 
207 Vgl. Lerg, S. 357, S. 371 und S. 524. 
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