Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Produkte lediglich aus billiger, schnell verschleißender Dutzendware bestehe411. Nach 
der ..Regel der Distinktion“, einer der Konstitutionsmechanismen für Stereotype, 
wird der (nationale) Gegner pauschal mit den ins Negative gespiegelten Charakter¬ 
eigenschaften des Autostereotyps versehen412, und jene „Hostifikation“41' wäre ohne 
die ähnlich simplifizierten, klischeehaften deutschen Charaktereigenschaften unvoll¬ 
ständig geblieben: Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit, Tugendhaftigkeit, Ernst und 
Gründlichkeit zeichneten das deutsche Volk ebenso aus wie „preußische Sauberkeit, 
Disziplin, Pflichtbewußtsein und Ehrlichkeit“414, 
Aufgrund seiner dominierenden Rolle innerhalb der Organisation war Vogels Franzo¬ 
senbild prägend und wegweisend für die Propaganda der Saarvereinigung. Mental 
befand er sich noch im Krieg: So bekannte sich Vogel dazu, aus Haß gegen die 
Franzosen heraus zu arbeiten415. Für ihn war Frankreich nichts anderes als eine 
erbärmliche und nichtsnutzige Nation, und Franzosen galten ihm als „verbrecherische 
Mörder, rohe Plünderer und freche Räuber“416. Unmißverständlich trat er vor der 
Stettiner Ortsgruppe Anfang 1925 für eine Revanche ein417: 
„All das, was das deutsche Volk jenseits des Rheins täglich im Stillen zu ertragen habe, werde 
und dürfe niemals vergessen werden. Die Beschmutzung der Seelen, die Schändung der Ehre, das 
sadistische Quälen der Familien, der Frauen und Kinder, Rauh. Plünderungen, Mord. Totschlag, 
Verhaftungen und Ausweisungen, all das sei ein Werk erbärmlicher Feigheit, ein weltgeschicht¬ 
liches Denkmal von Schmach und Schande für Frankreich. [...] Wir wollen keinen Rachekrieg, 
aber wir vertrauen, so wehrlos wir auch sind, auf den unsterblichen Geist, der den Sieg erficht. 
Wir vertrauen auf Gott, der gesagt hat: Die Rache ist mein, und wenn er uns die Stunde beschert, 
wo wir die Ketten abschütteln dürfen, werden wir ihn bitten: Herr Gott, mache uns würdig, 
Werkzeuge Deines Willens zu sein, laß uns siegen oder sterben für das Vaterland.“ 
Bei den Ortsgruppen fielen solche kernigen Aussagen auf einen fruchtbaren Boden. 
Gerade unter den ausgewiesenen und geflüchteten Mitgliedern war die Abgrenzung 
zu Frankreich äußerst populär und wirkte - ähnlich wie bei der Konstituierung 
nationaler Gemeinschaften418 - integrierend und binnenstabilisierend. 
411 Vgl. die Ausführung des Syndikus der Handelskammer in Saarbrücken, in: SF 7 (1926) 16, S. 283 f. 
412 Feindbilder kontrastieren also das positive Selbstbild einer Gruppe: Vgl. GERHARD/ Link, S. 32. Vgl. 
ebenso: Leyens/ Yzerbyt/ Schadron, S. 52-73. 
413 Mayer: Prinzip Nation. S. 192. 
414 SF 8 (1927) 10, S. 158. In seinen unzähligen Appellen zum Aufbau der überparteilichen Einheitsfront 
knüpfte der Bund ebenfalls an Traditionen aus dem Krieg an und stellte - wie es Jeffrey VERHEY (Der 
„Geist von 1914“, S. 220-223) allgemein für die deutsche Gesellschaft nachgewiesen hat-die „Ideen 
von 1914" den ..Ideen von 1789“ entgegen. Das für die NS-Publizistik typische Gegensatzpaar 
„Dynamik des Reiches“ - „rückständiges, traditionelles Frankreich“ schlug sich in der Propaganda 
des BdS hingegen nicht nieder. 
415 Vgl. Briefe der GSV an Hans Weiser (18.12.19, in: BA-R 8014/341) und Karl Bretschneider 
(02.10.19), in: BA-R 8014/144. 
416 Vgl. Brief der GSV an Forstmeister Bohne (13.10.21), in: BA-R 8014/148; SF 4 (1923) 5, S. 65. 
417 SF 6 (1925) 6, S. 97. Ähnliche aggressive Töne hatte er bereits im Vorjahr auf dem „Deutschen 
Pfalztag“ in Königsberg (März 1924) angeschlagen: Als Vogel auf den Versailler Vertrag zu sprechen 
kam, forderte er angesichts der französischen Politik während des zurückliegenden Jahrfünfts: „Wenn 
es hierfür überhaupt eine Vergeltung gäbe, dann könne es nur die einzige sein: Frankreichs Aus¬ 
rottung!“: Vgl, SF 5 (1924) 5, S. 76. 
418 Vgl. Langewiesche: Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert, S. 21. 
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