Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

saarländische Literatur, Statistik und Volkshumor" konzipiert, erlangte er schnell eine 
große Popularität an der Saar und ebenso unter den ausgewiesenen Saarländern. Sein 
ausgrenzender Nationalismus traf den Geist der Zeit285. Ohne explizit den Namen des 
Bundes oder der Berliner Geschäftsstelle „Saar-Verein"' zu nennen, wies Zühlke 
1924 alle Verdächtigungen gegen die Zehntausenden im Reich vereinigten Saarländer 
zurück, die weder einer konspirativen noch illegalen Tätigkeit nachgingen286. In fast 
jeder Ausgabe folgten weitere wohlwollende Berichte über die Bundestagungen und 
die führenden Persönlichkeiten der Organisation287. Die Ernennung Zühlkes zum 
Ehrenmitglied des Bundes in Würzburg war die logische Konsequenz. 
Eine weitere wirkungsvolle Stütze fand der Bund der Saarvereine in der Person des 
Völklinger Hüttenbesitzers Hermann Röchling. Der Kommerzienrat hatte schon zu 
den Hauptinitiatoren des Saargebietsschutzes gezählt, und er entwickelte sich wäh¬ 
rend der folgenden Jahre zu einem seiner wichtigsten Ansprechpartner an der Saar. 
Rückblickend wurde das Verhältnis zwischen ihm und der Berliner Zentrale gerne 
mit dem Heinrich Böckings zu Joseph Görres Anfang des 19. Jahrhunderts vergli¬ 
chen und darauf abgehoben, daß sich Röchling bereits zu einer Zeit für den Verein 
engagiert habe, als viele andere einflußreiche saarländische Persönlichkeiten noch 
den Kontakt scheuten288. 
Röchling blieb von der sonst breit gestreuten Kritik des „Saar-Freund" konsequent 
ausgenommen. Sei es, daß das gegen ihn von einem französischen Kriegsgericht 
verhängte Urteil scharf zurückgewiesen wurde, sei es, daß das Bundesorgan ihn 
gegen den Vorwurf in Schutz nahm, er habe 1918 die Franzosen selbst ins Saargebiet 
gerufen, um seinen Besitz vor Kollektivierung zu schützen oder sei es, daß er die 
Gelegenheit erhielt, seine siebenwöchige Werksschließung zu rechtfertigen: Seine 
Person galt stets als unantastbar289. Unter dem Deckmantel der Völkerversöhnung 
durfte er im „Saar-Freund" Revanchismus predigen und erhielt dort ebenso wie auf 
der Koblenzer Bundestagung 1932 ein Forum zur Verbreitung liberal-kapitalistischer 
2X5 BALDAUF, S. 184 ff.; JUNG, S. 340. Nach 1936 stellte der „Saarkalender“ sein Erscheinen ein. 
286 SK 2 (1924), S. 134. Zur bahnbrechenden Wirkung des Artikels vgl. den Geschäftsbericht der GSV 
(24.10.24), in; BA-R 8014/7 sowie den Tätigkeitsbericht Vogels auf der Hannoveraner Mitgliederver¬ 
sammlung (06.06.25), in: BA-R 8014/27. 
287 „Wir wissen, daß wir dem Bund der Saarvereine viel, viel Dank schulden, jeder sei Mithelfer am 
Werk!“: SK 7 (1929), S. 76. Vgl. auch: SK 6 (1928), S. 43: „Unsere vertriebenen Märtyrer wurden 
zum Stoßtrupp, zu den Rufern im Streit um Aufklärung und Sicherung unseres Rechts.“ Ähnlich: SK 
4 (1926), S. 51 ff.; SK 7 (1929), S. 25; SK 7 (1929), S. 75 f.; SK 8 (1930), S. 4-7; SK 8 (1930), S. 
126; SK 9 (1931), S. 117-121; SK 10(1932), S. 112 ff.; SK 12 (1934), S. 67 f. 
2x8 Vgl. SF 13 (1932) 22, S. 358; Geschäftsbericht 1934/35, S. 5 f. Röchling war in vielen Fällen neben 
dem AA das Korrektiv für Entschließungen, Rundschreiben und besondere Aufsätze im SF: Vgl. Brief 
der GSV an Röchling (26.07.26), in: BA-R 8014/36. 
289 Vgl. SF3 (1922) 15, S. 233 f,; SF4 (1923) 11, S. 148; SF4 (1923) 13, S. 174; SF5 (1924) 20. S, 301 
f.; Geschäftsbericht der GSV (24.10.24), in: BA-R 8014/7. Siehe auch die Berichterstattung des SF 
über den Prozeß gegen Röchling wegen Aufstachelung der saarländischen Bevölkerung, in: SF 14 
(1933) 24, S. 450—456; SF 15 (1934) 2, S. 23 f.; SF 15 (1934) 5, S. 80-83. 
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