Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Die begrenzte soziale Einheit des Vereins ermöglicht es, gleichzeitig das „Allgemei¬ 
ne im Besonderen“ herauszuarbeiten, ohne dabei spezifische Unterschiede aus dem 
Auge zu verlieren. So lassen sich auf der Grundlage eines vergleichsweise kleinen 
Verbandes Protagonisten und Medien der Saarpropaganda detailliert untersuchen und 
die unterschiedlichen Etappen des Gleichschaltungsprozesses im Frühjahr 1933 
exemplarisch nachzeichnen. Damit ist diese Arbeit weniger der Landes- oder der 
Regionalgeschichte27 zuzuordnen, als sie sich der Geschichte und Tätigkeit eines im 
Deutschen Reich ansässigen Verbandes widmet, der sich dem Schicksal der Saar¬ 
region verschrieben hatte. Das ursprüngliche Vorhaben, mit dieser Untersuchung 
einen interdisziplinären Beitrag zu einer „Soziologie des Vereinswesens“28 zu leisten, 
ließ sich wegen des unzureichenden statistischen Materials nicht realisieren. Es wird 
daher weiteren Untersuchungen Vorbehalten bleiben, diese Forschungslücke zur 
Zwischenkriegszeit zu schließen. Wertvolle Anregungen zu einer Systematik hat 
Foltin gegeben29. 
In dieser Arbeit werden am Beispiel eines Vereins Inhalte, Medien und Träger dessen 
untersucht, was gerne beschönigend mit „Öffentlichkeitsarbeit“, „Informations¬ 
politik“ oder „Public Relations“ umschrieben wird: Propaganda30. Während der 
Terminus im Kaiserreich als subversiv verpönt war und durch die Erfahrungen der 
nationalsozialistischen Diktatur heute ebenfalls negativ konnotiert ist, galt er den 
Saarkämpfern der Zwischenkriegszeit als wertneutral. Sie verstanden Propaganda als 
Synonym für Werbung, welche einem breiten Publikum die Vorzüge einer Idee 
nahezubringen versucht31. Als Mittel der psychologischen Kriegführung hatte sie 
ihren Durchbruch erlebt, und der geistige Vater der „Dolchstoßlegende“, Erich 
Ludendorff, machte den Mythos in der Bevölkerung populär, daß die alliierte Propa¬ 
ganda der deutschen Aufklärung überlegen gewesen sei. Simplifizierend erklärte er 
die schwindende Zustimmung zur Fortsetzung des Krieges durch die manipulations¬ 
bedingte Auflösung der „Heimatfront“, die schließlich dem Revolutionsgedanken 
Vorschub geleistet habe32. Im Vertrauen auf eine solche Omnipotenz der Propaganda 
hofften die Mitstreiter des Bundes der Saarvereine, in einer erneuten Schlacht um die 
öffentliche Meinung den „Erbfeind“ Frankreich mit publizistischen Waffen besiegen. 
27 Vgl. hierzu den komprimierten Forschungsüberblick „Anknüpfungspunkte in Landes- und Regional¬ 
geschichte“, in: HAHN: Strukturwandel, S. 253-263. 
28 Max Weber (Geschäftsbericht, S. 52-56) hatte dies bereits auf dem Ersten Deutschen Soziologentag 
1910 in Frankfurt eingefordert. Weitergehende Forderungen Webers: Ebd., S. 56-60, 
29 Vgl. FOLTIN, S 21 ff. Er forderte auf der Grundlage detaillierter Mikrostudien Synthesen des Vereins¬ 
wesens auf der horizontal-überlokalen und auf der vertikalen Ebene, in welcher unterschiedliche 
Vereinsarten verglichen werden. Vgl. hierzu DUNCKELMANN, S. 48-125 und S. 256-279. 
30 Vgl. hierzu: Daniel/ Siemann, S. 7-20 sowie CULL/ CULBERT/ Welch. Eine geraffte Darstellung bei 
Sturminger, S. 9-20. 
31 Vgl. zur Entstehung des Begriffs „Propaganda“ und seinem Bedeutungswandel im 19. Jahrhundert: 
Dieckmann: Zum Wörterbuch des Unmenschen; Schieder/ Dipper; Verhey: Some Lessons of the 
War. 
32 Vgl. Bramsted, S. 24 f.; Paul: Aufstand der Bilder, S. 26 ff. 
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