Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

zu weisen202. Die Flut der Hilfsgesuche ebbte auch nach der nationalsozialistischen 
„Machtergreifung“ zunächst nicht ab. Erst in den letzten Monaten vor dem Saar¬ 
plebiszit begannen die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung zu 
greifen203. Als Instrument zur Eindämmung der Jugendarbeitslosigkeit war Mitte 
1931 von Brüning der „Freiwillige Arbeitsdienst“ (FAD) ins Leben gerufen wor¬ 
den204, dessen propagandistisches Potential sich auch die neuen Machthaber zunutze 
machten. Da der reichsdeutsche Arbeitsdienst auf viele junge Männer aus dem 
Saargebiet eine weitaus größere Anziehungskraft als das von der Regierungskommis¬ 
sion initiierte Pendant ausübte, erfuhren in den Jahren 1933 und 1934 etwa 20.000 
Saarländer in den Lagern eine vormilitärische Ausbildung, die von propagandisti¬ 
schen Schulungen flankiert wurde. Die regelmäßig von seiten der Saarregierung 
erhobenen Beschwerden und das von ihr erlassene Werbeverbot für den FAD205 
leisteten dem Zulauf keinen Abbruch. Schenkt man dem Sachbearbeiter beim Reichs¬ 
kommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst Glauben, so wurden die Saarländer in 
bevorzugten Lagern untergebracht und kamen in den Genuß von Privilegien, die 
ihren reichsdeutschen Kameraden verwehrt blieben206. 
Großes Engagement konnte die Geschäftsstelle „Saar-Verein" in den letzten Monaten 
vor der Abstimmung für die Arbeitsdienstwilligen oder im Bereich der Arbeits¬ 
beschaffung nicht mehr entfalten, da sie zu sehr mit der Erfassung, der Betreuung 
und den Planungen für den Transport der Abstimmungsberechtigten beschäftigt war. 
Allerdings leistete sie gemeinsam mit ihren Ortsgruppen und Obleuten wertvolle 
Unterstützungsdienste, indem sie den Landesarbeitsämtern Namen und Anschriften 
erwerbsloser Saarländer im Reich mitteilte207. Unmittelbar nach Bekanntgabe des 
202 Vgl. BA-R 8014/967-972. 
20' Das RMPropaganda teilte Ende Oktober 1934 mit, daß die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und 
Arbeitslosenversicherung darauf drängen werde, die gemeldeten arbeitslosen Saarländer bevorzugt 
und unverzüglich in Arbeit zu bringen: Vgl. Aufzeichnung (31.10.34), in: LA Saarbrücken, Saar- 
Verein 28. Als Indikator für die relative Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage kann der Umstand 
gewertet werden, daß nach 1934 verstärkt Anträge bei der CSV eingingen, in welchen sich private 
Initiativen für die Errichtung von Saar-Denkmälern stark machten. Zu den im Saargrenzgürtel 
forcierten Maßnahmen der Reichsregierung vgl. BLAICH, S. 104—109: ME1NZER, S. 163-170. 
204 Der FAD trug weniger zur Beseitigung der Ursachen der Wirtschaftskrise bei, als er Entschlossenheit. 
(Volks-) Gemeinschaft und Aufbruchsstimmung suggerierte. Zu Anfang des Jahres 1932 hatten erst 
etwa 7.000 Männer ihren nicht besoldeten Dienst angetreten, Anfang August des gleichen Jahres 
waren es bereits knapp 100.000. Bis zur Einführung der Arbeitsdienstpflicht 1935 pendelte sich die 
Zahl zwischen 200.000 und 220.000 ein. so daß Mitte 1934 etwa 44% der arbeitslosen Jugendlichen 
im Reich Arbeitsdienst leisteten: Vgl. PATEL: „Soldaten der Arbeit", S. 143-151. Zum FAD im 
Saargebiet vgl. JACOBY, S. 138 ff.; PAUL: Deutsche Mutter, S. 145 f.; SF 15 (1934) 18/19, S. 
382-386. 
205 Vgl. Briefe der Reko an das Generalsekretariat des Völkerbundes (03.08.34 und 17.08.34), in: JO 15 
(1934)9, S. 1140 f. und JO 15(1934) 10, S. 1188-1200. 
206 Vgl. Brief eines Sachbearbeiters an die GSV (01.08.34). in: BA-R 8014/684. 
2,) Eine entsprechende Weisung war nach einer Besprechung zwischen Vertretern verschiedener Reichs¬ 
und Parteiressorts Ende Oktober 1934 mit Vogel und Debusmann ergangen: Vgl. Aktennotiz 
(23.10.34), in: BA-R 8014/1131. Vgl. hierzu den Schriftverkehr in BA-R 8014/1161 ff.; Rund¬ 
schreiben der GSV (23.10.34) und vierte Anweisung der GSV an die Saarobmänner (09.11.34), in: 
164
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.