Full text: Volk, Reich und Westgrenze

Kloevekorn der Einladung.248 Als westlicher Ersatz für die Leipziger Stiftung 
wurde in Bingen die Rheinische Forschungsgemeinschaft gegründet, die sich bald 
Westdeutsche Forschungsgemeinschaft (WFG) nannte. Die WFG war die erste 
der in den 1930-er Jahren gegründeten VFG. Sie wurde von den westdeutschen 
universitären Landeskundeinstituten, allen voran vom IGL unter Steinbach, dann 
vom Provinzialinstitut für westfalische Landes- und Volkskunde in Münster unter 
Ernst Rieger, vom ELI unter Wolfram und Wentzcke und dem Alemannischen 
Institut von Freiburg unter Theodor Mayer und Friedrich Metz getragen.249 Ende 
der 1930-er Jahre trat das Institut für fränkisch-pfälzische Geschichte und Landes¬ 
kunde der Universität Heidelberg unter Fritz Ernst und Wolfgang Panzer hinzu. 
Die Leiter der WFG waren 1931-35 Steinbach, 1935-39 Mayer, interimistisch 
1939/40 Panzer und von 1940 bis zum Kriegsende Metz. Die Gebiete und 
Regionen dies- und jenseits der deutschen Westgrenze und die westlichen 
Nachbarstaaten wurden zur volkstumswissenschaftlichen Bearbeitung abschnitts¬ 
weise unter die genannten Institute aufgeteilt. Auf jährlich mehrmals veranstal¬ 
teten Tagungen (27 Stück 1931-44) leitete die WFG die Forschung „von diesseits 
und jenseits der Grenze“ an,250 um die Forschungsgebiete gegeneinander abzu¬ 
grenzen, die „Arbeiten einheitlich auszurichten“251 und diese den politischen 
Interessen des Deutschen Reiches unterzuordnen. Man unterstützte das Deutsch¬ 
tum hinter der Westgrenze, zerstückelte westliche Nachbarstaaten (mit Vorliebe 
Belgien und Frankreich) in regionale Entitäten und versuchte, deren ethnische 
Gruppen gegeneinander auszuspielen.252 Das Germanentum im westlichen Europa 
war eines der wichtigsten Untersuchungsobjekte der WFG. 
Nach der französischen Niederlage 1940 konnte die WFG sich „stärker in ihrer 
Arbeit auf die Vorlande deutschen Volkstums ausrichten“ und nahm „vor allem 
landes- und wirtschaftskundliche Arbeiten vom Artois bis zur Freigrafschaft 
[Franche-Comté] in Angriff4.253 Steinbach (1895-1964)254 war einer der schärfsten 
Fahlbusch, Wissenschaft, 353; Schüttler, „Historische ,Westforschung“4, 210; Nikolay-Panter, 
„Geschichte“, 250. 
248 PAAA, R60270, f. E061457: Aktenvermerk v. 4.7.1931. 
~49 GStAPK, Rep. 178/VII, 3A1, III, f. 249r-250: Emil Meynen, „Die Volksdeutschen For¬ 
schungsgemeinschaften: Ein Zehnjahresbericht“, in Zsarb. mit den Forschungsgemeinschaften 
gegeben am 1.4.1941, vertraulicher Ms.-Druck, Nr. 7, 16-17: Hier wurde in der Rückschau die 
SFG zu einem wissenschaftlichen Stützpunkt der WFG verklärt. Cf. GStAPK, Rep. 178/VII, 
3A5, II, f. 26-27: Friedrich Metz, WFG-Bericht auf der Volkspolitischen Arbeitstagung des AA 
(29.9.-1.10.1941) v. 24.10.1941; Heinzei, „Geschichtswissenschaft“. 
"50 HessHStA, 1150/1: Sante an Zipfel v. 27.6.1940, 3. 
251 PAAA, R60294, f. E063259: Theodor Mayer, WFG-Tätigkeitsbericht 1937/38 v. 26.3.1938. 
~52 Schüttler, „Historische ,Westforschung4“, 210-13. 
253 GStAPK, Rep. 178/VII, 3A1, III, f. 249r: Meynen, VFG-Zehnjahresbericht am 1.4.1941, 16; 
cf. GStAPK, Rep. 178/VII, 3A5, II, f. 27: Metz, WFG-Bericht v. 24.10.1941. 
"54 W. Weber, Biographisches Lexikon, 572-73. Eine große Zahl von Nachrufen auf Steinbach 
in der von Volker Henn zusammengestellten Bibliographie: „Verzeichnis seines Schrifttums“, 
Collectanea Franz Steinbach: Aufsätze und Abhandlungen zur Verfassungs-, Sozial- und Wirt¬ 
schaftsgeschichte, geschichtlichen Landeskunde und Kulturraumforschung. Hg. Franz Petri, 
93
	        

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