Full text: Volk, Reich und Westgrenze

Rechtsprechung der französischen Krone, die Zurückdrängung der alten städti¬ 
schen Schöffengerichtsbarkeit zu Gunsten der obrigkeitlichen Beamtengerichte der 
Territorialherren, die Beseitigung der französischen Gerichtsorganisation und die 
zivilrechtliche Kontinuität zur Zeit der Reunionen. Als überragenden Grundzug 
erkannte er die Verschiebung der Gerichtsbarkeit von den Volksgerichten auf 
die landesherrschaftlichen Verwaltungsgerichte. Die französische Herrschaft der 
Reunionszeit habe auf die spätere Entwicklung der gerichtlichen Organisation kaum 
Einfluss gehabt. Ham verlor sich im Regionalen und musste von der SFG gemahnt 
werden, die Grundlinien der saarländischen Gerichtsverfassung auf die allgemeine 
deutsche Rechtsgeschichte zu beziehen. Sein Buch, Die Gerichtsbarkeit an der 
Saar im Zeitalter des Absolutismus, erschien erst 1938 in der Reihe des IGL.239 
Der Völkerrechtsexperte der SFG war Gerichtsassessor Dr. Curt Groten aus 
St. Wendel. Seine von Professor Carl Schmitt initiierte Dissertation zum juristi¬ 
schen Verhältnis zwischen der Regierungskommission und dem Völkerbund er¬ 
hielt 1930 von der Stadt Saarbrücken Abschlussmittel.240 Die SFG erreichte 1934 
Grotens Beurlaubung vom Gerichtsdienst. Groten sammelte juristische Dokumen¬ 
te über die völkerrechtlichen Fragen des Saargebietes, wobei er besonders auf 
saarländische Deutschtumskundgebungen achtete.241 Im Jahr vor dem Plebiszit 
publizierte er eine Abhandlung zur Volksabstimmung im Saargebiet und in Presse 
und juristischen Fachorganen zahlreiche Artikel zur Abstimmungsfrage im 
Versailler Friedensvertrag.242 Schließlich wurde Groten beauftragt, die Mitglieder 
der Abstimmungskommission im Sinne der Rückgliederung des Saargebietes zu 
beeinflussen. Sein politisches Engagement wurde von der Regierungskommission 
bestraft und Groten im Juli 1934 vom Richteramt entlassen. Sogleich bewilligte 
ihm die DFG einen großzügigen Ausgleich für den Gehaltsausfall. Nach der 
Rückgliederung des Saargebietes blieb Groten nicht lange ohne Anstellung. Als 
BABL, R8037/1: Aubin, Wissenschaftliche Unternehmungen der SFG v. 1.10.1933- 
30.9.1934, 4 u. v. 1.10.1934-30.9.1935, 3; [Aubin] von der SFG im Geschäftsjahr 1933/34 
vermittelte Gelder; cf. im Geschäftsjahr 1934/35 vermittelte Gelder; LASb, SM 12: Aubin, 
Nachtrag zu den wissenschaftlichen Unternehmungen der SFG v. 1.10.1932-30.9.1933; cf. 
HessFlStA, 1150/63: Sante an Emrich v. 14.3.1935, 1. Hermann van Ham, Die Gerichtsbarkeit 
an der Saar im Zeitalter des Absolutismus (Mit einer Karte der Saarherrschaften im 18. Jahr¬ 
hundert), Rheinisches Archiv, 32 (Bonn: Röhrscheid, 1938). 
~40 LASb, SM 12: Aubin, Wissenschaftliche Unternehmungen der SFG v. 1.10,1929-30.9.1930, 
3; Curt Groten, Die Kontrolle des Völkerbundes über die Tätigkeit der Regierungs-Kommission 
des Saargebietes (Saarbrücken: SDV, 1929), 4; Lebenslauf. 
41 LASb, SM 12: Aubin [et al.], Mitgliederversammlung der SFG am 2.10.1933, 5; BABL, 
R8037/1: Aubin, Wissenschaftliche Unternehmungen der SFG v. 1.10.1933-30.9.1934, 3. 
Curt Groten, Die Volksabstimmung im Saargebiet: Eine völkerrechtliche Studie in allge¬ 
meinverständlicher Bearbeitung (Berlin: Weidmann, 1934); BABL, R8037/1: Aubin, Wissen¬ 
schaftliche Unternehmungen der SFG v. 1.10.1933-30.9.1934, 3: Curt Groten, „Die Ent¬ 
stehungsgeschichte des Saarstatuts“; des Weiteren Beiträge in Völkerbund und Völkerrecht, im 
Reichsverwaltungsblatt (besonders v. 28.12.1933 u. v. 28.7.1934), in den Rheinischen Blättern 
und der Chicago Tribüne. 
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