Full text: Volk, Reich und Westgrenze

keinen höheren Stellenwert zu. Seit 1929 drängten Andreas Mailänder (1888- 
1981 )201 und der Leiter der Abteilung für Kultur- und Denkmalpflege der Rhein¬ 
provinz, Landesverwaltungsrat Josef Busley,202 dass die SFG die Geschichte der 
Stadt Saarlouis bearbeite, um die Ergebnisse der französischen Saarforschung zu 
widerlegen.203 Doch erst 1932 konnte Busley Steinbach überreden, einen kurzen 
politikhistorischen Abriss über die Gründungsgeschichte von Saarlouis und deren 
Zusammenhang mit dem westlichen Grenzland zu einem Saarlouis-Kunstband 
beizutragen.204 1934 stattete Steinbach das Buch von Karl Roderich Richter und 
Nikolaus Fox, Saarlouis und Frankreich, mit einer Einleitung aus. Er wiederholte 
die Datenreihe der deutsch-französischen Grenzgeschichte vom Vertrag von 
Verdun bis zu Ludwig XIV. und die bekannte These vom französischen Vor¬ 
marsch zum Rhein, auf dem die Saar nur eine Etappe darstelle.20" 
Fox behauptete in demselben Buch, dass mit dem französischen Verwaltungs¬ 
apparat im 18. Jahrhundert viele französische Worte in das deutsche Saarlouis 
eingeflossen seien, die im 19. Jahrhundert in einem zwanglosen Entwelschungs- 
prozess wieder aus der Mundart verschwunden oder durch die Verbindung des 
Wortkörpers mit deutschen Prä- und Suffixen, Betonung der Stammsilbe oder 
Aussprache verdeutscht worden seien.206 Fox’ Aufsätze provozierten die Reaktion 
des französischen Domanialschulinspektors Pierre-Emile Kiffer, eines Sprach¬ 
forschers, der sich bemühte, alle Toponyme auf keltische oder gar vorkeltische 
Herkunft zurückzuführen. In sehr persönlichem, oft peinlichem Stil207 * gab Kiffer 
im Sommer 1934 den Vorwurf des sprachwissenschaftlichen Dilettierens an Fox 
201 Mailänder war Lehrer in Saarlouis; Schuth, „Reichsgau Saarland“, Abschn. 3, 5; A. Zenner, 
„Der Historische Verein“, 139. Nach dem Krieg lebte Mailänder in Saarlouis und veröffent¬ 
lichte Abhandlungen zur Geschichte von Wallerfangen; A[ndreas] Mailänder, A[lbert] Kronen¬ 
berger, Über 1000 Jahre Wallerfangen, Vorw. Rudolf Klein [Wallerfangen: o. Verl., 1962]; 
Andreas Mailänder, Die Entstehung der europäischen Stadtfreiheit in der Gründungsstadt 
Walderßngen (Wallerfangen an der Saar), in der Grafschaft Wallerfangen und in den nach¬ 
normannischen Gründungsstädten der Grafschaft Flandern am Anfang des 10. Jahrhunderts 
und ihre Auswirkung auf die alten Städte, Hg. Landrat des Landkreises Saarlouis ([Saarlouis] 
Landrat des Landkreises Saarlouis, 1976). 
202 Gansohr-Meinel, „Landesstelle“, 274. 
203 LASb, SM 12: Aubin, Griewank, Mitgliederversammlung der SFG am 6.1.1929, 8. 
114 LASb, SM 12: Schmidt-Ott, Aubin, Mitgliederversammlung der SFG am 10.9.1932, 13. 
03 F[ranz] Steinbach, „Wie Frankreich an die Saar gekommen ist“, [Karl] R[oderich] Richter, 
Nikolaus Fox, Saarlouis und Frankreich: Eine Auseinandersetzung mit den angeblich histori¬ 
schen Ansprüchen auf Saarlouis, mit e. Beitrag v. F[ranz] Steinbach (Saarbrücken: SDV 
[1934]), 5-12. 
06 Nikolaus Fox, „Saarlouis und seine Bevölkerung“, ibid., 91-156, hier 124-25; cf. id., „Die 
Saarlouiser Mundarten“, Saarlouis 1680-1930: Rückschau und Ausblick im 250. Gründungs¬ 
jahre der Stadt, Hg. [Johann] Latz (Saarlouis: Hausen, 1930), 181-224, hier 208. 
Pierre-Emile Kiffer, Offener Brief an Herrn Nikolaus Fox, Doktor und Studienrat in Dillin¬ 
gen (Saar), womöglich auch schon in Saarlouis (Metz: Sidot, 1934), 3; cf. Henri Hiegel, 
„Introduction“, Dictionnaire étymologique des noms de lieux du département de la Moselle, 
col lab- id. (Sarreguemines: Hiegel, 1986), 5-12, hier 9; H. L., „Le congrès de la Fédération 
historique lorraine“, Bulletin de la Société des amis des pays de la Sarre, 8 (1932), 11. 
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