Full text: Volk, Reich und Westgrenze

NSDAP Aschaffenburg bestätigen, dass die „Aressierungsverhandlungen“ (sic) 
der Herstellerfirma vor dem Abschluss stünden.255 Anfang 1937 verweigerte ihm 
die Stadt Kaiserslautern zusätzliche Personalmittel, die Emrich widerwillig aus 
dem Haushalt der PGFW aufbrachte.256 Nach einem persönlichen Konflikt mit 
Emrich brach Roth-Lutra Mitte 1937 seine Arbeit in Kaiserslautern ab. Die Skelette 
schaffte er nach Mainz, wo er noch Anfang der 1980-er Jahre archäologische und 
anthropologische Ergebnisse seiner Ausgrabungen an der Barbarossaburg in der 
Zeitschrift für Ethnologie veröffentlichte. Seine Sammlung wird in Mainz weiter 
wissenschaftlich ausgewertet.25 
Die farbigen Mischlingskinder 
Während der alliierten Besatzung des Rheinlandes von 1918-30 gab es vielfältige 
Kontakte und Freundschaften zwischen Besatzungssoldaten und Einheimischen. 
Aus sexuellen Beziehungen zwischen Soldaten und deutschen Frauen gingen 
uneheliche Kinder hervor. Wegen der Kinder europäischer Soldaten wurde nur 
wenig Aufhebens gemacht. Doch als am Rhein Kinder asiatischer oder gar 
afrikanischer Väter zur Welt kamen, brach ein Sturm rassistischer Empörung los. 
Deutsche Politik und Publizistik spieen Gift und Galle über die „Schwarze 
Schande“, die „Schmach am Rhein“.258 In der Weimarer Republik wurden die 
etwa 500 Kinder farbiger Soldaten als „Rassenschande“ betrachtet und in Listen 
erfasst. Schon vor 1933 wurde erwogen, sie zu sterilisieren. Die Nationalsozialisten 
setzten dies in die Tat um. Ohne gesetzliche Grundlage wurden die Kinder und 
Jugendlichen ab 1937 in einer gemeinsamen Aktion von Gestapo und Erbgesund¬ 
heitsgerichten zwangssterilisiert. Die meisten wurden mit Beginn des Krieges in 
255 HMP, G/Briefwechsel 1936-37: NSDAP-Kreisleitung Aschaffenburg an Roth-Lutra v. 
18.12.1936, cf. v. 17.12.1936. 
256 HMP, G/Briefwechsel 1936-37: Roth-Lutra an OB Kaiserslautern v. 24.2.1937, 2-5; Roth- 
Lutra an PGFW v. 12.4.1937, 1, 3, cf. v. 12.4.1937; Roth-Lutra an Emrich v. 1.7.1937, 6 u. 
8.7.1937, 2; BayHStA, MK 15552: Emrich an BayKM v. 24.5.1937, BayKM an Emrich v. 
2.6.1937. 
257 Karl H[einrich] Roth-Lutra, „Erbe und Umwelt: Beispielhaft erläutert am Schädelmaterial 
eines hochmittelalterlichen Gräberfeldes“, Zeitschrift für Ethnologie, 105 (1980), 94-112; 
Roth-Lutra, „Vorbericht“, 5-61. 
258 AAE, Allemagne 410, f. 28: Deuxième Bureau des Generalstabs, Bericht der frz. Rhein¬ 
armee v. 15.5.1925; Hans-Jürgen Lüsebrink, „/Tirailleurs Sénégalais1 und ,Schwarze Schande1: 
Verlaufsformen und Konsequenzen einer deutsch-französischen Auseinandersetzung (1910- 
1926)“, „ Tirailleurs Sénégalais Zur bildlichen und literarischen Darstellung afrikanischer 
Soldaten im Dienste Frankreichs [Hg. János Riesz, Joachim Schultz], Bayreuther Beiträge zur 
Literaturwissenschaft, 13 (Bern: Lang, 1989), 57-73, hier 60-61; Cornelia Panzacchi, „Die 
Kinder der Tirailleurs Sénégalais“, ibid., 101-09, hier 106-07; Sally Marks, „Black Watch on 
the Rhine: A Study in Propaganda, Prejudice, and Prurience“, European Studies Review, 13 
(1983), 297-334; Gisela Lebzelter, „Die ,Schwarze Schmach1: Vorurteile - Propaganda - 
Mythos“, Geschichte und Gesellschaft, 11 (1985), 37-58 (ftir diesen Hinweis danke ich 
Alexandra Przyrembel); cf. Guido Kreutzer, Die schwarze Schmach: Der Roman des geschän¬ 
deten Deutschland (Leipzig: Graph. Werke, 1921); AAE, Sarre 116, f. 27: E. Genoyer (frz. 
Konsul in Düsseldorf) an MAE v. 28.11.1922. 
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