Full text: 75 Jahre Saar Ferngas AG

Mit dem Wachstum und der inneren Konzentration der Städte und 
Gemeinden erwuchsen ganz neue Anforderungen an das städtische 
Gemeinwesen. Aufgaben, die in der Zeit, als es sich bei den Gemeinden 
noch um größere Dörfer handelte, erst gar nicht entstanden oder privat 
und genossenschaftlich reguliert werden konnten. Durch die An¬ 
sammlung von Menschen erwiesen sich solche Lösungen jedoch als 
nicht mehr tragfähig. In der Phase zwischen 1871 und 1914 erweiterten 
die Gemeinden ihr Aufgabenfeld beträchtlich; es war die Blütezeit der 
kommunalen Versorgungsbetriebe: Wasserversorgung, Abwasserbesei¬ 
tigung, die Versorgung mit Licht und Kraft oder die Einrichtung von 
Straßenbahnen begründeten die kommunale Daseinsvorsorge. Andere 
Bereiche wie Schlachthöfe, Friedhöfe, Straßenreinigung und Abfallbe¬ 
seitigung fielen zwar nicht immer in den kommunalen Aufgabenbereich 
und wurden oftmals von Privatunternehmen übernommen, doch waren 
auch sie das Ergebnis der wachsenden Krisenphänomene in den 
Städten.23 
Diese wachsenden Aufgaben konnten seit Mitte des 19. Jahrhunderts 
nicht länger von einer überwiegend ehrenamtlichen Verwaltung bewäl¬ 
tigt werden. Hatte die preußische Städteordnung von 1808 zwar vor 
allem für alle Hausbesitzer generell die Möglichkeit der Mitwirkung an 
kommunalpolitischen Entscheidungen verbessert, setzten sich die 
Stadtverordnetenversammlungen in den Industrierevieren des Ruhrge¬ 
bietes und der Saarregion faktisch aus wohlhabenden Honoratioren, 
Handelsunternehmern, Fabrikanten, Kaufleuten, Brauern und zuneh¬ 
mend auch Vertretern der Schwerindustrie zusammen. Zu ihren Kom¬ 
petenzen zählten von nun an im Wesentlichen die Beschlussfassung 
über den Gemeindehaushalt, die Wahl des Bürgermeisters und die 
Kontrolle der laufenden Amtsgeschäfte. Zugleich stellte sich heraus, 
dass die wachsenden kommunalen Anforderungen nur mit zusätzlichen 
hauptamtlichen Bediensteten bewältigt werden konnten. In der Städte¬ 
ordnung für die Rheinprovinz vom 15. Mai 1856 wurden dem Bürger¬ 
meister als "Ortsobrigkeit und Gemeindeverwaltungsbehörde" deshalb 
Beigeordnete zur Seite gestellt, die die ihnen auferlegten Aufgaben er¬ 
ledigen mussten.24 Die Beigeordneten deckten nach Anweisung des 
23 Vgl Klose (1907), S. 4; Stübben (1917), S. 333; Krabbe (1989), S. 114 f. 
Vgl. Krabbe (1989), S. 45; in der rheinischen Bürgermeistereiverfassung fanden 
sich starke Elemente der napoleonischen Gemeindeordnung wieder. Laut Heffter 
(1950), S. 227 verstand sich das Mairiesystem zwar kaum Elemente der kommunalen 
Selbstverwaltung, der Maire war eher lokaler Statthalter des Präfekten, doch "empfahl 
sich (aber das Mairiesystem) doch auch dem Bürgertum durch seine technische 
Leistung, durch das Straffe und Schlagfertige, worin nun einmal die Stärke der 
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