Full text: Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Aufstellung von Flächennutzungs- und Aufbauplänen nicht zwingend vorgeschrie¬ 
ben, andererseits sah das Gesetz eine Genehmigungspflicht für solche Pläne durch 
das Kabinett vor, was aufgrund des hohen Aufwandes die Kapazitäten der Genehmi¬ 
gungsbehörde sehr schnell zu überfordern drohte. 
Nach dem Referendum des Jahres 1955 waren daher nennenswerte Erfolge besonders 
beim Wiederaufbau festzustellen, und die Landesregierung verfügte auch über 
weitreichende Einflußmöglichkeiten auf die konkreten Projekte der Gemeinden. 
Jedoch war die konzeptionelle und fachliche Seite der Landesplanung sowohl perso¬ 
nell wie organisatorisch recht schwach entwickelt. Außerdem entsprach die Rolle der 
gemeindlichen Planung als Vorläufer der Landesplanung zwar dem deutschen Mus¬ 
ter,'16 jedoch dominierte auch nach der Lösung der Saarfrage noch die Perspektive 
der Konflikte um die Teilautonomie bei der politischen Behandlung dieses Politik¬ 
feldes. So wurden die weitreichenden direkten Befugnisse von Gemeinden (z.B. bei 
Enteignungsverfahren), aber auch der bei der Landesregierung angesiedelten Geneh¬ 
migungsbehörde unter ausdrücklichem Verweis auf das frühe Scheitern der französi¬ 
schen Architektengruppe um Georges-Henri Pingusson als „eines der fragwürdigsten 
Erzeugnisse der Gesetzgebung des früheren Regimes“ verstanden.1' Allerdings 
gestaltete sich die Weiterentwicklung dieses Arbeitsbereiches auch in der Bundesre¬ 
publik recht schwierig. Das von Erich Dittrich formulierte wissenschaftliche und 
programmatische Fundament der Raumordnung1™ basierte auf der Grundthese, daß 
Fördermaßnahmen an der Bedürftigkeit von Regionen auszurichten seien.1™ Dies 
lenkte die Aufmerksamkeit von Planung und Politik auf die Probleme strukturschwa¬ 
cher Regionen und erschwerte dadurch die Einbeziehung bereits hochindustrialisier¬ 
ter Regionen in die Raumordnungspolitik.1411 Ein grundlegender Wandel in dieser 
(1958), S. 1-9 und S. 69-77. 
136 Neben dem konkret praktischen Problem des Wiederaufbaus stellt die gemeindliche Planung quasi den 
Vorläufer anderer Formen der Regionalplanung in Deutschland dar, vgl. Arthur Benz u. Franz Walter 
Henrich, Regionalplanung in der Bundesrepublik Deutschland, in: Informationen zur Raumentwicklung 
H. 12 (1980), S. 699-716, hier: S. 699. Das Problem des auf Selbstverwaltung ausgerichteten politischen 
Konzepts zur Überwindung der unmittelbaren Nachkriegsprobleme in Nordrhein-Westfalen untersucht 
Hans-Joachim Behr, Kommunen und Staat, in: Hüttenberger (Hg.), Vierzig Jahre, S. 71-88. Am Beispiel 
der Stadt Regensburg verfolgen Barbara Finke u. Harald Pohl, Studien zur kommunalen Industrieför- 
derung im 20. Jahrhundert. Das Beispiel Regensburg von 1900 bis 1985, Regensburg 1986, die Ver¬ 
schränkung von regionalen Disparitäten und kommunalpolitischen Lösungsansätzen über einen längeren 
Zeitraum hinweg. 
137 So Adolf Heiz (DPS) in: LTDS, 3. WP, Abt. 1, 15. Sitzung v. 29.5.56, S. 358. 
I3S Erich Dittrich, Grundfragen deutscher Raumordnung, Bad Godesberg 1955 (= Mitteilungen aus dem 
Institut für Raumforschung 21). 
139 Eine detaillierte Darstellung dieses Konzeptes liefern: Siegfried Geisenberger, Wolfgang Mälich, J. 
Heinz Müller u. Günter Strassert, Zur Bestimmung wirtschaftlichen Notstands und wirtschaftlicher 
Entwicklungsfähigkeit von Regionen, Hannover 1970 (= Veröffentlichungen der Akademie für Raumfor¬ 
schung und Raumordnung 59). 
140 Das Problem stellte sich insbesondere für die größeren Bundesländer, die sehr unterschiedlich struktu¬ 
rierte Gebiete administrativ vereinigten, vgl. Minister für Landesplanung, Wohnungsbau und öffentliche 
Arbeiten des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.), Strukturverbesserung des Siegerlandes. Denkschrift des 
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