Full text: Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

aber doch, den Wiederaufbau der Gemeinden gemäß seinen Vorstellungen zu koordi¬ 
nieren und zu beeinflussen. Allerdings teilten diese Versuche das „frühe Scheitern“ 
französischer Besatzungspolitik an der Saar.'1' Auch die Politik der Landesregierung 
war von gewissen Elementen des saarländischen Sonderstatus nach 1945/47 geprägt. 
Für Johannes Hoffmann stellte die erfolgreiche Bewältigung des materiellen Wieder¬ 
aufbaus neben der Schaffung eines vorbildlichen Sozialsystems und der Durchset¬ 
zung der Europa-Idee einen besonders wichtigen Bestandteil seiner Politik dar. 
Dementsprechend sah das bereits am 30. Juli 1948 verabschiedete Gesetz über 
Planung und Städtebau einen weitreichenden Einfluß der Landesregierung, genauer 
gesagt: des Ministeriums für Wiederaufbau, das lange Zeit von Johannes Hoffmann 
selber verwaltet w urde, auf die Landesplanung vor. Da aber eine überörtliche Ge¬ 
samtplanung nicht erarbeitet wurde, wurde jedoch faktisch keine übergreifende 
Landesplanung, sondern vielmehr eine Orts- und Gemeindeplanung realisiert.1'2 Dies 
reduzierte den Stellenwert einer systematischen landesweiten Planung und legte es 
den Gemeinden auf, auch weite Teile der Fachkompetenz im Planungsbereieh bereit¬ 
zustellen. 
Um dieses Problem zu begrenzen, wurden im Laufe des Jahres 1954 Experten für 
Landesplanung auf der Ebene der Landkreise eingestellt, die in die Zusammenarbeit 
mit dem Wiederaufbauministerium und den Gemeinden die nötige Fachkompetenz 
einbringen sollten.13. Allerdings konnte damit nur ein Teil der Schwierigkeiten 
überwunden werden, da die besonders komplizierte Kommunalverfassung im Saar¬ 
land, die alte bayerische und preußische Elemente als selbständige Teile enthielt, 
zusätzliche organisatorische Probleme erzeugte. Schon die gänzlich unterschiedlichen 
Zuständigkeiten verhinderten eine landesweit nach einem einheitlichen Schema 
organisierte Landesplanungs- oder Raumordnungspolitik.1'4 Auch die gesetzlichen 
Neuordnungsbemühungen reflektierten diese Probleme.1'" Einerseits wurde die 
brücken 1947, zeigt vielmehr die stadtplanerischen und architektonischen Aspekte der Wiederaulbaupla¬ 
nung. 
1,1 Ausführlich hierzu Rémi Baudouï, Französische Wiederaufbaupolitik an der Saar, oder: Funktionalis¬ 
mus als politische Doktrin ( 1945-1950), in: Hudemann, Jellonnek u. Rauls (Hgg.), Grenz-Fall, S. 279-291. 
132 Vgl. als Überblick über die saarländische Planungsgeschichte: Paul Jost, Zur Geschichte der Landes¬ 
planung im Saarland, in: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hg.), Entwicklung, 
S. 321-3X5, hier: S. 327f. Möglicherweise kann diese Politik als Versuch interpretiert werden, in diesem 
ursprünglich von den Vertretern Frankreichs beanspruchten Machtbereich durch einen stark personalisier¬ 
ten Regierungsstil Einfluß zu gewinnen, ohne diplomatische Probleme mit der früheren Besatzungsmacht 
zu riskieren. Im Kontext der bereits angesprochenen Schwierigkeiten bei der Aufstellung der saarlän¬ 
dischen Landeshaushalte in der Phase der Teilautonomie, die insbesondere den Zugang zu regulären 
Kreditmarktmitteln erschwerten, dürfte weiterhin die Verlagerung der finanziellen Zuständigkeit für den 
Wiederaufbau auf die Gemeinden bei gleichzeitiger Inanspruchnahme außerordentlicher Mittel im 
Landeshaushalt als unter pragmatischen Gesichtspunkten durchaus nicht kontraproduktiv angesehen 
werden. 
133 Vgl. Ministerium für Öffentliche Arbeiten und Wohnungsbau, Fortschrittliche Leistungen im Bausek¬ 
tor, in: Saarbrücker Druckerei und Verlag GmbH (Hg.), Bundesland, S. 73-83, S. 76. 
1 4 Vgl. hierzu Endruweit, Kommunalreform, S. 37ff. 
135 Vgl. hierzu: Fritz Ahammer, Landesplanung im Saarland, in: Raumforschung und Raumordnung 16 
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