Full text: Obrigkeit und Untertanen

Forstordnungen veröffentlicht hatte216. Damit hinkte Nassau-Saarbrücken auch 
hinsichtlich der Forstpolitik über ein Jahrhundert hinter der allgemeinen Entwicklung 
in Deutschland her, wonach bereits ausgangs des 15.Jahrhunderts die ersten Forstord¬ 
nungen erlassen worden waren217. Die erste nassau-saarbrückische Waldordnung für 
die Grafschaften Ottweiler und Saarbrücken sowie die Vogtei Herbitzheim stammte 
vom 1. Januar 1603218. Sie bezog sich ausschließlich auf die herrschaftlichen Waldun¬ 
gen und befaßte sich nicht mit dem Gemeinschaftswald. Gleich zu Beginn - gewis¬ 
sermaßen als Legitimation der Forstordnung - verordnete Graf Ludwig eine 
ordnungsgemäße Verzeichnung aller Forsten und Wälder, die in ein besonder Buch 
oder Register fleißig und ordentlicher Weiß eingetragen werden sollten, damit die 
Wälder in ein Ufnehmen gebracht werden219. Diese von der Herrschaft ins Auge 
gefaßte "Bestandsaufnahme" verweist auf das Hauptkennzeichen der ersten nassau- 
saarbrückischen Waldordnung, das in der Erhaltung des Waldbestandes zu sehen 
ist220. Dies zeigt sich auch an den Kompetenzen des neu gegründeten Oberforstamts, 
die gleich im Anschluß an die Eingangsformel festgelegt wurden: Der Oberforstmei¬ 
ster sollte mit allem Fleiß auf die landesherrlichen Forsten sehen, damit der Lan¬ 
desherrschaft dort zu Eckern Zeitten mit Eintreibung der Mastschwein wie auch 
Verkauffung Holtzes (...) guter Nutzen möge geschafft werden, daß auch in denselben 
kein Schade geschehe; auch hatte er auf die andern Waldförster Achtung (zu) geben 
vorherrschende Meinung widerlegt, daß erst 1728 ein Forstamt eingesetzt wurde (vgl. Köllner, Land, 
S.437; nach ihm: Ruppersberg, Grafschaft II, S.218; Collet, Wirtschaftsleben, S.27 usw.); die gängige 
Auffassung in deT Landesgeschichte basiert auf der Petition der Köllertaler Bauern vom 13.April 
1730, wo dies in der Tat behauptet wird; allerdings war für die Köllertaler, die eigenen Wald besaßen, 
das Oberforstamt auch wirklich etwas Neues (vgl. dazu weiter unten im Text). 
216 Die ersten veröffentlichten nassau-saarbrückischen Forstordnungen stammen von 1603 (LA SB 
22/2307, S.l-24), von 1607 (LA SB 22/2308, S.27-38) und von 1619 (LA SB 22/2308, S.39-60); vgl. 
dazu weiter unter im Text. 
217 Vgl. oben im Text; nach Blickle, Wald, S.38, entstanden die ersten Forstordnungen um 1500 in 
Süddeutschland. 
218 Nassau-saarbrückische Waldordnung vom 1.Januar 1603: LA SB 22/2307, S.l-22 (zeitgenössische 
Abschrift), s.a. Ruppersberg, Grafschaft II, S.50. 
219 Nassau-saarbrückische Waldordnung vom 1.Januar 1603: LA SB 22/2307 (Abschrift), S.l. 
320 Vgl. dagegen Ebert, Waldnutzung, S.43f. (zit. S.44), der behauptet, daß die Waldordnung von 1603 
"vornehmlich der Sicherung von jagdlich genutzten Bannwäldern diente" (S.43). Diese Einschätzung 
für die Waldordnung als Ganzes ist falsch, sie trifft nur auf einen kleinen Teilbereich zu (s.dazu unten 
im Text). Außerdem schreibt Ebert die im Text zitierte Eingangsformel erst der Waldordnung von 
1716 zu, in der für ihn "zum ersten Mal (sic!) in der Furcht vor einer Holznot eine Bestandsaufnahme 
festgelegt (wurde)" (S.44); bei der von ihm dann zitierten Eingangsformel aus der Waldordnung von 
1716 handelt es sich in Wirklichkeit um eine fast wortwörtliche Übernahme aus der ersten Wald¬ 
ordnung von 1603; auch die von Ebert für den vorgeblich erstmaligen Beleg einer befürchteten 
Holznot zitierte Passage aus der Waldordnung von 1716 findet sich wortgetreu bereits in der Wald¬ 
ordnung von 1603 wieder (s. auch dazu weiter unten im Text). Überhaupt sind die Angaben von Ebert 
mit äußerster Vorsicht zu genießen, er hat ganz offensichtlich nur die wenigen bei Sittel (Sammlung) 
abgedruckten Forstordnungen herangezogen und daraus dann unhaltbare 'Rückschlüsse' gezogen, die 
sich auch auf die anderen unveröffentlichten und ihm offenbar gar nicht bekannten Forstordnungen 
bezogen. 
79
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.