Full text: Obrigkeit und Untertanen

aufgrund der landesherrlichen Hoheitsrechte, die sich sowohl allgemein aus der 
Territorialhoheit als auch speziell aus dem Dominium directum ergaben, grundsätz¬ 
lich - wie im Fall der Landgemeinden - nur von einer relativen Forstautonomie der 
beiden Saarstädte sprechen, die allerdings aufgrund der schriftlichen Dokumente 
einem wesentlich höheren Rechtsgrad unterlag. Die städtische Forstverwaltung war 
ein relativ autonomer Rechtsbereich. Wir fragen jetzt noch, ob und inwieweit es 
bereits vor der nassau-usingischen Herrschaftsübemahme zu Auseinandersetzungen 
um die städtischen Waldrechte gekommen war. 
Analog zum schwach entwickelten Territorialisierungsprozeß in Nassau-Saarbrücken 
bestand für die Städte lange Zeit überhaupt kein Anlaß, um ihre Waldrechte zu 
kämpfen. Erst zu Beginn des 17.Jahrhunderts wurden im Gefolge der ersten Versu¬ 
che herrschaftlicher Forstpolitik unter Graf Ludwig viele Waldparcellen gerodet und 
urbar gemacht62. Und obwohl die beiden Städte ausdrücklich von der ersten 
Forstordnung befreit waren, versuchte das neue Forstamt unter dem Junker Gebhard 
von Spulden63 von Anfang an seinen Einfluß geltend zu machen. Nachdem den 
St.Johannem die Forstordnung im Februar 1605 mit der Zusicherung publiziert 
worden war, daß ihnen zu ihrer Unterhalts Nothdurft wie herbracht (...) nichts 
entnommen werde, nahm das Forstamt die Absicht Graf Ludwigs, den Wald zu roden 
und urbar zu machen, zum Anlaß, der Stadt St. Johann unter Berufung auf eben diese 
Waldordnung zu verbieten, bei einer Strafe von 100 Reichstalem ihre Brachfelder am 
Schwarzenberg zu umzäunen und bei einer Strafe von 10 Talern in den beiden nahe 
der Stadt gelegenen Walddistrikten des Kieselgrundes und des Bruchs Holz zu 
hauen; auf all dies sollte der Förster von Scheid achtgeben64 *. Sofort beschwerte sich 
die Bürgerschaft von St. Johann und brachte dem Grafen vor, daß sie bislang von 
ihrer Herrschaft bey dieser Befreyung, inmaßen die Statt Saarbrücken auch her- 
pracht, gelaßen, daß soweit und fern unßere Bannstein und Gemarckten grentzen 
und rüren auch die Wald durch unßere geschworene(n) Förster und Bannschützen 
gehüthet, genüget und gepfändet, inmaßen auch solches von undencklichen Jahren 
von unsern Vorfahren an unß alß usu fructuarii üblich und nießlich herpracht, die 
Ackernießung und Weydgang zu unßerer Uffenthaltung genutzt, gebraucht, auch unß 
darin nach Nothdurft beholtzet mit unschädlichen Holtz, und so einer darüber 
sträflich befunden, wir ihn deßwegen auch sträflich angesehen, also biß anhero und 
noch in Esse erhalten und handhaben; die St.Johanner legten sodann ihre Rechte an 
den drei strittigen Waldbezirken des Kieselgrundes, des Bruchs und des Schwarzen¬ 
62 Köllner, Städte II, S.338. 
63 Zu Gebhard von Spulden, der von 1593 bis 1619 in Nassau-Saarbrücken Hof- und Forstmeister war, 
vgl. die Beamtenliste im Anhang bei Ruppersberg, Grafschaft II, S.423. 
64 Vgl. den Auszug aus alten Stadtprotokollen v. 1726: LA SB 22/2865, fol.96v.-97v. {=Auszug aus 
St.Johanner Stadtprotokoll v, 8.2.1605), s.hierzu auch die Supplik v. 16.2.1605: ebd., fol.97v.-101r. 
(zit.98r.); vgl. zu diesem Vorfall von 1605 bis 1610 auch Köllner, Städte II, S.54-156 u. S,338-340 
sowie Ruppersberg, Städte I, S.176f. 
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