Full text: Obrigkeit und Untertanen

Forstfreveltag angezeigt, an dem nur bürgerliche Mitglieder teilnahmen; wenn 
einmal ein herrschaftlicher Bediensteter hinzugezogen wurde, dann war dies, wie die 
Bürger behaupteten, nicht auß Schuldigkeit, sondern ehrenhalber geschehen5'. Das 
Forstfrevelgeld gehörte ebenso wie das Geld aus dem Holzverkauf zu den ständigen 
Einnahmeposten der Städte, war also auch eine essentielle Statt-Rente, die zu gemei¬ 
nem Nutzen der Städte in Rechnung gestellt wurde51 52 53. Die eigenständige Straferhe¬ 
bung und -Verrechnung zum Besten der Städte war ein außerordentlich bedeutsames 
Privileg, weil sie einen wichtigen Beitrag zur autonomen Forstadministration dar¬ 
stellte. Die Saarbrücker Regierung und das Oberforstamt erkannten den hohen 
Stellenwert und den tieferen Sinn dieses Sonderrechts, wenn sie feststellten, daß die 
beiden Saarstädte in den freyen undt unumbschrenckten Gebrauch ihrer eigentümli¬ 
chen Waldung gekommen undt darinnen nicht nur ratione deren Genusses seithero 
geblieben, sondern da sie bereits seit Anno 1321 (i.e.1322, K R.) mit der ersten 
Instanz undt der Facultaet, über ihre Bürger das Recht zu sprechen, begnadiget 
waren, so ist auch kein Wundter, daß sie neben der privativen Administration ihrer 
eigenen Waldungen auch Cognitionem über die Delicta forestalia, so darinnen 
vorgegangen, genommen undt darinnen wie in andern als auch in denen Waldtsa- 
chen Recht zu sprechen befugt zu seyn geglaubt haben51. Die Saarbrücker Behörden 
verwiesen damit auf einen sehr wichtigen Sachverhalt, nämlich auf den Zusammen¬ 
hang zwischen der erstinstanzlichen Niedergerichtsbarkeit des gemeinsamen Stadt¬ 
gerichts, wie sie gleich zu Beginn des Freiheitsbriefs von 1322 festgelegt war, und 
der daraus ableitbaren Strafhoheit in Forstangelegenheiten54. Damit bestand (und dies 
ist wichtig für unsere spätere Geschichte) in rechtlichen Dingen ein indirekter Zu¬ 
sammenhang zwischen städtischen Privilegien und Waldgerechtsamen. Abgesehen 
von dieser städtischen Besonderheit sind alle bislang behandelten städtischen Rechte, 
die sich aus dem Untereigentum am Wald ergaben, durchaus vergleichbar mit denen 
der waldbesitzenden Gemeinden. Die beiden Städte Saarbrücken und St.Johann 
besaßen aber noch weitere Rechte, die den Landgemeinden mit Waldeigentum nicht 
zustanden. 
51 Vgl. das Protokoll über den Forstfreveltag vom 6.Oktober 1732: LA SB 22/2865, fol.273f. u.276f. 
(zit.276v.). 
52 Vgl. Auszug aus alten Stadtprotokollen v. 1726: LA SB 22/2865, fol.93v. 
53 Gutachten der Saarbrücker Regierung und des Saarbrücker Forstamts an Fürstin Charlotte Amalie 
über den Waldbesitz der beiden Städte Saarbrücken und St.Johann (Entwurf), Saarbrücken 
2.September 1733: LA SB 22/2866, fol.57r.u.v. 
54 Im Freiheitsbrief von 1322 war gleich zu Beginn unter den Bestimmungen über die erstinstanzliche 
Gerichtsbarkeit festgeschrieben worden, daß die Schöffen Befugnis haben sollten, über Bürger und 
Bürgerinnen beider Städte zu richten: Sie sollen haben Verrichtung (Befugnis) über Mann und Frauen 
und ihre Erbschaft in diesen zweien Städten und wes dazu gehört (Zit. nach Köllner, Städte I, S.29, 
der den Freiheitsbrief in sprachlicher Anpassung wiedergibt; zum Original vgl. Klein, Freiheitsbrief, 
S.141). Vgl. zur städtischen Gerichtsbarkeit Köllner, Städte II, S.2ff. sowie Ennen, Selbstverwaltung, 
S.19ff. 
147
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.