Full text: Obrigkeit und Untertanen

an dem neu einzuftihrenden Geißengeld in Höhe von einem Viertel Gulden fest- 
hielt"4. Auch an den Holzrechten änderte sich nicht viel, auf das Bauholz wurde 
weiterhin streng geachtet, das Brenn- und Zaunholz blieb unter den bekannten 
Bedingungen gratis und der Holzverkauf weiterhin gestattet* 115. Aber das entscheiden¬ 
de war, daß die Vormünderin nicht mehr vom Grundsatz ihrer absolutistischen 
Forstpolitik abrückte: Die Aufsicht des herrschaftlichen Oberforstamts über alle 
Waldungen des Fürstentums, die landesherrlichen und die gemeindeeigenen, wurde 
nun erstmals offiziell in einer Verordnung festgeschrieben. Der zentrale, zukunfts¬ 
weisende Artikel der Forstordnung von 1729 lautete: Obwohl einige Städte und 
Dörfer ihre eigene Waldungen, daraus sie sich mit Bau- und Brennholtz versehen, 
haben, so sollen sie doch nicht bemächtigt seyn, dieses ihr eigen Gehöltze ohnnöthi- 
ger Weiß zu verwüsten oder was gute mast- und fruchtbare Bäume sind, ohne Unter¬ 
schied umbzuföllen, die bauliche(n) Höltzer zu Brennholtz oder Zaunstecken zu 
mißbrauchen oder frembden Holtzverkäufern Holtz zu verkaufen oder abkohlen zu 
laßen, sondern sollen solches alles mit Vorwissen unsers Jäger- oder Oberforst¬ 
meisters vornehmen, welcher dann nach Befindung und unserm Gutachten und 
Erlaubniß die Anweisung und Verzeichnung mit dem Waldschlag, auch Abfolgung 
der Waldförster vor sich gehen laßen solle"6. Damit war der herrschaftliche Eingriff 
in die bislang relativ große Forstautonomie der waldbesitzenden Kommunen festge¬ 
schrieben: Gerade ihre so weitreichenden Holzrechte wurden nun erstmals dem 
Oberforstmeister unterstellt, der zudem noch den 'Waldschlag' vorzunehmen hatte, 
was nichts anderes bedeutete als die Einführung der herrschaftlichen Waldaxt im 
Gemeindewald117 *. Indem die Forstordnung von 1729 erstmals den Gemeinschafts¬ 
wald in die Reglementierung mit einbezog"8 und damit alle Waldungen des Für¬ 
stentums erfaßte, stellte sie rechtlich gesehen etwas völlig Neuartiges dar: Sie bildete 
das erste, landesweit gültige 'Forstgesetz' und war damit Ausdruck einer Politik der 
'guten Polizei', wie sie von der Vormünderin erstmals konsequent in Angriff genom¬ 
men wurde"9. Der absolutistische Ordnungs- und Vereinheitlichungsgedanke zeigte 
sich auch daran, daß die Fürstin unbeirrt an der Neueinfiihrung von allgemeingülti¬ 
gen Holztagen festhielt; die Reglementierung scheint fast zum Selbstzweck erhoben, 
wenn vier (von sechs) Wochentagen festgeschrieben wurden, an denen die Unterta¬ 
nen ihr Brennholz zu holen hatten120 *. Außerdem führte die Fürstin eine Menge neuer 
IU Vgl. Art.28 d. Forstordnung v. lö.Oktober 1729: LA SB 22/4337. 
115 Vgl. die Artikel 15, 16, 17, 20, 22 u.24 der Forstordnung, ebd. 
116 Artikel 18 der Forstordnung: ebd. (entspricht genau dem Vorschlag von Botzheims). 
11 Vgl. zur herrschaftlichen Waldaxt als "Symbol eines Rechtstitels" am Beispiel Kriechingens: Ulbrich, 
Rheingrenze, S.231. 
"* Vgl. auch die Artikel 12, 22 u.32, die gleichfalls Bestimmungen zum Gemeindewald unter herrschaftl. 
Aufsicht beinhalten: Forstordnung v. lö.Oktober 1729: LA SB 22/4337. 
IW Vgl. dagegen Ebert, Waldnutzung, S.44, der dies fälschlicherweise erst für die Forstordnung von 
Wilhelm Heinrich v. 1745 annahm. 
1:11 Vgl. den Art.26 der Forstordnung v.lö.Oktober 1729: LA SB 22/4337, 
117
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.