Full text: Obrigkeit und Untertanen

darauf, ob der jeweils kritisierte Verordnungspunkt bereits zuvor in Kraft war, also 
eine unbegründete Beschwerde darstellte oder ob es sich um eine Neuerung handelte, 
die zu Lasten der Untertanen ging und damit durchaus zu beanstanden war. So wies 
sie beispielsweise die Klage gegen die Aufsicht des Forstamts über die 
Rodtheckenbenutzung korrekterweise mit Verweis auf die älteren Forstordnungen 
zurück101. Umgekehrt votierten die Regiemngsräte im Sinne der Untertanen, wenn sie 
wie im Fall der Geißenhaltung und -weide beantragten, daß es bei der alten Ver¬ 
ordnung und Erlaubnis bleiben sollte und die Geißen weiterhin zusammen mit den 
Schafen und dort, wo sie keinen Schaden anricheteten, auch mit dem Rindvieh in den 
Wald getrieben werden könnten102 103. Auch die neuerliche Reglementierung hinsicht¬ 
lich der Eckemutzung sah die Regierung nicht ein, weil lediglich für den Schweine¬ 
eintrieb in die herrschaftlichen Waldungen der Demeth zu entrichten wäre und eine 
Ausdehnung dieser Abgabe auf die Schweinemast in den gemeindeeigenen Wäldern 
nur bey denen Unterthanen viel Querulirens machen würde, als ob es bloß auf Profit 
von der Jägerery angesehen seym. Generell läßt sich sagen, daß die Saarbrücker 
Regierung im Zweifelsfalle für die Untertanen stimmte; dies tat sie, indem sie dem 
Forstamt häufig zur Moderation, Diskretion oder Vorsehung bei der Ausführung der 
jeweiligen Artikel riet. Konkret bedeutete dies, daß die Regierung dem Forstamt 
vorschlug, in der Praxis sich nicht immer an den Buchstaben der einzelnen Bestim¬ 
mungen zu halten, sondern etwas flexibler damit umzugehen. So sollte das Forstamt 
etwa mit der Sperrung von Walddistrikten zur Schonung des Wildes Vorsicht walten 
lassen, damit der für die Untertanen so wichtige Viehtrieb nicht unnötig gehemmt 
werde104; und m bezug auf die neu eingeführten Holztage hatte man sich schon intern 
auf vier Tage in der Woche geeinigt in der Hoffnung, die Beschwerde würde sich 
dadurch erübrigen105. Erstaunlicherweise bezog die Regierung den zentralen Verord¬ 
nungspunkt, der die Aufsicht des Oberforstamts über den Gemeindewald vorschrieb, 
nicht in ihr Gutachten mit ein. 
Noch bevor die Regierung ihr Gutachten nach Usingen abschicken konnte, erreichte 
sie eme weitere Petition aus der bislang noch ruhig gebliebenen, am südlichen Rand 
101 Allerdings möge die Herrschaft klarstellen, daß hierunter nicht das Feldweideland, das weiterhin zur 
freien Disposition jeder Gemeinde bleiben solle, verstanden werde, weil eine auch hierbei von den 
Untertanen befürchtete Einschränckung eben zu dieser Querei den mehrsten Anlaß gegeben habe, vgl. 
das Gutachten der Saarbrücker Regierung v. 12.März 1729: P.14 (zit.S.34); s.a. zu den Hecken P.34 
wiederum mit Verweis auf alte Forstordnungen; zur Feldweidewirtschaft vgl. Karbach, Bauernwirt¬ 
schaften, S.94f. 
102 Vgl. P.49 d. Gutachtens der Saarbrücker Regierung v. 12. März 1729: LA SB 22/2309, S.31-41. 
103 Vgl. die Punkte 48 u. 70 des Gutachtens der Saarbrücker Regierung v. 12. März 1729: LA SB 
22/2309, S.31-41 (hier zit. P.70, S.41). 
104 Vgl. die Art.46u.47 im Gutachten der Saarbrücker Regierung v. 12.März 1729: LA SB 22/2309, S.31- 
41, die sich z.B. nicht in der Spezifikationsliste der Landbeschwerden v. Februar 1729 befinden. 
105 Vgl. die Punkte 43u.44 zu den Holztagen; der Rat zur Diskretion etc. findet sich an sehr vielen Stellen 
d. Gutachtens der Saarbrücker Regierung v. 12.März 1729: LA SB 22/2309, S.31-41. 
114
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.