Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

„Mönch“ durch ein „und“ davon abgetrennt ist. Name und Grafentitel sind also 
aufeinander bezogen, legt man strenge philologische Maßstäbe an die Quellenstelle 
an. Hätte die besagte Person als Graf einen anderen Namen geführt, müßte da der 
Satz eigentlich nicht anders lauten? Wäre es nicht sinnvoller für den Autor des 
Nekrologeintrages, eine Formulierung wie Hugo monachus et olim N. comes zu 
wählen, um einen eventuellen Namenswechsel anzugeben? Ebenso kann noch ein 
weiteres Argument gegen die These Siefferts ins Feld geführt werden. So ist es 
doch naheliegend, die beiden Hauptstifter Eberhard und seinen Sohn Hugo raucus 
an möglichst prominenten Stellen in der Abteikirche zu bestatten. Der Hochchor 
und der Gregoraltar waren solche Stellen185. Es ist zudem davon auszugehen, daß 
man in der Klosterüberlieferung diese beiden Grabstellen auch über die 
Jahrhunderte hinweg kennt. Somit dürfte wahrscheinlich sein, daß nicht jener Gral’ 
Hugo, von dem der Nekrologeintrag lediglich angibt, daß er im oberen Kloster liegt, 
sondern der am 31. Juli verstorbene Hugo Comes & monachus, qui requiescit ante 
altare Gregoru mit Hugo raucus zu identifizieren ist, immer vorausgesetzt, man 
darf der Überlieferung des Nekrologeintrags trauen. Es würde auch nichts gegen die 
Vermutung sprechen, daß Hugo raucus am Ende seines Lebens als Mönch in seine 
eigene Stiftung eingetreten ist. 
Wer ist jedoch der am 5. September verstorbene Hugo Comes, frater Hugonis 
Comitis & monachiprcetitulati, der ebenfalls in dem Kloster bestattet ist? Es muß in 
jedem Falle eine den beiden Hauptstiftem sehr nahestehende Person gewesen sein, 
die auch maßgeblich an der Stiftung mitgewirkt hat. Nun gibt uns aber der Name 
und die Verwandtschaftsbezeichnung dieser Person einige Rätsel auf. Könnte es 
wirklich sein, daß Hugo raucus einen Bruder hatte, der ebenfalls den Namen Hugo 
führte? Man ist versucht, hier an einen Irrtum des Nekrologschreibers zu denken. Es 
kann aber weder eine Verschreibung von pater noch von filius sein. Geht man von 
einer Verschreibung von pater zu frater aus, so würde dies bedeuten, daß besagter 
Hugo der Vater des Hugo raucus wäre. Der Vater des Hugo raucus ist jedoch 
nachgewiesenermaßen Eberhard III.186 und nicht Hugo II., so daß eine solche 
Verschreibung nicht in Betracht zu ziehen ist. Ebenso verhält es sich mit einer 
möglichen Verschreibung von filius zu frater. Wäre dies der Fall, würde es sich um 
Hugo raucus und seinen Sohn Hugo IV. handeln. Dies kann ebenfalls nicht möglich 
sein, da Hugo IV. bekanntlich in seiner Stiftung, der Abtei Heiligkreuz zu 
Woffenheim, bestattet wurde187. Somit bleibt uns nur, die Angabe frater so zu 
nehmen, wie sie dasteht und nicht von einer Verschreibung auszugehen. Man kann 
zwar nicht ausschließen, daß zwei Brüder ein und denselben Namen erhalten haben, 
es ist aber im Frühmittelalter, im Gegensatz zum Spätmittelalter, eher nicht die 
Regel. Eine weitere Möglichkeit wäre, daß Hugo ein älterer Bruder des Hugo 
raucus gewesen und jung verstorben ist - noch bevor Hugo raucus geboren war - 
und dessen Name auf Hugo raucus übergegangen ist, um einen Leitnamen der 
185 Die Abteikirche war ursprünglich dem Hl. Bartholomäus und dem Hl. Gregor geweiht. 
Siehe dazu die Notitiae Altorfenses, MGH SS XV,2, S. 993. 
186 Siehe oben das Zitat in Anm. 119. 
187 Siehe unten S. 43 mit Anm. 232. 
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