Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Burganlage, die Petrus Melioc und ein gewisser Baldemarus von den Grafen zu 
Lehen hatten, sollten den Pfirter Grafen als straßburgisches Lehen verbleiben1407. 
Falls es zwischen den Inhabern der Burgen und dem Grafen von Pfirt zu 
Streitigkeiten kommen sollte, sei der Bischof dem Grafen zur Hilfeleistung 
verpflichtet1408. Auch die Burgen Hohnack und Wineck erhielt Lflrich vom Bischof 
zu Lehen1409. Graf und Bischof sicherten sich zudem noch gegenseitige Hilfe zu, 
falls Dritte ihre Besitzungen beeinträchtigen sollten1410 1411. 
Mit diesem Vertrag kamen die seit 1225 andauernden Auseinandersetzungen um 
die dagsburgische Erbschaft, die einen großen territorialen Umbruch im Westen des 
Reiches bedeuteten, zu einem endgültigen Abschluß. Zusammenfassend kann man 
konstatieren, daß der Hauptanteil der ehemaligen Besitzungen der Dagsburger 
Grafen unter die Bischöfe von Lüttich, Metz und Straßburg aufgeteilt worden war. 
Dies lag wohl auch daran, daß die Bischöfe sich bei ihren Ansprüchen auf das Erbe 
nicht in die Quere kamen. Der Metzer und der Lütticher Bischof beanspruchten 
überwiegend nur die ihnen zustehenden Lehen ihrer jeweiligen Kirchen, die im 
Besitz der Dagsburger Grafen waren. Die Leininger Grafen konnten zwar ihre 
Ansprüche auf die Grafschaft Dagsburg aufrecht erhalten, mußten sie jedoch vom 
Straßburger Bischof zu Lehen nehmen. Den Grafen von Pfirt blieb mit Holmack 
und Wineck nur ein unwesentlicher Teil der einst von ihnen beanspruchten 
dagsburgischen Güter, die Staufer konnten lediglich die Vogtei über Colmar 
erhalten, die Markgrafen von Baden wurden vom Straßburger Bischof mit Geld 
abgefunden, und das niederlothringische Haus Brabant ging gänzlich leer aus141 >. 
1407 SCHÖPFLIN, Alsatia diplomatica I, Nr. 544, S. 406: ..., duobus castris in eodem colle 
istis, que Petrus Melioc & Baldemarus nobis possident, a prelibato domino episcopo & 
ecclesia Argent. nobis & nostris heredibus infeudum reservatis. 
1408 Ebda.: Si vero, quod absit, possessores eorundem castrorum nobis contra justilicun 
rebelles exliterint, & moniti per dominum episcopum non resipuerint, pre fatus dominus 
noster episcopus vel suus successor, qui pro tempore fuerit, de suo castro contra 
prefatos auxilium impercielur nobis. 
1409 Ebda.: Item castra Hohennag & Windecke cum pertinendis eorundem a supradicto 
domino episcopo & Argent. ecclesia infeudum recepimus. 
1410 Ebda.: Promisit quoque nobis dominus noster episcopus pro se & successoribus suis, 
quod si ab aliquo homine nos contra juris formam gravari contigerit, nos in suis 
munitionibus observaturos, ad consimilia nos & heredes nostros sibi & successoribus 
suis obligantes. 
1411 Daß sich das Haus Brabant damit nicht abfinden wollte, zeigt z. B. der Umstand, daß 
sich Herzog Johann II. von Brabant am 28. August des Jahres 1298 von König 
Albrecht das Privileg König Philipps von Schwaben erneuern ließ, worin unter 
anderem der Anspruch auf die Grafschaft Dagsburg bekräftigt wurde, was jedoch, in 
Verkennung der politischen Realitäten am Ende des 13. Jahrhunderts, wirkungslos 
blieb. Abdruck der Urkunde: Chronique des ducs de Brabant, par Edmond de Dynter, 
ed. P. F. X. deRam, 2. Bd., Bruxelles 1854, S. 472 f.; Regest bei P. M. H. Doppler, 
Verzameling van Charters en bescheiden betrekkelijk het Vnje Rijkskapittel ven Sint 
Servaas te Maastricht, 1. Teil, Nr. 236, S. 139, dem jedoch der Druck bei de Dynter 
entgangen war; vgl. W. Reese, Die Niederlande und das deutsche Reich, 1. Bd., Berlin 
1941, S. 616, u. J. Deeters, Servatiusstift und Stadt Maastricht. Untersuchungen zu 
Entstehung und Verfassung, Bonn 1970, S. 76. 
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