Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Über die politische Ausrichtung des neuen oberlothringischen Herzogs gibt es in 
der Forschung widersprüchliche Aussagen. Die vorherrschende Meinung ist, daß 
Gertruds Gemahl am Beginn seiner Regierungszeit auf der welfischen Seite stand. 
Den Ausgangspunkt für diese Annahme bildet dabei ein Vertrag zwischen ihm und 
hochgestellten Metzer Bürgern, die welfisch gesinnt waren, in dem diese dem 
Herzog Hilfe gegen seine Feinde, außer gegen den Bischof von Metz und gegen den 
Kaiser - also Otto IV. versprachen1165. Michel Bur hat die These aufgestellt, daß 
eventuell die Heirat Theobalds I. mit der Tochter Alberts II. von Dagsburg bewirkt 
hat, daß der Herzog auch die antistaufische Haltung des Dagsburger Grafen 
sozusagen übernommen hat, da sich neue politische Gewichtungen ergaben, welche 
durch die seiner Gemahlin - und somit auch ihm - zugefallenen Güter nach dem 
Tode Alberts II. im Jahre 1212 entstanden sind1166. Gegen diese These ist 
einzuwenden, daß die Verbindung zwischen den beiden Häusern - Oberlothringen 
und Dagsburg - durch den Verlobungsvertrag ja schon seit 1206 bestand, Herzog 
Friedrich zudem ein Anhänger Philipps von Schwaben war, dessen Hilfe er wegen 
seiner Auseinandersetzungen mit seinem Schwiegervater, Gral' Theobald von Bar, 
benötigte1167, und später, wie oben schon erwähnt, sich dem neuen König aus dem 
staufischen Haus, Friedrich II., angeschlossen hat. Auch kann eine antistaufische 
Gesinnung Alberts II. von Dagsburg seit ca. 1200 nicht mehr nachgewiesen wer¬ 
den1168. Es ist allerdings hinsichtlich der durch die Heirat bedingten neuen 
politischen Gewichtungen Michel Bur zuzustimmen, weil durch die von Theobald 
erheirateten dagsburgischen Güter vor allem im Elsaß eine territorial pol irische 
Konkurrenzsituation zwischen ihm und den Staufern entstanden war, die schließlich 
1218 in einem militärischen Konflikt, den Kampf um Rosheiin, mündete1169. 
Auch hat Theobald I. angeblich auf seiten Ottos IV. 1214 an der Schlacht von 
Bouvines teilgenommen, wie es uns Wilhelmus Britto in seiner 'Philipide' 
berichtet1170; er ist also schon kurz nach seinem Regierungsantritt in Konflikt mit 
dem jungen Staufer Friedrich II. geraten1171. Diese Auffassung hat Emile 
1165 Duvernoy, Catalogue, Nr. 258, S. 173. Die vertragliche Vereinbarung des durch seine 
Ehe Graf von Metz gewordenen Herzogs mit welfischen Repräsentanten spreche 
für seine gleichartige politische Gesinnung, so der Tenor bei Bur, Les relations, S. 76. 
Vgl. J. Schneider, Metz, S. 107 f., Anm 35. Mohr, Lothringen, 3. Bd., S. 148, Anm. 
314, läßt diese Quelle nicht als Beweis gelten, da z. B. der Metzer Bischof, der 
auch aus dem Beistandsversprechen ausgenommen wird, zu der Zeit bereits staufisch 
gesinnt war. 
1166 Bur, Les relations, S. 76 f.; dem folgt W, Kienast, Deutschland und Frankreich in der 
Kaiserzeit (900-1270). Weltkaiser und Einzelkönige, 3. Teil, 2. Aufl., Stuttgart 1975, 
S. 570, Anm. 1638. Dieser These hat Mohr, Lothringen, 3. Bd., S. 148, Anm. 314, 
widersprochen. 
1167 Vgl. dazu Mohr, Lothringen, 3. Bd., S. 44 ff. 
1168 Siehe dazu oben, S. 308 ff.; vgl. auch Mohr, Lothringen, 3. Bd., S. 148, Anm. 314. 
1169 Siehe dazu unten, S. 351 -356. 
1170 Ex Wilhelmi Brittonis Philipide, in: Ex Wilhelmi Brittonis operibus, ed. A. Molinier, 
A. Pannenborg, G. Waitz, MGH SS XXVI, S. 355, Vers 381 f. 
1171 Zur Teilnahme Theobalds I. an der Schlacht von Bouvines und zu seinem Konflikt mit 
Friedrich II. vgl. Winkelmann, Philipp von Schwaben und Otto IV., 2. Bd., S. 370, 
Anm. 3 u. S. 383 f.; B. GUMLICH, Die Beziehungen der Herzoge von Lothringen zum 
348
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.