Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Ansicht, die sich in der Chronik des Jean de Brusthem aus dem 16. Jahrhundert 
findet1030, durch das Datum der sogenannten Ausstattungsurkunde (1210) und 
durch den Todes Zeitpunkt des Stifters (Jahreswende 1211/1212) widerlegt ist, 
beruht die Meinung, die Stiftung sei schon im Jahre 1202 erfolgt, auf einer 
Nachricht von Jean d'Outremeuse 1031, dessen chronologische Angaben jedoch 
oftmals recht ungenau sind1032. Die Plazierung der Stiftung und Ansiedlung der 
Zisterzienserinnen in das letzte Viertel des 12. Jahrhunderts wurde schließlich von 
neuzeitlichen Historikern vorgenommen, von Buvé und Coenen1033. Zwischen 
chronologisch ungeordneten Nachrichten aus den Jahren 1204, 1207 und 1212 
siedelt die Lütticher Chronik von 1402 die Stiftung von Val-Notre-Dame an1034. 
N. Donnet hat nun in ihrer Arbeit zu den Anfängen von Val-Notre-Dame versucht, 
den Stiftungs- und Gründungsvorgang zu rekonstruieren. Sie hat erkannt, daß 1210, 
zum Ausstellungszeitpunkt der Urkunde Alberts II., schon Zisterzienserinnen in 
Val-Notre-Dame angesiedelt waren, wie sich aus dem Urkundentext ergibt1035. 
Wahrscheinlich werden schon vor der Ansiedlung der Nonnen irgendwie geartete 
Bauten vorhanden gewesen sein, wie die Bestätigungsurkunde der Stiftung vom 17. 
November 1211 durch Papst Innozenz III. erkennen läßt1036. Donnet folgert 
1030 Chroniques Liégeoises, 2. Bd., ed. S. BALAüet É Fairon, Bruxelles 1931, ad 1216, S. 
33: Cum vero Albertus comes de Muha ipsarum intellexisset penuriam, sancto tactus 
spiritu, de consensu Hugonis Leodiensis episcopi, ad quoddam hospitale situm in valle 
inter Wangias et Vinamont prope Huyum eas adduxit et ibidem ecclesiam in honore 
Virginis gloriose Marie edificavit, ob cujus reverentiam abbatia ipsa nuncupatur est 
Vallis-Nostre-Domine. Quam quidem abbatiam idem comes multis dotavit 
possessionibus. 
1031 Ly rnyreur des Mistors IV, S. 565: En chesti an meisme fut fondée U englise et abbie de 
Vals Nostre-Damme deleis Mohal. 
1(02 Siehe dazu Donnet, Les origines, S. 141. Vgl. Osomer, Les origines, S. 59, die zu 
einer ähnlichen Einschätzung kommt. 
1033 Siehe dazu Donnet, Les origines, S. 141. Vgl. Opsomer, Les origines, S. 57. 
1034 La chronique Liégeoise de 1402, ed. E. Bacha, Bruxelles 1900, S. 150 f.: Tune 
Albertus, comes de Muhaut, de consensu épiscopi Leodiensis, ecclesiam et 
monasterium in valle de Laris, inter Wangias et Vinamont, satis prope Hoyum, in 
honore beate Marie Virginis edificavit, ob ejus reverentiam abbatia vocatur Vallis 
beate Marie, quam eciam abbatiam idem comes dotavit multis bonis possessionibus 
Das Ereignis ist nicht wie DONNET, Les origines, S. 141, angibt, in der Chronik 
zwischen Berichten aus den Jahren 1207 und 1209 angesiedelt, sondern an den 
Stiftungsbericht schließt sich der Bericht Uber den sogenannten Erbvertrag zwischen 
Albert II. und dem Lütticher Bischof aus dem Jahre 1204 an. Es folgt der Bericht Uber 
die Geburt Gertruds aus dem Jahr 1206 und über den Tod Alberts II. um die 
Jahreswende 1211/1212 (La chronique Liégeoise de 1402, S. 151). 
Ю35 So spricht Albert II. in der Ausstattungsurkunde für Val-Notre-Dame in der Perfekt¬ 
form vom Stiftungs- und Gründungsvorgang. Siehe im Anhang, Urkunde Nr. 14. 
1036 DrUck der Urkunde bei J. Paquay, Documents pontificaux concernant le Diocèse de 
Liège, Liège 1936, S. 129 f.: ... dato a comité de Daborch advocato Melensi que idem 
monasterium, antequam Cisterciensis ordinis instituta susciperet, possidebat (Zitat, 
ebda., S. 129); allerdings unterläuft Donnet, Les origines, S. 142, Anm, 65, bei der 
Angabe des Datums der Papsturkunde ein Versehen. Sie ist nicht am 18. Dezember, 
sondern am 17. November ausgestellt. Original in Huy, AEH, abbaye du Val-Notre- 
Dame, boîte de chartes, n° 3. Donnet gibt unrichtig als Signatur n° 1 an. 
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