Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Geburt - oder bevorstehende Geburt - eines Kindes von Albert bekannt wurde sich 
eine Bestätigung seiner Anrechte auf Moha und Waleffe von Papst Innozenz III. 
hatte geben lassen998, um seine Ansprüche auf eine solide Rechtsbasis zu stellen. 
Zudem ließ er sich nach dem Tode Alberts im Jahre 1212 durch zwei Urkunden, die 
eine von Abt Heinrich von Haute-Seille, die andere von Herzog Friedrich II. von 
Oberlothringen ausgestellt, bestätigen, daß er der Lehensherr von Moha und 
Waleffe sei999. Erst 1212 dürfte Heinrich I. von Brabant die ganze Tragweite seines 
einstigen Verzichtes auf Moha und Waleffe deutlich geworden sein. Folglich kam 
es um diese Besitzungen erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Heinrich von 
Brabant und dem Lütticher Bischof1000. 
Der Ehekontrakt 
Albert II. hatte wohl selbst nicht mehr mit leiblichen Nachkommen gerechnet, wie 
die obenerwähnten Verträge mit dem Lütticher Bischof und mit Heinrich von 
Brabant zeigen. Jetzt aber ging es darum, seiner Tochter, die den Namen Gertrud 
erhielt, den dagsburgisehen Besitz zu erhalten, indem er sie an einen Dynasten 
verheiratete, der Macht genug besaß, Gertruds Erbe gegenüber anderweitigen 
Ansprüchen, notfalls mit Waffengewalt, zu sichern und ihre Rechte durchzusetzen. 
Wie berechtigt diese Sorge war, zeigen die genannten Auseinandersetzungen um 
Moha, die nach dem Tode Alberts II. einsetzten. Der Dagsburger Graf war schon 
betagt, und er wußte, daß nicht mehr viel Zeit blieb, einen geeigneten Ehemann für 
Gertrud zu finden. Allerdings dürfte dies nicht besonders schwer gewesen sein, da 
Gertrud bei der Bejahrtheit ihres Vaters wohl die alleinige Erbin von dessen 
vielfältigen Besitzungen und somit eine begehrte Braut gewesen war. Ungefähr ein 
halbes Jahr nach der Geburt von Gertrud traf nun ihr Vater mit dem neuen Herzog 
Friedrich II. von Oberlothringen eine Abmachung über die Verheiratung ihrer 
Kinder1001. Albert II. erhielt dafür die Burg Diedersdorf (Thicourt), die auch schon 
das Interesse von Alberts Neffen, Herzog Heinrich von Brabant, erregt hatte, und 
für deren Erwerbung Albert II. seinem Neffen in dem jetzt ja hinfälligen, vor 1204 
geschlossenen Erbschaftsvertrag seine Unterstützung zugesagt hatte1002. Albert II. 
erwarb nun also selbst von Herzog Friedrich II. von Oberlothringen die Burg 
Diedersdorf mit allem Zubehör unter der Bedingung, daß nach Alberts Tod Gertrud 
und deren Ehemann Theobald von Oberlothringen die Burg erben sollten1003. 
998 Siehe oben, S. 316 mit Anm. 991. 
999 Bormans u. Schoolmeesters, Cartulaire I, Nr. 106, S. 168 und Nr. 107, S. 169. 
i°oo Reineri annales, MGH SS XVI, ad 1212, S. 664 f.; zum Ganzen siehe unten das Kap. 
'Die Zeit bis 1220 - Die Ehe Gertruds mit Herzog Theobald von Oberlothringen'. 
toot Druck bei EXeterlen, Le fonds lorrain, Nr. 2, S. 47, Regest bei LXivernoy, Catalogue, 
Nr. 221, S. 151 f. 
1002 Siehe im Anhang, Urkunde Nr. 13. 
1003 Urkunde in: Dieterlen, Le fonds lorrain, Nr. 2, S. 47: Notum vobis jacimus, quod nos 
liberos nostros Theobaldum et Gertrudem ...fide utrinque data et iuramento adhibito 
matrimonio copulavimus sub tali dumtaxat conventione, quod ego Fredericus dux 
Lotharingiae castrum Tyecort cum appenditiis comiti Alberto de Dasbor reddidi et 
heredibus nostris libere cum appenditiis suis possidendum ita tamen, quod comes 
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