Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Die Rolle Alberts II. bei der Königswahl Ottos IV. 
Da Herzog Berthold wegen seines Wechsels zur staufischen Partei nicht in 
Andernach erschienen war, galt es für die niederrheinische Opposition, möglichst 
rasch einen neuen Kandidaten zu suchen. Noch auf der Versammlung in Andernach 
einigte man sich auf Otto von Poitou, einen Sohn Heinrichs des Löwen und Neffen 
des englischen Königs Richard913. 
Vor allem an der Erhebung Ottos von Poitou zum König war der Dagsburger Graf 
maßgeblich beteiligt. Über die Funktion Alberts II. bei der Wahl Ottos gibt uns 
glücklicherweise eine Quelle aus erster Hand Auskunft, nämlich ein undatierter 
Brief des Dagsburger Grafen an Papst Innozenz III., in dem er diesem die Wahl 
Ottos anzeigt und sich selbst explizit als Wähler des Welfen bezeichnet: Cum 
Juisset rebus humanis Hen(ricus) Imperator exemptus, nos et alii principes 
dominum Ott(onem), quondam Henr(ici) ducis Saxonie (filium), in regem 
Romanorum elegimus914, 
Gerade das signifikante elegimus hat die Forschung vor Probleme gestellt, denn die 
seit Julius Ficker geltende Forschungsmeiuung besagt, daß im Zusammenhang mit 
der Herausbildung des jüngeren Reichsfürsten Standes, die Königswahl ab der 
Doppel wähl des Jahres 1198 allein den Reichsfürsten Vorbehalten blieb, die Grafen 
also von der Königswahl ausgeschlossen waren915. So hat man versucht, das 
elegimus nicht im Sinne von „wir haben gewählt“ aufzufassen, sondern in einer 
abschwächenden Weise als eine nicht rechtlich verbindliche Handlung zu inter¬ 
pretieren. Vor allem Heinrich Mitteis ist als Vertreter dieser Meinung auf getreten. 
Er behauptet, man habe die Grafen zwar mit wählen lassen, deren Entscheidung sei 
aber rechtlich nicht mehr relevant gewesen916. Die Argumentation von Heinrich 
Mitteis ist bei genauerem Hinsehen nicht stichhaltig. Warum sollten die fürstlichen 
Wähler auf der einen Seite - gerade in schriftlichen Zeugnissen - größten Wert auf 
Abgrenzung gelegt haben, wie Mitteis im Falle der Formulierungen behauptet917, 
welche in den wohl alle zwischen dem 12. Juli 1198 und März 1199 abgefaßten 
Schreiben von König Otto IV.918, vom Erzbischof Adolf von Köln919 und in einem 
913 Knipping, Regesten, 2. Bd., Nr. 1538. 
914 RNI, Nr. 8, S. 20 f„ Zitat, S. 20. 
915 J. Ficker, Vom Reichsfürstenstande. Forschungen zur Geschichte der Reichsverfassung 
zunächst im 12. und 13. Jahrhundert, 2 Bde., ab Bd. 2, Teil 1 hrsg. v. P. Puntschart, 
Aalen 1961 (= Ndr. d. Ausg. 1861-1923), bes. Bd. 1, S. 94-128 und Bd. 2,1, bes. S. 5- 
31. Ficker erwähnt den Brief Alberts II. an den Papst (Bd. 2,1, S. 14), er meint aber, 
Bezug nehmend auf das Wort eligere, das in mehreren Dokumenten zur Königswahl 
vorkommt: „Mag nun hier das größere Gewicht auf die Vieldeutigkeit des Wortes 
Eligere, auf die Nichtbeachtung des Unterschiedes zwischen Wahl und Zustimmung, 
oder aber darauf zu legen sein, daß die Scheidung in Fürsten und Magnaten noch zu neu 
war, um sich bereits in allen Verhältnissen des Staatslebens mit Schärfe geltend zu 
machen, sichere Zeugnisse, daß wenigstens noch die angeseheneren Magnaten eine 
Wahlstimme hatten, dürfen wir kaum in jenen Stellen sehen“ (ebda., S. 16). 
916 MllTHlS, Königswahl, S. 134 f., Anm. 416. 
917 Ebda., S. 134. 
918 RNI, Nr. 3, S. 10-13, hier S. 11: ... ad quos de iure spectat electio. 
919 RNI, Nr. 9, S. 21-23, hier S. 22: ... qui de iure eligere debent. 
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