Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Hugo von Tours (t 837) angesehen werden kann28. Mit letzter Sicherheit läßt sich 
dies aber nicht beweisen. 
Fundierte Erkenntnisse zur Genealogie der Grafenfamilie in ihrer Frühzeit können 
wir erst ab der späten Karolingerzeit am Ende des 9. Jahrhunderts gewinnen. Man 
stößt auf erste vereinzelte Spuren der Familie in einigen zeitgenössischen Urkunden 
und vor allem in der Vita S. Deicoli, welche über die Neugründung und -besiedlung 
des alten, von einem Kolumbanschüler namens Deicolus gegründeten Klosters 
Lüders berichtet29. 
Diese Vita erzählt uns von einem gewissen Grafen Eberhard und seinen Nach¬ 
kommen, welche sich des Klosters Lüders bemächtigt und dessen endgültigen 
wirtschaftlichen Ruin herbeigeführt haben sollen. Der Sohn und die Enkel 
Eberhards I. seien schließlich durch wundertätiges Wirken des dort begrabenen 
Klostergründers Deicolus zu einem christlichen Lebenswandel bekehrt worden. 
König Otto I. habe dann im Verein mit den Enkeln Eberhards I. Lüders restituiert 
und mit Mönchen des heute nicht mehr bekannten Klosters Alanesberg unter ihrem 
Abt Bertram besiedeln lassen30. 
Gemeinhin wird diese Adelsfamilie in der Forschung für die Frühzeit nach ihrem 
Spitzenahn, den besagter Graf Eberhard darstellt, die Familie der Eberhardiner 
genannt31, auch weil der Name Eberhard in jener Familie, neben dem Namen Hugo, 
in eben diesem Zeitabschnitt Leitnamencharakter besaß. In späterer Zeit, etwa ab 
der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, wird die Familie in den Quellen nach ihren 
Grafschaften, Hauptburgen und Stammsitzen Egisheim, Dagsburg, Moha oder Metz 
genannt. Diese Bezeichnungen wurden von der Literatur allerdings uneinheitlich 
übernommen. 
Wenden wir uns jetzt der genealogischen Einordnung der einzelnen Mitglieder 
dieses Geschlechtes aus den ersten drei Generationen zu. 
Eberhard I. 
Die erste gesicherte Person der Familie können wir in einem im späten 8. und 
frühen 9. Jahrhundert mehrmals bezeugten Grafen mit Namen Eberhard ausmachen, 
von dem sich bis zum Erlöschen dieses Geschlechtes im Jahre 1225 eine lückenlose 
genealogische Linie ziehen läßt. 
Daß jener Graf Eberhard I. Etichonenblut in sich hatte, ist der Forschung schon 
lange bekannt, allerdings konnte eine genaue Einreihung Eberhards I. unter die 
28 So H.-W. Herrmann, Dagsburg, in LexMA III, Sp. 431; zu Hugo von Tours siehe auch 
Th. Zotz, H[ugo], Gf. v. Tours, in: LexMA V, Sp. 162 f. 
29 Ex Vita S. Deicoli, ed. G. Waitz, MGH SS XV,2, S. 674-682. Zu den Anfängen der 
Familie siehe auch Hlawitschka, Anfänge, S. 103-109. 
30 Ex Vita S. Deicoli, MGH SS XV,2, S. 674-682; zu der historischen Genauigkeit der Vita 
S. Deicoli siehe unten Anm. 55. 
31 Büttner, Geschichte des Elsaß I, S. 171 u. 173; Keuler, Einsiedeln, S. 14. 
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