Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

war, schenkte154. Diese Abtretung von Allodialbesitz in der genannten Gegend sei 
der Preis Guntrams für seine Begnadigung gewesen155. 
Weiteres Vorgehen Ottos I. gegen die Eberhardiner 
Im Zusammenhang mit dem Guntramprozeß versuchte Otto I., wie schon erwähnt, 
auch dessen Brüder zu entmachten. Otto wollte in der Folge dieses Ereignisses den 
Einfluß des mächtigen eberhardini sehen Grafengeschlechtes zurück drängen. So 
fällt auf, daß 953, also ein Jahr nach dem Guntramprozeß, im unterelsässischen 
Nordgau ein Graf Bernhard amtierte156, der augenscheinlich nicht der eber 
hardinischen Familie angehörte. Die Amtsenthebung der Eberhardiner im Nordgau 
war anscheinend nur vorübergehend, denn in späterer Zeit kann man wieder 
Familienmitglieder mit dieser Grafschaft betraut sehen157. Ob Guntrams Bruder 
Hugo II. schon 956 wieder als Graf in dieser Grafschaft amüerte, ist jedoch nicht 
ganz sicher158. Jedenfalls konnten die Eberhardiner wieder Einfluß und Besitz in 
von Otto konfiszierten Gebieten zurückgewinnen, z. B. in Colmar. So waren die 
Nachfahren der Eberhardiner, die Grafen von Dagsburg, im 12. Jahrhundert Vögte 
sowohl des Konstanzer Niederhofes als auch des Peterlinger Oberhofes in 
Colmar159. Der Peterlinger Oberhof stammte ursprünglich aus dem ehemaligen 
konfiszierten Güterkomplex Guntrams und war von Otto I. an seinen Schwager 
Rudolf weitergegeben worden, der diese Besitzungen schließlich an Peterlingen 
übergab160. Otto konnte also die Machtstellung am Oberrhein der eberhardinischen 
Grafen nicht vollends brechen, jedoch erheblich beeinträchtigen161. 
Die Maßnahmen Ottos I., den Einfluß der Eberhardiner im Südwesten des Reiches 
zurückzudrängen, waren mit der Absetzung Guntrams und der wenigstens 
zeitweisen Entmachtung von dessen Familie im Nordgau noch nicht abgeschlossen, 
wie aus dem Folgenden ersichtlich wird. 
Die Vorgänge um Lüders 959 
Vom 6. April 959 datiert ein in Quedlinburg ausgestelltes Diplom Ottos I., in dem 
er dem Abt und der Kongregation eines ansonsten unbekannten Klosters 
Alanesberg gestattet, wegen der Ungeeignetheit des bisherigen Standortes ihr 
Kloster nach Lüders zu übertragen, und er schenkt dem Kloster unter anderem den 
154 D O I 166, S. 247 f. 
155 Zotz, König Otto I., S. 75 f. 
156 D O I 166, S. 247: ... quiequid hereditarii iuris Guntramrnus habuit in pago Elisaza 
siturn et in comitatu Bernhardi comitis, vgl. auch Büttner, Breisgau und Elsaß., S. 79; 
es handelt sich hier um die Vergabe einzelner von Guntram konfiszierten Besitzungen 
im Nordelsaß. 
157 So z. B. Gerhard IV. im Jahre 1065 (D H IV 152). 
158 Wiegand, Urkundenbuch I, Nr. 40, S. 31 f. Die Urkunde ist in ihrer Echtheit umstritten, 
siehe dazu oben, S. 28 mit Anm. 134. 
159 Siehe dazu im Kap. 'Vogteien' den Art. 'Colmar'. 
160 Siehe dazu D O I 201 und D O II 51. 
161 Vgl. dazu auch Zotz, Breisgau, S. 186, Anm. 370. 
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