Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim (31)

schließlich in letzter Konsequenz in den Konflikt der Eberhardiner mit Heinrichs I. 
Nachfolger, Otto I. 
Konflikt mit Otto I. 
Erste Konflikte der Eberhardiner mit dem ottonischen Königtum zeigen sich um die 
Mitte des 10. Jahrhunderts und stehen deutlich mit der politischen Neuorientierung 
Ottos I. in Verbindung, die sich aus dessen Heirat mit Adelheid von Burgund, einer 
Tochter von König Rudolf II. von Hochburgund, ergab114. Vor allem an zwei 
Ereignissen verdeutlichen sich die Konflikte: an der Absetzung Guntrams im Jahre 
952 und sieben Jahre später an den Vorgängen um die Neubesiedlung von Lüders. 
Der Prozeß gegen Guntram 
Eine entscheidende Zäsur in der Geschichte der eberhardinisehen Familie bildete 
die auf dem Augsburger Hoftag Anfang August 952115 von König Otto I. 
vorgenommene Absetzung des mächtigen Grafen Guntram, die die Konfiszierung 
seiner Güter nach sich zog116. Guntram war der dritte Sohn Hugos I.117 und hatte 
vor seiner Absetzung im Unterelsaß und im Breisgau eine äußerst machtvolle 
Stellung inne. Davon zeugt die große Zahl von Besitzungen, die er in seiner Hand 
vereinigen konnte. Von den weitläufigen Besitzungen Guntrams erfahren wir fast 
ausschließlich aus Königsdiplomen, zum einen durch Diplome Ottos I., in denen 
dieser die ehemaligen Besitzungen des verurteilten Grafen an Verwandte und ihm 
wichtige Klöster weiterverschenkte, und zum anderen durch Bestätigungsurkunden 
von Ottos Nachfolger im Königsamt für die mit Guntrams ehemaligen Besitzungen 
begabten Institutionen. Guntram war - soweit wir sehen - im Elsaß in Besitz der 
Orte Colmar, Dorlisheim, Hüttenheim sowie von 30 Hufen in Brumath mit den 
Pertinenzen Berstheim, Gries, Mommenheim, Morschweiler und Wahlenheim. Im 
Breisgau gehörten ihm die Orte Bahlingen, Betzenhausen, Buggingen, Burkheim, 
Denzlingen, Endingen, Ihringen, Kenzingen, Kirchzarten, Liel, der strategisch 
äußerst wichtige Mauracherhof, Oberbergen, Riedlingen, der Hof Riegel, 
Oberrotweil, Teningen, Tutschfelden, Unter-Birken, Vogtsburg, Wöllingen, 
Wintzenheim, und im Thurgau laßt sich der Hof Eschenz als Guntrams Besitz 
nachweisen118. Was von den Gütern Guntrams sein allodialer Besitz und was 
möglicherweise von ihm okkupiertes Reichsgut war119, läßt sich nicht mehr 
114 Siehe dazu unten, S. 179 f. 
115 Böhmer-Ottenthal, Nr. 217a, dort auch zur Datierung des Hoftages; vgl. auch Th. 
Zotz, Der Breisgau und das alemannische Herzogtum. Zur Verfassungs- und 
Besitzgeschichte im 10. und beginnenden 11. Jahrhundert (= VuF, Sonderbd. 15), 
Sigmaringen 1974, S. 26. 
116 D O I 236, S. 328: ... Guntramnus, antea quam in nostrum regium ius in nostropalacio 
Augustburc iudicata fuissent pro ipsius comrmssu. Regest: Böhmer-Ottf.nthal, Nr. 
313. 
117 Siehe dazu oben, S. 29 ff. 
118 Zu den einzelnen Orten siehe das Kap. 'Besitzungen'. 
119 Zur Frage nach eventuell von Guntram okkupiertem Reichsgut, siehe unten, S. 180. 
177
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.