Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

des Grafen Hugo von Metz, würde dann der Sohn des Grafen Folmar von 
Blieskastel. Für diese Konjektur spricht, daß ebendieser Hugo von Blieskastel im 
Kontext der Urkunde Arnolds von Trier als Zustimmender genannt wird, worauf 
auch schon Scheffer-Boichorst hinweist602. Der ausfertigende Notar könnte Hugo 
von Blieskastel, da dieser ja dem Schiedsspruch ebenfalls zugesümmt hat, noch 
zusätzlich in die Zeugenreihe des Diploms Friedrichs I. übernommen haben. Das 
Diplom Friedrichs I. ist nicht in seiner Kanzlei verfaßt worden, sondern eine 
Empfängerausfertigung603, so daß sich eine solch unorthodoxe Vorgehensweise 
möglicherweise erklären ließe. Das castellanus könnte eine Verschreibung für 
Castellensis sein, da Ulrich von Neuweiler als castellanus sonst nicht bekannt 
ist60*. Gerade weil die Erwähnung Hugos IX. als Zeuge in einer Kaiserurkunde aus 
dem Jahre 1174 in so eklatanter Weise der chronikalischen Überlieferung wider¬ 
spricht, klingt die zuerst von Paul Scheffer-Boichorst vorgeschlagene Konjektur 
sehr ansprechend. Der von mir konstatierte, aus der chronikalischen Liberlieferung 
resultierende Widerspruch zu D F I, Nr. 629 in den Lebensdaten Hugos IX. paßt 
eigentlich lückenlos in den urkundlichen Befund, daß nicht Hugo IX. von Dagsburg 
Zeuge in D F I, Nr. 629 ist, sondern Hugo von Blieskastel. Es ist auch kaum 
wahrscheinlich, daß Hugo IX. in der Urkunde Arnolds von Trier in der Zeugenreihe 
vergessen wurde und er deshalb in die Zeugenreihe von D FI, Nr. 629 nachträglich 
eingefügt wurde. 
Ein weiteres Indiz deutet darauf hin, daß Hugo IX. im Jahr 1172 verstorben ist, 
nämlich, daß, abgesehen von D F I, Nr. 629, ab 1172 in Urkunden nur noch der 
andere Sohn Graf Hugos VIII., Albert, zusammen mit seinem Vater auftritt, so in 
einer im Jahre 1172 ausgestellten Urkunde der Äbtissin Hawidis von Andlau für das 
ihr unterstehende Kloster Etival, in der Hugo VIII. von Dagsburg als Vogt von 
Andlau fungiert und in der Zeugenreihe zusammen mit seinem Sohn Albert genannt 
wird605. Als weiterer Beleg ist natürlich die besagte Urkunde Arnolds von Trier von 
1174 zu nennen, die ebenfalls nur Hugo VIII. und seinen Sohn Albert anführt606. Es 
sei auch noch die Urkunde Hugos VIII. für das Kloster Pairis aus dem Jahre 1175 
erwähnt, in der der Dagsburger Graf mit Zustimmung seines Sohnes Albert dem 
Zisterzienserkloster das Tal Pairis und sein Gut Remomont schenkt607. Zu diesem 
Zeitpunkt muß Hugo IX. mit Sicherheit schon tot gewesen sein, denn, wenn für 
diese Übertragung schon die Zustimmung seines Bruders Albert erforderlich war, 
hätte doch wohl Hugo IX. als der wahrscheinlich ältere der beiden Brüder, wenn er 
602 Scheffer-Boichorst, Kleinere Forschungen, S. 139: Et sciendum, quod hec omnia 
filius ejusdem comitis Hugo cum ipso pariter in presentia nostra benigne laudavit Aus 
dem Kontext geht eindeutig hervor, daß der Sohn Folmars von Blieskastel gemeint ist; 
siehe ebda, S. 143, Anm. 10. 
603 Siehe dazu die Vorbemerkung zu D F 1 629, S 123. 
604 Siehe Scheffer-Boichorst, Kleinere Forschungen, S. 143. 
605 Druck der Urkunde bei WOrdtwein, 10. Bd„ Nr. 12, S. 45-48: sunt autem nomina 
testium haec: ... Hugo Comes Metensis, & advocatus Andelacensis, & Albertus ejus 
filius (Zitat, S. 48). 
606 Siehe oben, Anm. 597. 
607 Urkunde Hugos VIII. für das Kloster Pairis, Original in: Colmar AD HR, Fonds Pairis 
11 H 1 n° 3, siehe im Anhang, Urkunde Nr. 3. 
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