Full text: Sozialer Besitzstand und gescheiterte Sozialpartnerschaft

sidenten auch Johannes Hoffmann hing.3 Ein Jahr später setzte er diesen Kurs mit der 
Verleihung des saarländischen Verdienstordens an Richard Kirn, den streitbaren 
Sozialdemokraten und SPS-Vorsitzenden sowie langjährigen Minister für Arbeit und 
Wohlfahrt der Ära Hoffmann, fort. Unter Lafontaine wurde vierzig Jahre nach dem 
Referendum erstmals im Rahmen eines Staatsaktes des 23. Oktober 1955 gedacht. 
Auch der Stadtverband Saarbrücken setzte ein Zeichen, als das Regionalgeschichtliche 
Museum am 22. Oktober 1989 seine neue Abteilung ‘Von der ‘Stunde 0' zum ’Tag X’ 
öffnete. 
Im Sommer 1990 diskutierten in einem Kolloquium ehemalige Autonomisten, Expo¬ 
nenten der französischen Saarpolitik und Vertreter der prodeutschen Richtung mit 
Historikern über die Geschichte des Saarlandes zwischen 1945 und 1955. Rainer 
Hudemann, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität des 
Saarlandes, wies als Organisator daraufhin, daß bislang die "für das Saarland bedeut¬ 
same und charakteristische Sozialpolitik" wie auch der Gewerkschaftsaufbau noch kein 
hinreichendes Forschungsinteresse gefunden hätten. Diese Forschungslücke erstaunt 
um so mehr, wenn man bedenkt, welch hoher Stellenwert der Sozialpolitik von den 
Vertretern des wirtschaftlichen Anschlusses und auch ihren Gegnern beigemessen 
wurde und wie oft der Rückhalt der Regierung Hoffmann in der Bevölkerung Ende der 
vierziger und Anfang der fünfziger Jahre gerade mit ihren Sozialleistungen erklärt 
wurde.4 
Forschungssituation5 
Unmittelbar nach der Ablehnung des Saar-Statuts am 23. Oktober 1955 hatte dieser 
Abschnitt der saarländischen Geschichte zunächst erhöhtes wissenschaftliches und 
publizistisches Interesse gefunden. Im Jahre 1958 gaben Klaus Altmeyer, Jakob 
Szliska, Werner Veauthier und Peter Weiant, alle aktive Verfechter einer Ablehnung 
des Saar-Statuts, den Sammelband "Das Saarland. Ein Beitrag zur Entwicklung des 
jüngsten Bundeslandes in Politik, Kultur und Wirtschaft" heraus, der trotz der im 
Vorwort angestrebten "sachlichen von jeder bewußten Polemik freien Betrachtungs¬ 
Peter Scholl-Latourirrtbei seiner Behauptung, Lafontaine habe Hoffmanns Bild in die 
Podrätgalerie einreihen lassen, dies ging bereits auf Lafontaines Vorgänger Werner Zeyer (CDU) zurück, 
siehe ders., Leben mit Frankreich. Stationen eines halben Jahrhunderts. München 1988, S.476. 
4 Siehe Einleitung und Diskussionsbeitrag von Rainer Hudemann, in: Ders. und Raymond Poidevin 
(Hrsg.), Die Saar 1945-1955. Ein Problem der europäischen Geschichte, München 1992, S.9, 430. 
Auf einen umfassenden Forschungsüberblick soll hier verzichtet werden. Siehe dazu: Armin H e i n e n 
, Probleme regionaler Gegenwartsgegeschichte am Beispiel des Saarlandes nach dem Zweiten Weltkrieg, 
in: Alfred Wahl (Hrsg.), L'histoire moderne et contemporaine en Sarre-Lorraine-Luxembourg, Metz 1990, 
S.194-196. Herrmann, Literatur zur frühen Nachkriegsgeschichte. Zu ergänzen durch: Fritz J a c o b y, 
Saarland, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 127/1991, S.555-609. 
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