Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

Einführung 
Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach1, im deutsch-lothringischen Grenzraum auf 
halber Strecke zwischen Metz und Bouzonville gelegen, nimmt seit dem 12. Jh. als 
Strahlungszentrum eine Mittlerstellung zwischen dem Römisch-deutschen Reich, 
Frankreich und dem Herzogtum Lothringen ein. Wenn sie in der historischen For¬ 
schung gleichwohl kaum Beachtung gefunden hat, ist dies vorrangig die Folge ei¬ 
ner lange Zeit zu sehr von nationalen Gesichtspunkten geprägten Geschichtsbe¬ 
trachtung. Empfindet man heute die Lage des Klosters an dieser Nahtstelle im Zei¬ 
chen eines gemeinsamen Europa als zentral, so mußte für den Betrachter, dessen 
Horizont gewissermaßen an der Grenze endete, die Abtei, ja die gesamte Region, 
der äußersten Peripherie zuzurechnen sein. Hinzu kam, daß im Mittelalter Weiler- 
Bettnach zum Reichsverband gehörte, mit der Eingliederung Lothringens durch das 
Königreich Frankreich die Abtei aber seit dem 18. Jh. Bestandteil des französischen 
Staatsgebietes wurde. In wessen "Zuständigkeitsbereich" sollte also die Aufarbei¬ 
tung der Geschichte Ostlothringens fallen2? Daß für keines der Klöster des Landes, 
gleich welchem Orden sie angegliedert waren, eine Monographie vorliegt, die mo¬ 
dernen wissenschaftlichen Maßstäben gerecht wird, ist sicher kein Zufall. Zusätzli¬ 
che Berührungsängste ergaben sich durch den Verlauf der Sprachgrenze, die nicht 
mit den politischen Verhältnissen korrespondierte, sondern erheblich dauerhafter 
diagonal das Land östlich von Metz durchschnitt3. 
Dabei verspricht die Lage der Abtei Weiler-Bettnach quasi auf der mittelalterlichen 
Sprachgrenze, deren trennender Charakter durchaus schon in jener Zeit empfunden 
wurde4, dem Historiker wie dem Linguisten wichtige Erkenntnisse: über den Um¬ 
gang mit dieser Barriere, über ihren Einfluß auf wirtschaftliche und personelle Fra¬ 
gen oder bei Aufarbeitung der Güterbesitzurkunden über die regionale Verteilung 
der Liegenschaften bzw. über den örtlichen Flumamenbestand. Vor diesem Hinter¬ 
grund gilt es, die "klassischen" Themen einer Klostermonographie wie die Grün¬ 
dungsgeschichte, die wirtschaftliche Entwicklung oder Aspekte des monastischen 
* Die Deutung des zweiten Namenbestandteils ist umstritten. H. Hiegel stellt ihn zu mlat. betta, mhd. 
bede, bzw. zu lat. ager, mhd. acker, und interpretiert ihn als "Acker, der mit einem Zins belastet 
ist". Demgegenüber spricht sich W. Haubrichs für die Erklärung "Acker, Land des Betto" gemäß 
einer erschlossenen ahd. Form *Beddenackar aus. Vgl. dazu H. HIEGEL: Stand, S. 294; DERS.: 
Dictionnaire, S. 356; HAUBRICHS, S. 282f. 
2 Vgl. den programmatischen Titel "Zwischen Regnum und Imperium" der Habilitationsschrift von 
Heinz Thomas mit dem Untertitel: "Die Fürstentümer Bar und Lothringen zur Zeit Kaiser Karls 
IV." (Bonner Historische Forschungen, Bd. 40), Bonn 1973. 
3Vgl. die Sprachgrenzkarte bei WITTE, der Für die Zeit zwischen 1000 und 1500 über weite 
Strecken kaum Verschiebungen feststellen konnte. Die veränderte politische Situation bewirkte 
zwar eine Ausdehnung der französischen Sprache in östlicher Richtung, gerade im Bereich nord¬ 
östlich von Metz allerdings nur um wenige Kilometer. Die aktuellste Beschreibung liegt bei H. 
HIEGEL vor, der in einem 1983 publizierten Aufsatz eine Linie skizzierte, die von Nordwesten 
nach Südosten Uber die Orte Volmerange-les-Mines, Escherange, Thionville, DistroiT, Hombourg- 
Budange, Ebersviller, Piblange, M^gange, Guinkirchen, Boulay, VoImerange-l£s-Boulay, Brouck, 
Crdhange verlief (H. HIEGEL: Stand, zu den einzelnen Orten). 
4 KARPF, S. 170f., teilweise in Anlehnung an ältere Arbeiten von F. Petri und J. Schneider. 
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