Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

kannt, wurde weder über die Abtei noch die mit ihr verbundenen Personen jemals 
eine Kirchenstrafe verhängt. 
Die größte Zahl an Gunsterweisen datiert aus der Zeit Alexanders IV., der innerhalb 
eines Monats für Weiler-Bettnach acht Urkunden ausstellte. Ein Blick in die rele¬ 
vanten Regestenwerke zum Pontifikat Alexanders macht deutlich, daß die - darin 
übrigens nicht enthaltenen - Papstbullen nicht in den Zusammenhang einer weitrei¬ 
chenden Privilegierung der Zisterzienser zu stellen sind, obwohl teilweise allge¬ 
meine Entscheidungen nur speziell verbrieft worden sein dürften. Da bis auf eine 
Ausnahme sämtliche Stücke lediglich als Abschriften im wenig zuverlässigen 
Chartular von Weiler-Bettnach überliefert sind, mag ein Fälschungsverdacht ver¬ 
schiedentlich gerechtfertigt erscheinen. Dagegen sprechen indes die korrekten An¬ 
gaben von Ausstellungsort und -datum, ferner die Mitteilungen des Kopisten über 
die ihm vorliegenden Originale und schließlich ein Stück, das zumindest als Kopie 
eines Transsumpts von 1294 überdauert hat und gesondert aufbewahrt wurde24. Es 
erhebt sich die Frage, ob sich jemand an der Kurie für die Interessen Weiler-Bett- 
nachs stark gemacht hat. Sämtliche Bullen wurden in Anagni ausgestellt. Bemer¬ 
kenswert ist, daß auch von Clemens IV. fünf Urkunden für Weiler-Bettnach über¬ 
liefert sind, von denen vier aus der Zeit zwischen dem 1. Juni und dem 12. Juli 
1265 stammen und in Perugia verfaßt wurden. Von dem zwischen Alexander und 
Clemens amtierenden Papst Urban IV. erfuhr Weiler-Bettnach dagegen keine Be¬ 
günstigung. Den Grund für die auffällige Verdichtung in einer besonderen Stellung 
des Abtes von Weiler-Bettnach zu suchen, legt die Abtsliste nahe, nennt Dupriez 
doch für die Zeit von 1222-66 mit Abt Petrus de Ponte eine der herausragenden 
Persönlichkeiten der Klostergeschichte25. Entgegen diesem Verzeichnis war Petrus 
aber in keinem der Fälle der Empfänger, sondern einer seiner beiden Nachfolger: 
Abt Wilhelm stand bereits 1257 dem Konvent vor26, sein vermutlicher Nachfolger 
Friedrich weilte schon zu Beginn des Jahres zur Visitation in Eußerthal27. Die Rei¬ 
he der Urkunden Alexanders IV. für Weiler-Bettnach eröffheten zwei vermö¬ 
gensrechtliche Bestimmungen. Am 27. Dezember 1259 entschied er, daß das Klo¬ 
ster den Besitz, der einzelnen Brüdern wegen ihres Erbanspruchs znfällt, einfordem 
darf28. Die 1281 von Martin IV. bestätigte Bulle29 richtete sich zum einen gegen 
den Privatbesitz einzelner Zisterziensermönche, ein Problem, das den Orden in der 
24ADMH 1715 Nr. 6. 
25 DUPRIEZ, S. 270; GC, Bd. XIII, Sp. 945, weist bereits für 1263 seinen Nachfolger Friedrich aus. 
26 ADM H 1714, fol. 96v-97r; gedruckt bei MARICHAL, S. 60f. Nr. 48. 
27 v. MALOTTKI, S. 263f. Nr. 283; WÜRDTWEIN: Nova Subsidia, Bd. XII, S. 187-191 Nr. 82 
[1264 112]. 
28 ADM H 1714, fol. 560v-56Ir; WOLFRAM: Regesten, S. 203 Nr. 75. Vgl. hierzu auch bei 
POTTHAST die Nm. 11.710 (1245 VII 3], 11.949 [1245 X 30], 12.108 [1246 V 15] u.Ö. sowie all¬ 
gemein für den Orden Nr. 12.316 [1246 X 22]. Es handelt sich um ein häufig gewährtes Privileg. 
29 ADM H 1714, fol. 562r-v; WOLFRAM: Regesten, S. 207 Nr. 95 (die Regestennummem 82-90 
sind doppelt vergeben). Das gleiche Privileg erhielten am 16. August 1278 die Abtei St.-Vincent in 
Metz aus der Hand Papst Nikolaus' III. (ADM H 1921) und am 6. Juli 1295 die Abtei Lubeln/St. 
Martin Glandariensis durch Nikolaus IV. (ADM H 1028). 
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