Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

hervor, daß der Abt von Eußerthal nach Verleumdungen durch einen Konversen 
auf sein Amt verzichtete61. Die Versammlung setzte den Abt wieder ein und lud 
ihn, den Vaterabt sowie den Konversen vor das Generalkapitel, um dort den Fall zu 
verhandeln. Dem Abt von Weiler-Bettnach wurde sofort eine Strafe auferlegt, weil 
er der Demission zugestimmt hatte. Ob er dazu nach Eußerthal gereist war, ist zu¬ 
mindest fraglich, da eine Untersuchung vor Ort ansonsten eigentlich Aufklärung 
hätte bringen müssen. Vielleicht hinderten ihn die schwierigen Verhältnisse in 
Weiler-Bettnach daran62. 
Wie in diesem spielten auch in den beiden folgenden Fällen Eußerthaler Konversen 
die Hauptrolle. Der Abt hatte einem weltlichen Herrn einen Konversen "geliehen", 
was das Generalkapitel 1200 monierte63. Wenngleich das zeitlich begrenzte Über¬ 
lassen von Konversen, die besonders über Spezialkenntnisse in Kriegstechnik, 
Handwerk und Wirtschaftsführung verfügten, als weithin gängige Praxis gelten 
muß64, versuchte das Generalkapitel immer wieder, dagegen einzuschreiten oder 
zumindest die Ausleihe auf ehrenhafte Tätigkeiten - was immer man darunter ver¬ 
stand - einzuschränken. Im angesprochenen Fall hatte der Abt den aus seinem Klo¬ 
ster stammenden Laienbruder unverzüglich zurückzubeordem und in der Folgezeit 
unter strengerer Aufsicht zu halten. Nur sechs Jahre später versah in Eußerthal ein 
Konverse das Amt des Obercellerars, was in krassem Widerspruch zu den Or¬ 
densregeln stand, andererseits aber auch auf herausragende ökonomische Kennt¬ 
nisse des Mannes hindeutet65. Die Tatsache als solche, daß das nach Abt und Prior 
wichtigste Klosteramt in den Händen eines Konversen lag, verbunden damit, daß er 
auf der Reise befindlichen Äbten trotz vorhandenen Überflusses keinen Hafer zur 
Verfügung stellen wollte, veranlaßten das Generalkapitel, mit aller Schärfe gegen 
ihn vorzugehen. Er wurde in ein anderes Kloster geschickt, wo er für ein Jahr in¬ 
nerhalb der Konversen den letzten Rang einnehmen sollte. Die Rückkehr nach Eu¬ 
ßerthal blieb der Entscheidung der Äbteversammlung Vorbehalten. Auffällig ist, 
daß ein Abt von Eußerthal nicht erwähnt wird, obwohl dessen Bestrafung ebenfalls 
zu erwarten wäre66. Kontakte zwischen Eußerthal und seinem Mutterkloster Wei¬ 
ler-Bettnach lassen sich - ganz im Gegensatz zu dem zuvor behandelten Viktring - 
für die Gründungs- und Konsolidierungsphase nicht belegen, sieht man einmal von 
der gemeinsamen Ausführung des in Citeaux 1196 gefaßten Beschlusses ab. Einen 
ersten konkreten Hinweis auf bestehende Beziehungen zwischen beiden Klöstern 
liefert eine Entscheidung des Generalkapitels aus dem Jahre 1231, die ebenso spek¬ 
61 CANIVEZ I, S. 217f. <1197,38). 
62 Vgl. dazu CANIVEZ I, S. 229 (1198,37), wo u.a. von Mönchen und Konversen berichtet wird, die 
den Abt von Weiler-Bettnach verlassen haben. 
63 CANIVEZ I, S. 26If. (1200,66). 
64 Vgl. etwa CANIVEZ I, S. 399f. (1212,45), wonach die Äbte von La Chalade, Weiler-Bettnach und 
Lisle-en-Barrois die dem Grafen von Bar geliehenen Konversen sofort zurückbeordem sollen. Zur 
Thematik allgemein R. SCHNEIDER, Klosterhaushalt, v.a. S. 28-86. 
65 CANIVEZ I, S. 331 (1206,59). 
66 Vgl. die Ungereimtheiten in der Eußerthaler Abtsliste, die SCHERER, S. 22f., herausgearbeitet hat. 
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