Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter (27)

den barg. Schließlich unterlag der Weinhandel den Gesetzen des Marktes, spürbar 
in der seit dem Beginn des 14. Jh. einsetzenden Rezession36. Logische Konsequenz 
war das Bemühen Weiler-Bettnachs zunächst um den Verkauf seiner Wingerte im 
Stadtgebiet, der mit der schrittweisen Aufhebung des Pachtverbots der Vergabe ge¬ 
gen einen regelmäßigen Zins wich37. Alternativ boten sich hierfür die Erhebung ei¬ 
nes variablen Zinses in Form der Halb-, Drittel- oder Viertelpacht, der sich am je¬ 
weiligen Ertragsergebnis orientierte, oder eines festen Natural- bzw. Geldzinses an. 
Während Weiler-Bettnach die erste Form kaum praktizierte, gaben ihr andere Klö¬ 
ster wie Eberbach oder Himmerod den Vorzug38. Vor- und Nachteile liegen auf der 
Hand: Flexible Abgaben stellten für den Verpächter ein Risiko dar, das im Extrem¬ 
fall einen völligen Zinsverlust, in Spitzenjahren dagegen große Erträge bedeutete. 
Durch den jeweiligen Verkaufspreis dürfte sich dies allerdings in etwa relativiert 
haben. Feste Geldleistungen erlaubten zwar eine exakte Kalkulation des Kloster¬ 
haushalts, gerade bei langfristig abgeschlossenen Pachtverträgen, v.a. Erbbestands¬ 
briefen, drohte de facto eine Zinsminderung durch Geldentwertung. Neben der 
grundsätzlichen Priorität, die man in den jeweiligen Klöstern dieser oder jener 
Pachtform einräumte, dürfte bisweilen die Wetterempfindlichkeit einer Weinlage 
eine wichtige Rolle gespielt haben. Gerade bei der Erbpacht setzte Himmerod in 
Trier auf die Teilabgabe, da dem Winzer an einer gewissenhaften Hege und Pflege 
der Wingerte im Hinblick auf die nachfolgende Generation gelegen sein mußte. 
Das Beharren Weiler-Bettnachs auf festen Zinsen erfolgte vor dem Hintergrund des 
dramatischen Einbruchs im Metzer Weinhandel, der vielfach gar zur Aufgabe des 
Weinbaus zwang. 
Neben dem Weinbau bildete Hausbesitz das zweite Standbein Weiler-Bettnachs in 
Metz. Zusätzlich zu dem Stadthof selbst und den bereits angesprochenen Häusern 
mit den Namen la porte blanche und la porte noire läßt sich eine größere Zahl von 
Gebäuden urkundlich belegen. Ohne auf deren Lage im Stadtbild näher einzugehen 
- die Lokalisierung ergibt sich in der Regel aus der Nennung des Viertels oder der 
Straße und der links wie rechts angrenzenden Nachbarn -, sei auf ihre große Streu¬ 
ung hingewiesen39. Den eindeutigen Schwerpunkt bildete aber der engere Bereich 
um den Weiler-Bettnacher Stadthof in Porsaillis. Das in der Periode des Verbots 
von Zeit- und Erbpacht schon für den Weinbau festgestellte Bemühen der Abtei um 
den Verkauf städtischer Güter galt gleichermaßen für sonstige Immobilien, wobei 
erneut die Überschneidungen von Verkauf und Pfandleihe in der Form der Ge¬ 
schäftsabwicklung zu beachten sind. Gemäß der im Zisterzienserorden seit dem 13. 
Jh. stufenweise Einzug haltenden Vergabe von Gütern gegen Pachtzins behielt 
Vgl. hierzu auch die Ausführungen zum Weinanbau; zum Niedergang des Weinhandels in Metz J. 
SCHNEIDER: Metz, S. 212,406, 413, 418-423. 
37 Die Zulassung der Zeitpacht erfolgte 1220, die der Erbpacht hingegen erst 1315; vgl. ZAHND, S. 
62. 
38 Bei Eberbach dominierte die Viertel- oder Drittelpacht, die Halbpacht kam selten vor; feste Wein¬ 
zinse nahmen daneben breiten Raum ein (J. STAAB: Zisterzienser, S. 6). Himmerod löste im 14. 
Jahrhundert die festen Pachtzinse durch die Halb- oder Drittelpacht ab (BENDER, S. 292). 
39 Zum Häuserbesitz Weiler-Bettnachs in Metz im einzelnen BENDER, S. 186-199. 
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