Full text: Die Zisterzienserabtei Weiler-Bettnach (Villers-Bettnach) im Hoch- und Spätmittelalter

zumindest ein Teil der Abteien39 dürfte in die Auseinandersetzungen zwischen dem 
Herzog von Lothringen und dem Grafen von Vaudémont40 involviert gewesen sein. 
Da man weitgehend ausschließen kann, daß sich dieser Konflikt bis nach Weiler- 
Bettnach auswirkte, dürften hier andere Vorfälle, vielleicht die des Jahres 1438, für 
die Abgabenreduzierung maßgebend gewesen sein. Im ausgehenden 15. Jh. scheint 
Weiler-Bettnach auch von den sehr verwickelten Kontroversen zwischen Lothrin¬ 
gen und Burgund, in die neben regionalen Herrschaftsträgem auch der Kaiser und 
der französische König mehr oder minder aktiv eingriffen41, erfaßt worden zu sein. 
Die Übersendung einer Urkunde durch Herzog Karl den Kühnen, der im September 
1475 die Abteien Freistroff und Weiler-Bettnach unter seine sauvegarde stellte42 43, 
könnte zwar eine prophylaktische Maßnahme gewesen sein. Ein gleiches Privileg 
stellte jedoch ein Jahr später der Graf von Campo Basso aus, der sich damit gegen¬ 
über der Abtei erkenntlich zeigte für die bons et agréables Services a luy faictz par 
lesdits abbé et couvent pendant que son armée estoit par degcfi^. Dies spricht zu¬ 
mindest für Fouragelieferungen durch das Kloster. Nach Huguenin lagerten die 
Burgunder (les Borguignons)44 1493 bei Sainct-Humbert, mit dem nur das unmit¬ 
telbar bei Weiler-Bettnach gelegene, 1602 auf den Fundamenten einer Wüstung un¬ 
ter gleichem Namen neugegründete, St.-Hubert gemeint sein kann. Sie begingen 
einige Übergriffe, ehe sie gestellt und bis auf wenige, die entkamen, erschlagen 
wurden45. Daß Weiler-Bettnach 1525 in die Bauernkriege hineingezogen oder gar 
die Abtei teilweise zerstört wurde46, belegen weder Hinweise in den klostereigenen 
Beständen, noch deutet die geographische Ausdehnung der Bewegung daraufhin47. 
Dagegen litt Weiler-Bettnach enorm unter den deutsch-französischen Auseinander¬ 
setzungen um die Zugehörigkeit von Metz. Ob hierbei die Lage der Abtei praktisch 
auf der Sprachgrenze erschwerend ins Gewicht fiel, bleibt fraglich. Jedenfalls 
39 Die Entscheidung bezog sich auf die Zisterzen Lisle-en-Barrois, Vaux-en-Omais, St.-Bénoît-en- 
Woévre, Weiler-Bettnach, Beaupré, Clairlieu, Clairefontaine und Vaux-la-Douce. 
40 MOHR, Teil IV, S. 79f. 
41 Ebd., S. 119-129, v.a. S. 128f.; LOTHRINGEN, S. 222-224. 
42 ADM H 1714, fol. 413r-415v [1475 IX 22]. 
43 ADMM B 483 Nr. 55, fol. 8r [1476 IX 13]. Zu dieser Phase des Burgunderkrieges J. 
SCHNEIDER: Guerre, v a. S. 96. 
44 Möglicherweise handelte es sich hierbei nicht mehr um reguläre Truppen, sondern um Marodeure, 
die ähnlich den Armagnaken plündernd die Lande durchzogen. 
45 HUGUENIN: Chroniques, S. 597: "Le cinquiesme jour de novembre [1493] furent nouvelles 
apportées que les Borguignons qui avoient, à ces derniers jours, passé empres de la cité, de leur 
vollunté estoient allez logier à l'entour de Sainct-Humbert où ilz faisoient plusieurs malz et domai- 
ges et ne se volloient deslogier. Parquoy ceulx du pays se mirent ensemble et frappèrent sus lesdits 
Bourguignons et en mirent tant à mort qu'il n'en eschaippa que ung bien peu." 
46 So DOSSE, S. 46. 
47 MOHR, Teil IV, S. 145. 
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